Valtteri Bottas oder Pascal Wehrlein – einer der beiden wird Nico Rosberg bei Mercedes ersetzen. Bisher sind die Verhandlungen mit Williams, Bottas aus dem festen Vertrag zu eisen, versandet. Das erhöht die Chancen für Wehrlein. Mercedes braucht auch keine Angst davor zu haben, dass der Sprung für Wehrlein zu groß wäre, immerhin würde Wehrlein von einem Team außerhalb der Top-10 der Konstrukteurswertung in die Weltmeister-Mannschaft aufsteigen.
Rosbergs Nachfolger: Poker um Bottas
Wehrlein hat 2016 aber gezeigt, dass er diesem Sprung gewachsen wäre: Schon beim Debüt in Australien überholte er am Start sieben Fahrer. Fünf Mal schaffte er es im Manor-Mercedes in den zweiten Qualiabschnitt, seine Teamkollegen nie. In Österreich sammelte er als Zehnter einen WM-Punkt – als einziger Manor-Pilot.
Und die Geschichte lehrt: Solche Transfers von Teams außerhalb der Top-10 der Konstrukteurs-WM in das Weltmeister-Team waren bisher ausnahmslos erfolgreich. Zwei vergleichbare Fälle gab es – beide endeten mit dem WM-Titel für den Senkrechtstarter!
Wehrlein
Pascal Wehrlein fuhr noch 2016 im schlechtesten Team
1982 kam Keke Rosberg zu Williams. 36 Rennen fuhr er zuvor von 1978 bis 1981 für Theodore, ATS und Fittipaldi, 14 weitere Male konnte er sich nicht einmal für die Rennen qualifizieren. 1981 kam er im Fittipaldi-Ford nicht über WM-Rang 26 hinaus, das Fittipaldi-Team wurde Gesamt-15. Mehr als ein neunter Platz beim Brasilien-GP war für Rosberg nicht drin, seinen Teamkollegen Chico Serra besiegte er im Qualifying allerdings mit 14:0. Dann kam der Wechsel zu Williams – und Rosberg wurde auf Anhieb Weltmeister.
Etwas länger dauerte es mit dem Durchbruch bei Damon Hill. Er kam 1993 ins Weltmeister-Team Williams. Zwar war Hill da schon 32 Jahre alt, trotzdem ist der Fall mit Wehrlein noch ähnlicher, weil Hill zuvor auch erst eine Rookie-Saison bestritt. Obwohl er 1991 schon bei Jordan im Gespräch war, kam Hill erst im vierten Rennen 1992 als Ersatz für die letzte Formel-1-Fahrerin Giovanna Amati zu Brabham. Mit dem Brabham-Judd war aber kein Blumentopf zu gewinnen: Nur in zwei der acht Rennen konnte sich Hill überhaupt qualifizieren. Seinen Teamkollegen Eric van de Poele besiegte Hill im Quali-Duell außerdem mit 5:2. Als Hill in Ungarn als Elfter sein bestes Resultat erzielte, wechselte Van de Poele bereits zu Fondmetal. Ein Rennen später sperrte Brabham den Rennstall zu – Hill saß auf der Straße. Bis er 1993 zu Williams kam. 1996 wurde er mit Williams Weltmeister.
Auch andere Senkrechtstarter waren erfolgreich. Jody Scheckter kam 1974 zu Tyrrell, nachdem er 1973 nur fünf Rennen im McLaren-Ford fuhr. Zwar war McLaren Gesamt-Dritter in der Konstrukteurs-WM, Scheckter blieb aber ohne Punkte und landete nur auf Rang 29. Scheckter wurde 1979 Weltmeister, allerdings mit Ferrari. Auch Gilles Villeneuve kam 1978 zu Ferrari, obwohl er 1977 nur drei Rennen absolvierte. Der Kanadier war 1982 auf dem Weg zum Titel, als er im Belgien-Quali tödlich verunglückte.