Die Konkurrenz traute beim Aufstellen fürs Gruppenfoto vorm zweiten Formel-1-Test 2022 in Bahrain ihren Augen nicht. Als Mercedes seinen Silberpfeil mit Namen W13 aus der Garage schob, stimmte etwas nicht mit der Form des Rennwagens. Beim genaueren Hinschauen war klar: Die Seitenkästen sind genau wie die Kühlschlitze ultraschlank und extrem hochformatig gebaut.
Bereits in den Tagen vor dem Test poppten entsprechende Gerüchte über einen super-innovativen Mercedes auf. Jetzt ist klar: Sie stimmen. Vor allem aber fragt sich die Formel-1-Gemeinde nun: Hat Mercedes damit wie sein Vorgängerteam Brawn 2009 – damals war es der Doppeldiffusor – den Stein der Weisen gefunden?
Fakt ist: Die Dauer-Weltmeister der letzten Jahre haben ein extrem enges Packaging gewählt. Die Außenhaut schmiegt sich so eng an Kühler und Hybrid-Systeme wie nie zuvor. Der Unterboden ragt weit über die Karosserie hinaus. An bauchige Formel-1-Autos müssen sich an den Anblick des Mager-Mercedes erst gewönnen.
Mercedes bringt zum Formel-1-Test in Bahrain ein ultraschlankes Chassis.

Doch damit nicht genug: Auch einen neuen Frontflügel und Finnen im Bereich der Außenspiegel hat die Mannschaft aus Brackley ans neue Auto geschraubt.
Bei der Konkurrenz schrillen längst die Alarmglocken. Denn schlank bedeutet in der Formel 1 eigentlich immer auch schnell. Je weniger Verwirbelungen auf dem Weg zum Heck durch zu viel Bodywork geschaffen werden, desto besser funktioniert die Aerodynamik.
Red Bull-Teamchef Christian Horner hat deshalb unter der Hand schon mit Ärger gedroht. Er glaubt, der neue Silberpfeil verletze den Geist des Reglements. Der Brite stellt damit die Legalität der neuen Teile infrage. Die PR-Abteilung ruderte aber umgehend zurück und betonte, Horner habe offiziell mit keinem Journalisten gesprochen.
Red Bull hält sich zunächst noch zurück, Ferrari hat nach Informationen von ABMS aber schon eine Anfrage bei der FIA gestartet. Immerhin: Selbst bei Mercedes gibt man zu, es sei das extremste Packaging, das man je entwickelt habe.
Bleibt die Frage, ob es nur extrem oder zu extrem ist. Red Bull-Superhirn Adrian Newey hat 2003 für McLaren den MP4-18 konstruiert. Der Rennwagen war so auf Kante gebaut, dass er nie im Rennen eingesetzt wurde. Zu kleine Lufteinlässe und ein zu enges Bodywork führten zu Überhitzungsproblemen. 
Beim Test in Bahrain und Temperaturen um 28 Grad hat Mercedes zumindest eine gute Chance entsprechende Probleme im Vorfeld zu erkennen. Die Konkurrenz wird weiter genau hinschauen.

Formel 1 im TV

2022 läuft die Formel 1 bei Sky. Der Sender hat bereits letztes Jahr eigens für die Königsklasse einen neuen TV-Sender eingeführt: Sky Formel 1. Hier gibt es 24 Stunden am Tag Motorsport. Alle Trainingssitzungen, alle Qualifyings, alle Rennen immer live und ohne Werbeunterbrechung. Dazu überträgt Sky auch die Rahmenrennen Formel 2Formel 3 und den Porsche Supercup. Auf dem Programm stehen zudem historische Rennen und Sondersendungen.

Von

Bianca Garloff