Formel 1: zweiter Test in Barcelona 2020

Formel 1: Testanalyse

Mercedes vorn, Ferrari in der Klemme

Die Formel-1-Testfahrten sind beendet. AUTO BILD MOTORSPORT analysiert die Ergebnisse: Welches Team ist schon in Form und wer muss noch zulegen?
Das Training ist beendet, jetzt wird es ernst. Sechs Testtage in Barcelona hatte die Formel 1, bei der n├Ąchsten Ausfahrt geht es schon ans Eingemachte: Sie wird das erste freie Training beim Saisonauftakt (Rennen findet am 15. M├Ąrz statt) in Melbourne sein.
Was haben wir gelernt nach all den Bestzeiten und Longruns, ohne die genaue Benzinmenge und Motoreinstellungen bei den einzelnen Runden zu kennen?
Mercedes ist wieder das Team, das es zu schlagen gilt. Der Finne Vallteri Bottas setzte schon in der ersten Testwoche mit 1.15,7 Minuten eine Bestzeit, die gut eine halbe Sekunde schneller war als die Bestzeit des ersten Nicht-Mercedes, Max Verstappen (Red Bull).
Bottas' Bestzeit sticht so heraus, dass sie nur schwer zu bewerten ist. Wie auch immer: Die meisten Experten sehen die Silberpfeile vorn, wenn auch nicht ganz mit einer halben Sekunde.
Stellvertretend sagt AlphaTauri-Teamchef Franz Tost zu AUTO BILD MOTORSPORT: "Mercedes hat wieder das schnellste Auto, dahinter sehe ich Red Bull. Im Mittelfeld wird es richtig eng. Da geht es sogar um Hundertstel. Ein kleiner Fehler im Set-up und du kannst pl├Âtzlich 14. statt Sechster sein."
Im Mittelfeld tummeln sich sein eigenes Team, Racing Point mit dem "Mercedes-Jahreswagen" von 2019, Renault und McLaren.
Interessant ist auch: Williams, 2019 noch abgeschlagener Letzter, hat den Anschluss zu Alfa Romeo und Haas gefunden. Beide Ferrari-Kunden m├╝ssen sogar f├╝rchten, vom Mercedes-Kunden ├╝berholt zu werden.

Formverbessert: Wird Red Bull erster Mercedes-J├Ąger?

Schwer einzuordnen ist noch Ferrari - nicht nur f├╝r Franz Tost. Teamchef Mattia Binotto stapelt tief und reiht die eigene Leistungsf├Ąhigkeit vor Saisonbeginn hinter Mercedes und Red Bull ein. Er f├╝rchtet sogar Racing Point. Beobachter an der Strecke wie Max Verstappens Vater Jos berichteten von starkem Untersteuern.
Fest steht: Ferrari hat ein Problem. Das Auto ist nicht schnell genug, besonders im Topspeed - 2019 noch seine gr├Â├čte St├Ąrke - hinken die Italiener hinterher. "Zu viel Abtrieb und deswegen zu viel Luftwiderstand auf der Geraden", ist Ferraris Begr├╝ndung daf├╝r, "aber wir arbeiten daran."
Schlimmer aber ist: Ferrari darf bestimmte Systeme im Motorumfeld nicht mehr einsetzen, die ihre Power Unit 2019 so ├╝berlegen gemacht haben. Das hat die FIA kurz vor Testende ├Âffentlich gemacht. Zwischen den Zeilen hei├čt das: Ferrari hat im Vorjahr illegale Hilfsmittel verwendet, um mehr Power zu entfalten.
Deshalb, so vermutet man in der Formel-1-Szene jetzt, ist der Topspeed des SF1000 pl├Âtzlich wie weggezaubert. Ferrari ist in der Klemme. Die Frage, die man sich stellen muss, dr├╝ckt das Desaster von Sebastian Vettels Teams am besten aus: Wenn sie es schon 2019 mit "Tricks" nicht schafften, die WM zu gewinnen; wie sollen sie es in diesem Jahr dann ohne schaffen?

Autoren: Ralf Bach,

Fotos: Picture-Alliance

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