Max Verstappen (29) ist normalerweise nicht auf den Mund gefallen. Was andere über ihn denken oder im Internet schreiben, interessiert den viermaligen Formel-1-Weltmeister herzlich wenig. Doch wenn junge Rennfahrer zur Zielscheibe von Hasskommentaren werden, hört für den Niederländer der Spaß auf.
Vor dem Formel-1-Rennen in Austin macht der Red-Bull-Star seinem Ärger Luft. Dabei richtet sich seine Kritik nicht nur gegen die Verfasser der beleidigenden Nachrichten, sondern auch gegen die Betreiber der sozialen Netzwerke.
"Das fängt schon bei den Social-Media-Unternehmen selbst an", erklärt Verstappen. Sein Vorwurf: Nutzer können problemlos zahlreiche anonyme Konten anlegen, ohne ihre tatsächliche Identität preisgeben zu müssen.
Max Verstappen
Verstappen war in Portimao mit Chris Lulham und Ben Barnicoat im Mercedes-AMG GT3 unterwegs
Bild: GTWC Europe
Dass auch er regelmäßig beleidigt wird, nimmt Verstappen gelassen. "Die Leute können online sagen, was sie wollen. Mich persönlich interessiert das nicht. Wenn es gegen mich gerichtet ist, können die mich alle mal“, stellt er unmissverständlich klar.

Verstappen verteidigt jungen Mercedes-Fahrer

Der Hintergrund seiner deutlichen Worte liegt in Portugal. Beim Rennen der GT World Challenge in Portimão sitzt Verstappen gemeinsam mit dem Briten Chris Lulham und Ben Barnicoat am Steuer eines Mercedes-AMG GT3.
Für das Trio läuft der Einsatz allerdings nicht nach Plan. Lulham verschätzt sich bei einem Überholmanöver und handelt sich eine Durchfahrtsstrafe ein. Der Zeitverlust macht ein besseres Resultat zunichte, das Team beendet das Rennen auf dem neunten Platz.
Was anschließend im Internet passiert, bringt Verstappen auf die Palme. Lulham wird nach seinem Fehler mit zahlreichen gehässigen Nachrichten konfrontiert.
Max VerstappenGTWC Europe
In Austin wurde Verstappen am Ende Dritter
Bild: Clive Mason/Getty Images
Der Formel-1-Star sieht dabei einen entscheidenden Unterschied zwischen erfahrenen Profis und jungen Talenten. Während er selbst längst an die öffentliche Kritik gewöhnt ist, müssen Nachwuchsfahrer erst lernen, mit dem enormen Druck umzugehen.
Dass diese dann wegen eines einzelnen Fehlers persönlich angegriffen werden, hält Verstappen für völlig überzogen.

Formel 1: Verstappen nimmt Lulham in Schutz

Statt seinem Teamkollegen Vorwürfe zu machen, sucht Verstappen nach dem Rennen das persönliche Gespräch. Er rät Lulham, sich möglichst wenig mit den negativen Kommentaren zu beschäftigen.
An dessen fahrerischen Fähigkeiten zweifelt der Niederländer ohnehin nicht. Schließlich habe der junge Brite in Portimão über weite Strecken eine starke Vorstellung abgeliefert.
"Er lernt noch. Wir alle lernen. Wir alle machen Fehler. Das ist für mich überhaupt kein Problem", betont Verstappen.
Auch menschlich stellt sich der Red-Bull-Pilot demonstrativ hinter seinen Kollegen. Lulham sei ein großartiger Kerl, der die Anfeindungen keinesfalls verdient habe.
Für Verstappen steht fest: Fehler gehören zum Rennsport. Selbst die besten Fahrer treffen gelegentlich eine falsche Entscheidung. Dass daraus im Internet eine regelrechte Hetzjagd entsteht, will der Niederländer nicht akzeptieren.
Seine Botschaft aus Austin ist deshalb eindeutig: Kritik an einem Fahrfehler ist erlaubt. Persönliche Beleidigungen haben im Motorsport dagegen nichts verloren.