Formel 1: WM-Analyse nach Malaysia
Vettel trotz Rückstand WM-Favorit

Die beiden letzten Rennen liefen gegen Sebastian Vettel - doch vom Speed her steht Ferrari derzeit vor Mercedes. ABMS analysiert die Chancen in der WM.
Bild: Picture-Alliance / J. Andre
- Ralf Bach
- Bianca Garloff
In der Formel 1 herrscht öfter mal verkehrte Welt. Deshalb gibt es manchmal auch zwei Wahrheiten. So wie nach den Rennen in Singapur und Malaysia. Die eine ist: Statt möglichen zwei Siegen und 50 Punkten hat Sebastian Vettel nur zwölf Zähler und einen vierten Platz geholt. Mercedes Titelrivale Lewis Hamilton gleichzeitig einen Sieg, einen zweiten Platz und 43 Zähler. Deshalb führt der Brite fünf Rennen vor Schluss mit 34 Punkten Vorsprung auf Vettel die WM an.

Vettel legte in Sepang eine starke Pace an den Tag
Mercedes-Sportchef Toto Wolff ergänzt: "Wir haben im Rennen 30 Sekunden auf Ferrari verloren. Es stehen noch fünf Rennen bevor, und wir haben gesehen, wie rasch es sich drehen kann. Das macht den Motorsport so spannend." Die Alarmlichter in der Fabrik in Brackley sind auf rot geschaltet. Eine "Task-Force" soll den Problemen jetzt auf den Grund gehen. Besonders muss die Frage beantwortet werden, warum Ferraris neues Aerodynamik-Paket funktionierte, das von Mercedes aber nicht.
Mercedes in Sorge: Wolff beruft Krisensitzung ein
Ein Problem: "Das Auto ist extrem schwierig am Limit zu fahren", kreist Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas die Probleme mit dem Auto ein. Das heißt: Der britische Ausnahmepilot kann die "Silberpfeil"-Bestie in einer Runde im Qualifying noch bändigen, aber im Rennen nicht. Sein finnischer Teamkollege weder noch. Bottas ist im Moment überfordert.

Hamilton wurde Zweiter, baute seinen Vorsprung aus
Das sieht auch Vettel so: "Wir waren jetzt zweimal deutlich schneller als Mercedes. Unser Tempo ist extrem vielversprechend." Auch die Zuverlässigkeit seines roten Renners macht ihm keine Sorgen. Hintergrund: In Malaysia musste Vettel vom letzten Startplatz ins Rennen gehen, weil sein Motor im Qualifying ein Problem mit dem Turbolader hatte. Aus dem gleichen Grund musste Ferrari Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen noch vor dem Start des Rennens zurück in die Garage schieben. "Wir müssen nur verstehen, warum es die Probleme gab", sagt Vettel, "aber da vertraue ich ganz auf meine Jungs."

Holt Vettel dieses Jahr seinen WM-Titel Nummer fünf?
Fest steht: Entscheidet der Speed die WM, wird Vettel noch Weltmeister. Der Schlüssel liegt in der Zuverlässigkeit. Vettel hat da keine Bedenken: "Wir waren sehr zuverlässig diese Saison, deshalb mache ich mir keine zu großen Sorgen. Defekte wie in Malaysia können mal passieren. Ich kann immer noch aus eigener Kraft Weltmeister werden. Deshalb war es sehr wichtig zu sehen, dass wir in den letzten beiden Rennen das schnellste Auto hatten."

Der Crash mit Stroll könnte noch Auswirkungen haben
In der kurzen Zeit war es nicht möglich, das ganze neue System auszutauschen. Deshalb mussten die Mechaniker in einer Art Notoperation alte und neue Teile vermischen. Frankenstein-Motor, nennen Insider das. Gut möglich, dass deshalb der Turbolader nicht richtig funktioniert hat.
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