Sebastian Vettel (35) verabschiedet sich Ende der Saison aus der Formel 1. Doch was bleibt, sind die vielen Geschichten und Spuren, die er im Fahrerlager hinterlassen hat.
So auch bei Otmar Szafnauer (57). Der jetzige Alpine-Teamchef holte Vettel 2020 zu Aston Martin. Doch er verrät auch, dass es nicht sein erster Versuch war, den Deutschen zu verpflichten.
„Ich kenne ihn, seit er 18 oder 19 Jahre alt ist“, berichtet der US-Amerikaner, der einst auch Teamchef bei Honda war. „Ich war bei Honda Racing und Seb kam zu mir und sagte: ,Ich habe ein Zwei-Wochen-Fenster, in dem ich sowohl bei Red Bull als auch bei BMW aus dem Vertrag raus bin. Seid ihr also daran interessiert, mich unter Vertrag zu nehmen?‘“
Szafnauer erklärt: „Er war damals eine unbekannte Größe, aber ich dachte mir: ,Ja, der Junge ist gut. Zwei Wochen Zeitfenster!‘ Ich ging also zu Gil de Ferran (damaliger Sportdirektor bei Honda; d. Red.) und sagte: ,Wir haben ein Zeitfenster von zwei Wochen, um Seb Vettel zu verpflichten!‘“
Sebastian Vettel redete 2007 auch mit Honda!

Nach Auto-Bild-Informationen handelt es sich um einen Zeitraum im Jahr 2007, bevor der Heppenheimer nach seinem BMW-Debüt in Indianapolis ab dem GP Ungarn zu Toro Rosso wechselte. Allein: Am Ende entschied sich der Deutsche für die Karte Red Bull und damit sowohl gegen eine Warteposition bei BMW als auch gegen Honda. Die Japaner verpflichteten ihrerseits Jenson Button und Rubens Barrichello für 2008.
Trotzdem hat Vettel nachhaltig Eindruck hinterlassen bei Szafnauer – immer wieder. „Er ist ein super Typ“, sagt der Alpine-Teamchef. „Ich habe ihn (nach dem Rücktritt; d. Red.) angerufen und ihm nur das Beste für die Zukunft gewünscht. Er zieht sich jetzt zwar zurück, aber ich bin mir sicher, dass er etwas anderes machen wird, das würdig und lohnenswert ist.“
Dann gerät der US-Amerikaner über den viermaligen Weltmeister ins Schwärmen. „Wenn man ihn als Person kennenlernt, ist er ein erstaunlicher Mensch, mit einem großen Herzen.“
Das bestätigt eine andere Geschichte, die Szafnauer mit Vettel erlebt hat. „Während der COVID-Phase fühlte er sich wohler, wenn er nicht in ein Hotel ging, wo er sich mit COVID hätte anstecken können. Also kam er zu uns nach Hause, wenn er in England war. Und jedes Mal, wenn er zu uns kam, brachte er selbstgebackenes Brot mit, das er in der Schweiz gebacken hatte, in dieser kleinen Tasche, die er dabei hatte.“
Das machte nachhaltigen Eindruck auch bei der Familie des Teamchefs. „Ich weiß noch, wie die Kinder das erste Mal alle geguckt haben. Sie liebten Sebs selbstgebackenes Brot über alles. Jedes Mal, wenn er kam, musste er also ein neues mitbringen. Genial! Ich meine, wer macht das sonst?“
Typisch Vettel! Auf solche Geschichten muss die Formel 1 in Zukunft wohl verzichten…

Von

Bianca Garloff