Formel 1: Stroll mental angeschlagen

Formel 1: Stroll mental angeschlagen

Brauchen F1-Piloten Mentaltrainer?

Nico Rosberg und Romain Grosjean geben zu, mit Mentaltrainern gearbeitet zu haben
Brauchen Rennfahrer Psychologen oder einen Mentaltrainer? Wenn ja, würden sie es nur ungern zugeben. Grund: Formel 1-Fahrer haben den Ruf, knallharte Kerle zu sein, die Revolverhelden-gleich jedes Problem mit sich selbst ausmachen können. Wer mentale Hilfe braucht, gilt unter den "Asphalt-Cowboys" schnell als Weichspüler.
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Ex-Weltmeister Nico Rosberg redete darüber ganz offen vor zwei Wochen in der WDR-Talkshow "Kölner Treff". Rosberg: "Ich habe in meinem letzten Jahr 2016 mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet. Erzählt habe ich aber niemandem davon. Die Formel 1 ist eine absolute Macho-Welt. Deshalb behielt ich das lieber für mich." Der geborene Wiesbadener, der 2016 den Titel holte und danach seinen Rücktritt erklärte, behauptet aber, das Training hätte ihn in jeder Beziehung stärker gemacht.
Nach Rosberg hat jetzt auch Haas-Pilot Romain Grosjean sein Outing. Der Franzose gibt ebenfalls zu, dass er psychologische Hilfe in Anspruch genommen hat. Grosjean steckte nach seiner Sperre nach seinem Unfall in Spa-Francorchamps 2012 in der Krise und fand durch einen Mentaltrainer wieder raus aus dem Loch. Auch acht Jahre später arbeitet er noch mit ihm zusammen und findet: "Das hilft jedem!"

Nico Rosberg 2016

©Mercedes

Er selbst brauche immer eine Art Schalter, um etwas anders zu machen. "Und in dieser Hinsicht war Spa 2012 der Schalter", erzählt Grosjean. Zur Erinnerung: Grosjean verursachte einen schweren Startunfall, den Ferrari-Pilot Fernando Alonso nur mit viel Glück ohne Verletzung überstand. Der Lotus von Grosjean flog nur um wenige Zentimeter am damals noch ungeschützten Kopf von Alonso vorbei. Erst 2018 wurde Halo eingeführt – der Cockpitschutz, der den Kopfbereich der Fahrer vor fliegenden Teilen schützt.
Mit dem Psychologen sei Grosjean als Fahrer gereift und konnte zusammen mit Lotus insgesamt zehn Podestplätze einfahren. "Ich bin froh, dass ich die Arbeit weiter erledigen konnte", gibt Grosjean zu. Als dreifacher Vater, Ehemann und als Formel-1-Fahrer habe er seitdem vor einigen Schwierigkeiten gestanden. "Und diese Herausforderungen einfach besser zu managen, hilft wirklich", sagt er. "Ich glaube wirklich, dass ein Psychologe für Sportler und auch im Alltag sehr hilfreich sein kann - einfach weil das Leben generell eine Herausforderung ist."
Vor ähnlichen Problemen steht derzeit auch Lance Stroll. Seit seiner Corona-Erkrankung am Nürburgring fährt er wie ein Schatten seiner selbst. Zuletzt in Imola kollidierte er in Runde eins mit Esteban Ocon, fuhr danach seinen Mann am Wagenheber um, wurde am Ende 13. Bereits in Portugal fiel der Kanadier durch unnötige Kollisionen auf. „Er ist ganz offensichtlich nicht auf dem gleichen Niveau wie vor der Corona-Erkrankung“, räumt Racing Point-Technikchef Andy Green ein. „Wir sehen einen Mangel an Selbstvertrauen, und wir müssen ihm dabei helfen, wieder auf die Schienen zu kommen. Diese Krankheit hat ihn geschwächt, keine Frage.“
Green weiter: „Er muss wieder an sich selbst glauben können, und wir müssen dazu beitragen, dass wir wieder den früheren Lance am Lenkrad haben. Er ist körperlich und mental angeschlagen. Das fing mit dem Unfall in Mugello an, ein ziemlich übler Crash, der eine Delle in sein Selbstvertrauen geschlagen hat. Dazu kam dann, dass er bei den folgenden Grands Prix nicht fit gewesen ist. In solchen Situationen braucht ein Pilot Nestwärme. Wir wissen, wozu Lance imstande ist, wir haben es ja bis Monza erlebt. Er durchläuft derzeit einfach eine schwierige Phase.“
Allein: Fahrer wie Sebastian Vettel lehnen mentale Hilfe auch in Krisenzeiten grundsätzlich ab. Vettel sagt: "Ich brauche das nicht. Ich habe Familie und Freunde, wen es Redebedarf gibt." 
Spannend bleibt die Frage, ob Rosberg und Grosjean bisher die einzigen waren, die im Extremsport Formel 1 geistige Unterstützung von professionellen Mentaltrainern erhalten haben.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Racing Point

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