Formel 1: Vettel versus Hamilton

Formel 1: Ursache für Vettel-Crash

Coulthard: Hetzte Ferrari Vettel in Fehler?

Wie groß war der Schuldanteil von Ferrari beim Vettel-Crash? Das sagt Ex-Formel-1-Fahrer David Coulthard.
Die italienischen Medien kritisieren Sebastian Vettel nach seinem Ausrutscher im Hockenheimer Motodrom genauso wie Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene – wenn auch nur durch die rote Blume. Bleibt die Frage: Wie groß war Ferraris Anteil am Vettel-Crash?
Arrivabene kritisert Vettel: Hier nachlesen
Fakt ist: Die Strategie der Scuderia während des Deutschland-GP hinterlässt Fragezeichen. Vor allem eines: Warum winkte man Vettel nach dessen Reifenwechsel nicht direkt an Kimi Räikkönen vorbei, obwohl er schneller war? AUTO BILD MOTORSPORT weiß: Der Finne kam deshalb elf Runden früher rein als der Deutsche, weil er auf einer Zweistopp-Strategie Valtteri Bottas Beine machen sollte.
Klar auch, dass er mit weichen Reifen nach seinem Stopp zunächst schneller ist als Vettel, der auf einer Einstopp-Taktik langsamer machen und die Reifen stärker schonen muss. Deshalb kommt der Deutsche nach seinem eigenen Stopp mit frischen Gummis hinter seinem Teamkollegen zurück auf die Bahn. Und spätestens in dem Moment, in dem er das Heck von Räikkönens Ferrari erreicht, hätte Ferrari reagieren müssen. Tun sie aber nicht…

Vettels Ferrari nach dem Crash

Stattdessen muss Vettel am Boxenfunk betteln. Erstaunlich, wie cool der Heppenheimer bleibt, als er nachfragt, warum Kimi keinen Platz macht. Beispiel Vettel: „Das ist einfach nur dumm. Ich verliere Zeit und zerstöre meine Reifen." Und später fragt er: "Ihr seht schon, dass die Temperaturen meiner Reifen nach oben gehen, oder?“ Doch solche Argumente nützten nichts. Frage vom Kommandostand: „Wie viel schneller kannst du bei freier Bahn fahren?“ Antwort Vettel: „Drei Zehntel.“ Unnötig, so eine Diskussion.
Erst nach minutenlanger Funk-Argumentation bekommt Räikkönen den Befehl Platz zu machen. Und er zeigt sich selbst erstaunt, als es heißt, er halte Vettel auf. Der Iceman am Boxenfunk: „Ok, sorry, aber wenn Ihr wollt, dass ich Seb vorbeilasse, dann sagt es doch einfach!“
Ferrari verbaselt die eigene Taktik!
Denn Vettel gerät so unnötig unter Druck. Das zeigt ein weiterer Funkspruch von ihm: „Ich verliere gerade den ganzen Vorsprung, den ich mir im ersten Stint erarbeitet habe“, klagt er. Teilweise hat er Recht. Bottas kommt bis auf sechs Sekunden ran, Hamilton bis auf zwölf. 
Wenig später der folgenschwere, wenn auch kleine Fehler im Motodrom. Ex-McLaren-Star David Coulthard glaubt im Gespräch mit ABMS: „Ferrari hat den Druck auf Vettel mit den ganzen Diskussionen und der undurchsichtigen Strategie enorm erhöht. Das hat seinen Adrenalinspiegel genau wie die Reifentemperaturen in die Höhe getrieben. Vielleicht wollte er deshalb zu viel und hat zu spät gebremst. In meinen Augen hat Ferrari entscheidenden Anteil am Ausrutscher. So ein Strategiefehler darf im WM-Kampf nicht passieren.“

Kommentar Redaktionsleiterin Bianca Garloff

Macht Vettel zu viele Fehler? Hat er den WM-Titel weggeworfen? Ich kann die Fragen schon jetzt nicht mehr hören! Wer wie Sebastian Vettel permanent auf der Rasierklinge reitet, der kann auch mal abrutschen. Die meisten anderen Fahrer spüren die Klinge ja gar nicht erst…
Im Kampf um seinen ersten Titel in rot und am vergangenen Wochenende um den Heimsieg in Hockenheim gibt Vettel eben alles. Dass dabei auch mal ein Fehler passieren kann, ist menschlich. Auch Nico Hülkenberg sagt, dass der Asphalt in der Sachskurve unter halbnassen Bedingungen „fies“ ist. Als Führender war Vettel der Erste, der da durchmusste. Und er scheiterte. Blöd, klar.
Schade finde ich hingegen, dass sogar sein eigenes Team und die italienischen Medien jetzt auf ihn einprügeln. Ihnen sei gesagt: Wenn Ferrari am Ende des Jahres doch noch Weltmeister wird – und davon gehe ich fest aus – dann nur wegen Vettel. Der Heppenheimer hat den Erfolg zurück nach Maranello gebracht. Übertriebene Kritik hat er nicht verdient!

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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