Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Umschuldung

So kämpft Williams ums Überleben

Das Williams-Team gilt in der Coronakrise als Rennstall, das am meisten gefährdet ist. Williams kämpft wirtschaftlich ums Überleben.
Die Coronakrise könnte zu einem Teamsterben in der Formel 1 führen: keine Rennen, keine Einnahmen. Welche Teams am ehesten aus der Formel 1 verschwinden könnten, haben wir HIER analysiert.
Die meisten Sorgen machen sich die Fans natürlich um Williams. Mit 114 Siegen belegt das Traditionsteam noch immer Rang drei in der ewigen Bestenliste. Doch die erfolgreichen Zeiten sind längst vorbei: Pastor Maldonado gewann zuletzt für Williams den Spanien-GP 2012, Jacques Villeneuve 1997 den letzten WM-Titel. 

Michael Latifi könnte der Williams-Retter sein

In den letzten zwei Jahren belegte Williams sogar den letzten Platz in der Konstrukteurs-WM. Während andere Privatteams wie Tyrrell, Brabham oder Lotus reihenweise pleite gingen, hat Williams bis heute überlebt. Aber jetzt steht auch Williams vor einer Krise.
Claire Williams, Tochter von Firmengründer Frank Williams, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wir sind auf die Preisgelder angewiesen.“ Je mehr Rennen abgesagt werden, desto dramatischer wird die Situation bei Williams.
Vor allem, weil Williams ohnehin nicht besonders gut dasteht. Im Dezember verkaufte das Unternehmen die Mehrheit an der Tochterfirma Williams Advanced Engineering (WAE). Es ist der profitable Zweig von Williams: WAE belieferte beispielsweise die Formel E in den ersten vier Jahren mit den Batterien (jetzt durch McLaren abgelöst), wird auch die Energiespeicher für die Extreme-E-Meisterschaft und die ETCR bauen, pflegt eine technische Partnerschaft mit dem Jaguar-Team in der Formel E und arbeitet auch abseits des Motorsports für diverse Hersteller – und sogar für die Luft- und Raumfahrt.
Doch der Verkauf der Mehrheitsanteile an WAE hat nicht gereicht. Immerhin hat Williams jetzt neue Kreditgeber gefunden – unter anderem in Form von Latrus Racing, einem Unternehmen von Michael Latifi. Der Kanadier ist Milliardär, sein Sohn Nicholas Latifi ist Stammfahrer bei Williams, auch dank Sponsor Sofina – ein Lebensmittelkonzern, der Latifi senior gehört. Michael Latifi hat sich bereits im Mai 2018 zehn Prozent der McLaren-Gruppe gekauft.
Claire Williams erklärt: „Wir haben Ende 2019 unser Tochterfirma Williams Advanced Engineering verkauft und damit einen Prozess der Umschuldung begonnen. Wir arbeiten mit einem Konsortium von Darlehensgebern. Dieses neue Kreditpaket garantiert uns die finanziellen Ressourcen, um weiter machen zu können.“
Konkret haben sich Latrus Racing und Co. ein Grundpfandrecht auf das Land und die Immobilien von Williams gesichert, samt aller Maschinen. Als Sicherheit dient auch ein Fuhrpark von 100 Formel-1-Flitzern des Williams-Teams.
Mit anderen Worten: Sollte Williams pleite gehen, dürfte Latifi der neue Boss im Traditions-Rennstall sein. Das sind durchaus auch gute Nachrichten: Der im Iran geborene Kanadier ist reich und hat durch seinen Sohn ein Interesse daran, dass das Team langfristig überlebt. Sonst ist die F1-Karriere von Nicholas Latifi schon vorbei, ehe er seinen ersten Grand Prix absolviert hat.

Formel 1: Die Hinterbänkler


Fotos: LAT/Williams; Picture-alliance

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