Mit fünf Siegen ist Sebastian Vettel der Rekordpilot der Formel 1 in Singapur: In seinem letzten Qualifying auf seiner Paradestrecke geht der Reifenpoker des Aston-Martin-Stars am Samstag allerdings nicht auf. Zusammen mit Teamkollege Lance Stroll und Alfa-Romeo-Pilot Guanyu Zhou ist Vettel einer von nur drei Fahrern, die auf der abtrockenden Strecke in Q2 auf Slicks setzen. Ein Risiko, das sich für das Trio nicht auszahlt: Stroll wird Zwölfter, Vettel beendet das Qualifying noch vor Zhou auf Position 14.
"Wir waren ein bisschen zu aggressiv und sind zu früh auf Trockenreifen, die Strecke war dafür noch nicht ganz bereit", räumt der Deutsche nach der Session ein. "Es war knapp und hätte sich auszahlen können, aber schon auf der Outlap wurde mir klar, dass es die falsche Entscheidung war. Nur war es dann schon zu spät", hadert Vettel mit der Risiko-Variante.
Doch warum zockte Aston Martin überhaupt? "Wir haben lange gerätselt. Das Bauchgefühl hat Inter gesagt, aber dann sind andere schon auf Trocken raus und diesen Zug wollten wir nicht verpassen, zumal man ja nicht viel Zeit für die Entscheidung hat", erklärt Vettel. Der Heppenheimer ärgert sich: "Im Nachhinein hätte ich stärker sein sollen und auf Inter beharren." Trotzdem stellt er sich vor sein Team und betont: "Wir haben das gemeinsam entschieden."
So geht Vettels letzter Schuss am Samstag nach hinten los, am Ende rutscht der Aston-Martin-Pilot sogar von der Strecke und muss in den Notausgang: "Ich habe einen Fehler gemacht und mich verbremst. Ich wusste, dass ich auf dem nassen Teil der Strecke viel Zeit verlieren werde, deshalb haben ich auf den trockenen Teilen extrem attackiert. Da war ich dann bisschen zu aggressiv auf der Bremse und auch die Vorderreifen waren noch nicht ganz warm."
Fazit Vettel: "Alles in allem war es heute einfach den Tick zu früh. Nicht viel, aber eben die drei bis vier Runden, die es gebraucht hätte." Für seinen finalen Singapur GP hat das die Ausgangslage nicht gerade vereinfacht: "Wir stehen recht weit hinten, da wird es natürlich schwer, weil es hier nicht so leicht ist zu überholen", sagt Vettel, dem aber immerhin die Trainingseindrücke Mut machen: "Unsere Race-Pace sah ganz gut aus. Hoffentlich gibt es morgen etwas mehr Regen und am besten noch Chaos dazu."
Mick Schumacher wird klar vom Teamkollegen geschlagen.

Schumacher hofft wie Vettel auf Regen

Einen Platz vor Vettel geht am Sonntag Landsmann und Kumpel Mick Schumacher ins Rennen. Für den Deutschen ist es nach drei Jahren coronabedingter F1-Zwangspause in Asien die Singapur-Premiere, mit Startplatz 13 kann Schumi Jr. daher gut leben: "Im Vergleich zu gestern haben wir heute wirklich einen großen Schritt nach vorne gemacht", freut sich der 23-Jährige darüber, dass sein Haas bei den Mixbedingungen einmal mehr gut funktioniert.
"Leider ist es im Laufe des Qualifying immer mehr abgetrocknet als ich gehofft hatte. Auf der letzten Runde habe ich die Reifen im zweiten Sektor dann etwas überhitzt", verrät Schumacher und spart dabei auch nicht mit Selbstkritik: "Ein paar der Kniffe, die ich da angewendet habe, waren vielleicht nicht die Richtigen für diese Bedingungen. Die Hinterachse war dann schon ziemlich am Rutschen und ich habe nicht die Zeit gutgemacht wie ich wollte."
0,364 Sekunden beträgt deshalb schließlich der Rückstand auf Teamkollege Kevin Magnussen, der gerade so den Sprung in Q3 schafft und dort Neunter wird. Trotzdem überwiegt für Schumi Jr. am Samstag insgesamt das Positive: "Ich bin happy mit dem Gefühl und der Verbesserung, die das Team und ich erzielt haben. Wenn es morgen regnet, gibt es definitiv Chancen, denn unser Auto ist im Nassen einfach stark. Also machen wir jetzt mal den Regentanz und hoffen, dass ein paar Tropfen fallen", lacht Schumacher.

Von

Frederik Hackbarth