Formel 1: Tödliche Unfälle in der Formel 1

Formel 2: Der Tod fährt mit

Das würden Surer und Villeneuve ändern

Formel-2-Pilot Anthoine Hubert ist in Spa tödlich verunglückt. Warum der Motorsport nicht endgültig sicher sein kann.
„Wenn irgendjemand, der uns zusieht und Spaß daran hat, denkt, dass das, was wir tun, sicher ist, unterliegt er einem gewaltigen Irrtum. Alle Fahrer setzen ihr Leben aufs Spiel, sobald sie auf eine Rennstrecke fahren, und die Menschen sollten das angemessen würdigen.“ - Lewis Hamilton
Der Tod - er fährt mit im Motorsport. Immer noch. Für die meisten Beobachter des Formel-1-Wochenendes in Spa war diese Erkenntnis genauso traurig wie überraschend.
Sie haben Horrorunfälle erlebt, bei denen Piloten unverletzt aus völlig zertrümmerten Autos ausstiegen und später so davon erzählten, als wären sie auf dem Weg zur Mülltonne kurz mal ausgerutscht. Das war der Alltag, das war die trügerische Wahrheit.
Bis zum vergangenen Samstag. Bis zum tödlichen Unfall des 22-jährigen französischen Nachwuchspiloten Anthoine Hubert. Hubert, GP3-Meister 2018, stieg nicht mehr aus seinem Formel-2-Renner aus, starb im Streckenhospital.

Das Fahrerlager steht nach Spa unter Schock

Für fast alle im Fahrerlager war in dem Moment die Luftblase geplatzt, die ihnen Sicherheit suggerierte. Allein: Es gibt keine absolute Sicherheit in einem Sport, der ständig am physikalischen Limit agiert, mit Geschwindigkeiten jenseits von 300. Dem Körper sind Grenzen gesetzt. Die wurden bei Hubert überschritten.
Mittendrin in der tragischen Kettenreaktion: die berüchtigte Kurve Eau Rouge. In der zweiten Runde verliert der Franzose Giuliano Alesi (19) bei Tempo 240 nach einem Reifenschaden die Kontrolle über seinen 612 PS starken Formel-2-Wagen. Dahinter kommt es zum Chaos. Der Schweizer Ralph Boschung (21) bremst, Hubert weicht nach rechts aus, bleibt aber auf dem Gas.
Der Franzose schlägt in die Mauer ein und wird in Richtung Strecke zurückgeschleudert. US-Pilot Juan Manuel Correa (20), ebenfalls neben der Strecke unterwegs, hat keine Chance mehr zu reagieren. Er trifft den Franzosen seitlich auf Fahrerhöhe mit Tempo 250 wie ein Torpedo.
Huberts Heck reißt ab, der seitliche Cockpitschutz hält den Kräften nicht stand. Hubert hat keine Chance. Correa erleidet Beinbrüche und Rückenverletzungen. Ihm hat die Sicherheitszelle des Autos das Leben gerettet.
Es war ein Unfall, der nicht passieren darf, aber passieren kann. Auch in der Formel 1. Denn: Die Renner der zweiten Klasse müssen die gleichen Crashtests bestehen wie die der Formel 1. Ex-Pilot Marc Surer (67): „Es gibt nur maximale Sicherheit, keine endgültige.“

Jacques Villeneuve arbeitet inzwischen als TV-Experte

Bleibt die Frage: Wie hätte der Unfall verhindert werden können? Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve (48), der in Eau Rouge 1998 und 1999 selbst zwei schwere Unfälle hatte, sieht einen Ansatz bei den Fahrern selbst. Villeneuve: „Durch die großen Sicherheitszonen wird besonders den jüngeren Piloten zu viel Sicherheit suggeriert. Sie riskieren zu viel, weil sie glauben, durch die weiten Auslaufzonen aus Asphalt gäbe es keine große Gefahr. Würden Mauern dichter an der Strecke stehen, würden sie das Risiko senken.“
Was sicher geholfen hätte beim Unfall von Hubert: eine Entschärfung der Eau-Rouge-Kurve. Ex-Rennfahrer Eric van der Poele (57), der Fahrertrainings in Spa abhält, fordert das schon länger. Gerade im Ausgang der Bergauf-Kurve kommt es immer wieder zu Unfällen, weil die Autos an der Kuppe leicht werden, die folgende Raidillon blind gefahren wird.
Im Moment rast die Formel 1 dort mit einer Geschwindigkeit von rund 300 Stundenkilometern. Surer: „Mit weniger Eingangstempo durch einen größeren Kurvenradius wäre das Risiko eines Unfalls in Eau Rouge erheblich verringert.“
Die Motorsportbehörde FIA wird sich bei ihrer Unfallanalyse auch darüber Gedanken machen. Aber: Endgültige Sicherheit kann es Motorsport nicht geben.

Autoren: Ralf Bach,

Fotos: Picture-Alliance

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