Formel 1: Sebastian Vettel im Interview
Ricciardo hat mir das Leben schwer gemacht

Sebastian Vettel spricht im großen Interview bei AUTO BILD MOTORSPORT über seine bisherige Saison, Fernando Alonso und welche Lektion er 2014 gelernt hat.
Bild: Getty Images
- Ralf Bach
- Bianca Garloff
Herr Vettel, endlich standen Sie in Singapur wieder auf dem Podium. Wie wichtig war Platz zwei für Ihr Gemüt?
Sebastian Vettel (27): Natürlich tut das gut. Der Junge hat’s endlich wieder hingekriegt (lächelt). Diese Saison ist sicher die härteste, die mein Team und ich bisher durchlebt haben, und der Fakt, dass sich unsere harte Arbeit langsam bezahlt macht und dass keiner aufgegeben hat, bedeutet mir wirklich sehr viel.
Zuletzt gab es viele Gerüchte. Ein Wechsel zu Ferrari stand im Raum. Können Sie nach diesem Erfolgserlebnis garantieren, nächste Saison noch bei Red Bull zu fahren?

Vettel beim Interview mit den ABMS-Reportern Bach (M.) und Garloff (r.)
Fernando Alonso hat zuletzt betont: Man sehe jetzt, dass Sie gar nicht der beste Fahrer sind, sondern Lewis Hamilton viel besser sei...
Ich vermute, ich sollte das als Kompliment auffassen. Fernando und ich hatten eine Menge enger Kämpfe, und natürlich bin ich glücklich, dass ich oft gewonnen habe. Also interpretiere ich das so, dass er mich anscheinend nicht sehr gut leiden kann.
Wen halten Sie denn für den Besseren der beiden?
Ich respektiere Alonso und Hamilton. Beide sind großartige Piloten. Mehr will ich nicht sagen. Selbst wenn ich eine Meinung hätte, würde ich sie für mich behalten.
Das Traditionsteam von Ferrari liegt - trotz Alonso - gerade am Boden. Wäre es deshalb nicht gerade wegen Ihres spanischen Freundes eine neue und größere Herausforderung, Ferrari wieder auf die Füße zu helfen?

Sieht so Vettels Nachfolger aus? Lewis Hamilton (r.) führt die WM im Mercedes derzeit an
Schaut man auf den Punktestand der WM, hat zumindest Ihr Teamkollege Daniel Ricciardo immer noch eine minimale Chance, den WM-Titel zu holen. Werden Sie ihm helfen, wenn das nötig ist?
Es ist das falsche Jahr, um über Stallorder zu reden. Denn selbst wenn wir ein perfektes Auto hätten, wäre es in dieser Saison sehr schwer, Mercedes noch zu überholen. Sie haben über den Winter einfach besser gearbeitet und ein Paket auf die Beine gestellt, das allen anderen überlegen ist. Das ist einfach so, und das muss man auch honorieren. Nico und Lewis setzen das super um. Aber zurück zu uns: In Singapur habe ich doch gezeigt, dass ich gar nicht so weit weg bin von Daniel (lächelt).
Trotzdem hat er drei Rennen gewonnen, Sie keins. Können Sie das erklären?

Vettel mit US-Racing-Legende Mario Andretti (M.) und seinem schnellen Teamkollegen Daniel Ricciardo (r.)
Es scheint, als können Sie dieses Jahr besser mit Niederlagen umgehen als früher...
Ich sehe es nicht als Schande an, wenn man nicht jedes Rennen vorne beendet. Weil ich die Leistung anderer respektiere. Natürlich bin ich hier, um zu siegen. Das ist mir in diesem Jahr noch nicht gelungen. Aber das gehört auch zum Sport und zum Leben dazu. Niederlagen machen dich stärker. Man kann viel in Zeiten des Erfolgs lernen, noch mehr aber, wenn man geschlagen wird. Natürlich war es ein hartes Jahr für mich, aber ich bin zuversichtlich, dass ich wieder siegen werde.
Die Kritik von außen war hart. Ihnen wurde sogar nachgesagt, Sie hätten das Fahren verlernt. Wie sehr hat Sie das ins Grübeln gebracht?
Es wäre schlimm, wenn mich so etwas total aus der Bahn werfen würde. Wenn es Kritik gibt, ist es auch vernünftig, sich die anzuhören - solange sie konstruktiv ist. Was schade ist: Das Bild von einem Sportler wird fremdgesteuert. Und wenn man in das Bild nicht reinpasst, ist alles, was man macht, falsch und wird angezweifelt. Man muss sich dann selbst treu bleiben, wissen, was man kann und was man nicht kann. Es kann ja nicht sein, dass ich plötzlich alles falsch statt richtig mache. Meine Erfahrung und auch der Erfolg helfen mir, ruhig zu bleiben, nicht unsicher zu werden und weiter an mich zu glauben.
Um welche Erfahrung ist der Sebastian Vettel des Jahres 2014 reicher?

Vettel betont: Der Erfolg mit Red Bull in den letzten Jahren war kein Selbstläufer
Welche Ziele haben Sie noch dieses Jahr?
Dass ich an Weihnachten in den Spiegel schauen und sagen kann: Ich bin wieder ein besserer Fahrer geworden. Und dann will ich voll angreifen. Mein Siegeshunger hat nicht nachgelassen.
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