Formel E: Heidfeld über seinen Horror-Crash
Am Funk habe ich "Scheiße" geschrien!

Nick Heidfeld kostet eine Kollision in der letzten Kurve den Premierensieg in Peking. Im Exklusivinterview mit AUTO BILD MOTORSPORT berichtet er von seinem Horror-Unfall.
Bild: Sky / BG
Herr Heidfeld, Sie sind der Mann des ersten Formel-E-Rennens in Peking. Eine Kurve vor Schluss haben Sie sich neben den Führenden Nicolas Prost geschoben und sahen schon wie der sichere Sieger aus. Doch dann hat er seinen Formel E in Ihren gelenkt. Wie geht es Ihnen nach dem spektakulären Unfall?
Nick Heidfeld: Alles gut. Ich ärgere mich einfach nur. Ich hatte extra für die Schlussoffensive reichlich Energie gespart. Ich musste die letzten Runden überhaupt nicht mehr vom Gas gehen, sondern konnte volle Attacke fahren. Es ist natürlich nicht leicht zu überholen, aber ich wusste, dass ich in der letzten Kurve immer später bremsen kann als er. Das habe ich ihm aber nicht gezeigt, weil ich dachte, dass meine Chance erst noch kommt.
Was sie dann auch tat.
Genau. In der letzten Runde bin ich optimal durch die vorletzte Kurve gekommen und war danach so nahe an ihm dran wie nie zuvor. Ich bin rausgezogen, er hat früher gebremst als sonst, war da schon nicht mehr auf der normalen Linie ganz rechts, sondern hatte schon rübergezogen. Also musste ich noch weiter rüber, war mit meinem Auto aber schon links neben ihm. Dann zieht er noch einmal rüber und fährt einfach in mich rein. Aber er wird das sicher anders sehen: Zwei Fahrer, zwei Meinungen.
Die anderen Fahrer sehen es wie Sie, geben Prost die Schuld.

Daumen hoch! Nick Heidfeld geht es nach seinem schweren Crash beim Formel-E-Auftakt in Peking gut
Im Fahrerlager gibt es längst böse Stimmen, die Nicolas Prost im Zweikampf mit seinem Vater vergleichen, der Ayrton Senna einmal ähnlich abgeschossen hat.
Da will ich mich nicht einreihen. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Nicolas, wir fahren in der Sportwagen-WM sogar zusammen in einem Team und verstehen uns gut. Dies war einfach eine Fehleinschätzung seinerseits.
Wie haben Sie den Unfall selbst erlebt? Sie flogen mit dem Kopf in Richtung Leitplanke - im Fernsehen sah das erschreckend aus.
Ich war selbst überrascht, dass es nicht mehr wehgetan hat. Ich merke jetzt meine linke Wade und direkt nach dem Crash mein rechtes Ohr. Das hat sich mittlerweile allerdings gelegt. Ich glaube aber, dass ich morgen vielleicht ein bisschen spüre, denn in der Phase, in der man durch die Luft fliegt, spannt man natürlich alle Muskeln an und der Einschlag war schon relativ hart. Ich wundere mich, dass nicht mehr passiert ist.
Was haben Sie während des Fluges gedacht?

Haarsträubende Bilder: Heidfelds Venturi-Flitzer wird in die Luft katapultiert und fliegt auf die Mauer zu
Wie bewerten Sie die Sicherheit der neuen Autos nach so einem Crash?
Die scheint gut zu sein! (schmunzelt) Ich weiß allerdings nicht, wie schlimm der Crash von den Kräften her war. Es gibt Crashs, die sehen schlimm aus, sind es aber nicht. Das ist meistens der Fall, wenn sich das Auto nach dem Crash noch bewegt und rotiert – wie heute. Dann baut man Geschwindigkeit und Kraft ab. Das Schlimmste ist es, wenn man stumpf einschlägt. Ich bin mir aber sicher, dass wir ein gutes und sicheres Auto haben.
Formel-E-Chef Alejandro Agag hat sich über Ihren spektakulären Crash sogar gefreut, weil die Leute jetzt noch mehr über die Serie sprechen.
Das ist mir schon klar. Natürlich generiert so etwas Aufmerksamkeit. Ich hätte aber trotzdem lieber gewonnen (lächelt).
Wie finden Sie die Formel E nach dem ersten Event ganz grundsätzlich? Hat die Serie Zukunft?

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