Bitter für die Formel 1: Beim neuen Glamour-Event der Königsklasse im Spielerparadies Las Vegas, dem großen Prestigeprojekt von Liberty Media, passiert genau das, was die F1-Bosse am wenigsten gebrauchen konnten. Nach nicht mal zehn Minuten im ersten Training auf der neuen Strecke muss die Session vorzeitig abgebrochen werden. Die Fortsetzung des ganzen Tages steht aktuell sogar auf der Kippe!
Der kleine Grund mit großen Folgen: Ein Gullydeckel auf dem neuen Stadtkurs löst sich, offenbar hochgesaugt durch den Alpine von Esteban Ocon, der dabei ebenfalls beschädigt wird - genauso wie der Ferrari von Carlos Sainz, der anschließend mit Vollgas über das Teil brettert, ausgerechnet an einer der schnellsten Stellen der Strecke auf dem Strip, vor dem berühmten Bellagio-Hotel.
Es gibt einen riesigen Schlag, Sainz stellt sein Auto sofort am Streckenrand ab und die Rennleitung reagiert mit der roten Flagge. Wenig später wird klar, dass das Training nicht fortgesetzt werden kann: ein Horror-Auftakt für die F1 beim aus kommerzieller Sicht wichtigsten Event seit Jahren.

Ferrari-Teamchef extrem sauer

Ferrari-Teamchef Fred Vasseur ist in der Pressekonferenz wenig später extrem angefressen: Chassis, Motor, Sitz und Batterie sind nach Informationen von AUTO BILD kaputt. "Das kostet uns ein Vermögen, wir werden am zweiten Training nicht mehr teilnehmen können und müssen das Chassis und eventuell sogar den Motor wechseln. Das ist einfach inakzeptabel für die F1", urteilt der Franzose und liefert sich danach noch einen Streit mit Moderator Tom Clarkson, der ihn trotz des Vorfalls zur tollen Show in Las Vegas befragen möchte.
Nicht mal zehn Minuten weit kommt die Königsklasse im Las-Vegas-Training, dann ist schon wieder Schluss.
Bild: F1 / X

Als der Fragesteller dann noch scherzt, das könnte wegen Vasseurs ungehaltener Art sein letzter Auftritt in der PK sein, blafft der Franzose süffisant zurück: "Na, das wären doch mal gute Nachrichten." Bei Sky bewertet Ralf Schumacher die Situation so: "So ein Kanaldeckel kann einen auch easy mal umbringen. Da kann man Vasseurs Emotionen verstehen."
Auffällig: Die Stimmung bei den Verantwortlichen ist nach dem Negativ-Start in der Wüste von Nevada extrem angespannt. Obwohl nicht direkt vom kostspieligen Crash betroffen, springt Mercedes-Teamchef der Formel 1 wenig später zur Seite und scheißt einen Journalisten zusammen.
"Wie kann man es überhaupt wagen, so eine Frage zu stellen", schimpft Wolff, nachdem ein Reporter von einem ersten blauen Auge für das Showevent gesprochen hat. "Das ist ein verdammter Gullydeckel und gerade mal das erste Training gewesen. Das wird den Leuten nicht gerecht, die hier einen tollen Job gemacht haben, und Liberty auch nicht, die die Formel 1 mit diesem Event auf ein Level gehoben haben, auf der sie noch nie war", poltert der Wiener.

120 Gullydeckel im Visier

Wolff sauer: "Morgen redet doch schon keiner mehr über den Vorfall hier und in Europa ist es gerade sowieso mitten in der Nacht, da war also eh niemand wach, um das zu sehen."
Allein: Ob Wolff mit seiner Lesart des Abbruch-Auftaktes Recht behält, wird sich zeigen, denn die Rennleitung muss nach dem Vorfall im ersten Training nun alle rund 120 Gullydeckel überprüfen, die offenbar nur am Rand mit einbetoniert wurden. Das kann auf der nicht gerade kurzen Strecke dauern. Das zweite Training, das eigentlich um Mitternacht Ortszeit steigen sollte, ist deshalb erstmal nach hinten verschoben worden.
Klar ist: Die Enttäuschung bei den Fans vor Ort, die teilweise horrende Preise für ihre Tickets beim Showrennen der Königsklasse bezahlt haben, dürfte groß sein. Das wissen auch die Bosse - und deswegen liegen die Nerven in Vegas schon an Tag eins blank.