Formel 1: Überholmanöver

Formel 1: Überholmanöver

Formel 1 überholt wieder weniger

Die Formel 1 hat 2020 so wenig Überholmanöver wie zuletzt 2017 erlebt. Wird der Negativtrend mit neuen Autos beendet?
Rad-an-Rad-Duelle bei Tempo 300 mit offenen Cockpits und unverkleideten Rädern – deswegen mögen viele Fans die Formel 1. Doch die Zahl der Überholmanöver ist 2020 so gering ausgefallen wie zuletzt 2017. 534 Mal wurde in den 17 Rennen überholt – also pro Grand Prix 31,4 Mal. 2019 waren es noch 38,9 Manöver pro Rennen.
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Die Saison 2020 war natürlich eine Ausnahmesaison. Strecken, auf denen im Schnitt viel überholt wird (wie Baku oder Interlagos) flogen aufgrund der Corona-Pandemie aus dem Kalender. Doch seit die Autos 2017 wieder von 1,80 auf 2,00 Meter verbreitert wurde und die Aerodynamik eine wichtigere Rolle spielt, ist die Zahl der Manöver insgesamt zurückgegangen. 2016 waren es noch 866 Manöver, 2017 nur noch 435.
Wann wurde wie oft überholt?
Im historischen Kontext steht die Formel 1 aktuell gar nicht so schlecht dar: Seit den frühen 80er Jahren wird die Überholstatistik erfasst. Damals gab es pro Rennen durchschnittlich 40 Überholmanöver. 1984 bildete mit etwa 41 Manövern den Höhepunkt. Dann ging es kontinuierlich zurück: 1990 waren es im Schnitt schon nur noch 30,86. 1995 sogar nur noch 17,47. Der Tiefpunkt: 2005 mit gerade noch zehn Manövern pro Grand Prix.

Die Formel 1 hat 2020 so wenig Überholmanöver wie zuletzt 2017 erlebt.

©LAT/Pirelli

Allein: In den 1980er Jahren überholten sich die Autos ganz ohne künstliche Elemente. Das ist heute anders: Erstens wurde die wenig spektakuläre, für viele sogar unfaire Überholhilfe DRS eingeführt (der Hintermann darf – wenn er den Abstand von einer Sekunde unterschreitet – den Heckflügel aufklappen, wodurch der Luftwiderstand sinkt). Zweitens gibt es heute einen Zwangsboxenstopp, der verschiedene Strategien ermöglicht. Ohne diese beiden Elemente hätte die Formel 1 nach wie vor ein Überholproblem.
Wird 2022 das Überholproblem gelöst?
2022 soll alles besser werden. Der Abtrieb soll mit dem neuen Aerodynamikreglement um 20 Prozent reduziert werden. Derzeit verliert ein Fahrzeug beim Hinterherfahren durch die verwirbelte Luft des vorausfahrenden Wagens viel Anpressdruck und kann dadurch in Kurven nur schwer am Gegner dranbleiben. Bei einem Abstand von einer Wagenlänge beträgt der Abtriebsverlust mehr als 50 Prozent, bei drei Wagenlängen immer noch 32 Prozent. Mit den Regeländerungen sollen diese Werte 2022 auf 14 Prozent Abtriebsverlust bei einer und nur noch sechs Prozent bei drei Wagenlängen reduziert werden.
Formel-1-Sportchef Ross Brawn: „Wir haben Autos konzipiert, mit denen man besser gegeneinander fahren kann.“ Heißt: einfachere Aerodynamik, der Anpressdruck wird verstärkt über den Unterboden und nicht mehr über die Flügel generiert. 
Trotzdem baut die Formel 1 für den Fall vor, dass das mit dem Überholen doch nicht so wie gewünscht klappt: DRS soll erstmal bleiben. „Meine Hoffnung besteht darin, dass sich die Rennwagen in den kommenden Jahren so entwickeln, dass wir eines Tages auf den verstellbaren Heckflügel verzichten können“, erläutert Brawn.

Fotos: LAT/Pirelli

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