Er ist angekommen. Das war am Donnerstag (9. Mai) in Mick Schumachers zweiter größerer Medienrunde in der Formel 2 klar zu erkennen. Der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher findet sich prächtig zurecht in seiner Rolle, die – wäre sie aus einem Hollywood-Drehbuch entsprungen – mehr Tragik-Züge enthalten würde als Triumphmomente. Der Sohn einer Legende zu sein, ist normalerweise mehr Last als Lust. Doch Schumacher junior hat kein Problem damit, über seinen berühmten Vater Michael zu reden. Auch nicht hier in Barcelona, wo Michael Schumacher 1996 seinen ersten Sieg im Ferrari holte – und seinen Ruf als Regengott zementierte.
Mick über Michael: "Was er getan hat, war außergewöhnlich. Das erkenne ich mit jedem Tag mehr." Er könne von vielen aktuellen Formel-1-Fahrern etwas lernen, sein Idol bleibe aber sein Vater. Seine Mimik drückt seine offene Bewunderung für den Über-Vater noch mehr aus als die reinen Worte. Von Ablenken oder Blocken keine Rede. Im Gegenteil. Da ist jemand richtig stolz darauf, was sein Vater geleistet hat.
Schumi
Mick Schumacher am Donnerstag in Barcelona
Die sieben WM-Titel seines Herrn Papa belasten ihn nicht, sie spornen ihn an. Lehren kann er aus den Leistungen seines Vaters allerdings kaum ziehen. Zumindest was bestimmte Linien im Rennauto betrifft. Schumacher junior nennt den Grund: "Ich schaue mir natürlich Videos von früher an, aber richtig helfen tun sie nicht. Autos und Reifen von heute sind zu verschieden."
Dass sein Vater die Limits in Zweikämpfen verschoben hat, findet Schumi junior gut. "Es gibt Limits, aber diese verschieben sich eben immer weiter. Man kann aggressiv sein, aber dabei eben auch fair."
Vor dem dritten Formel-2-Wochenende seiner noch jungen Karriere wirkt der Ferrari-Junior fokussiert und entspannt zugleich. In Bahrain vor sechs Wochen, als Mick Schumacher das erste Mal im Umfeld der Formel 1 auftreten musste, war er noch angespannter, als er der nach Sensationen haschenden Meute von Berichterstattern aus aller Welt ausgesetzt war. Dieses Mal sagt er es mit einem sympathischen, fast ironischen Grinsen: "Ich wundere mich natürlich immer noch, wie viel Leute hier sind. Wichtig für mich ist aber die Formel 2."
Soll heißen: Schritt für Schritt muss alles kommen, wie bisher in seiner Karriere. Die Formel-1-Testfahrten in Bahrain mit Ferrari und Alfa waren Goodies, mehr nicht. "Meine Erwartung ist derzeit immer die gleiche: Ich will so viel wie möglich lernen und mich weiter verbessern."
Allein: In Barcelona ist die Erwartungshaltung folgerichtig größer als bei den ersten vier Rennen. Dort fuhr er zweimal in die Punkte – was bei einem Neuling ohne berühmten Nachnamen durchaus schon für Anerkennung sorgen würde. "Jetzt kommen Strecken in Europa wie Barcelona, die ich schon kenne. Da freue ich mich drauf." Besonders auf einen Kurs. "Spa liebe ich am meisten." Auch hier scheut er keine Vergleiche. Hatte Vater Michael den schwierigen Kurs in den Ardennen einst sogar als "mein Wohnzimmer" bezeichnet.