Die spektakulärsten Formel-E-Unfälle

Formel E: Kommentar zu Abt-Rauswurf

"Audis Reaktion ist übertrieben"

Daniel Abt ist nach einer Schummel-Aktion sein Formel-E-Cockpit los. War diese Reaktion von Audi übertrieben oder gerechtfertigt? Ein Kommentar.
So viele Rauswürfe im Motorsport hat es selten gegeben – und das obwohl gar nicht gefahren wird. Die virtuellen Rennen sind eigentlich nur als Ersatzprogramm für Fans und Sponsoren gedacht. Doch zum zweiten Mal haben sie jetzt ganz reale Auswirkungen. Erst verlor Kyle Larson sein Ganassi-Cockpit in der NASCAR, weil er in einem Live-Stream bei einem virtuellen Rennen das Wort „Nigger“ benutzt hat. Jetzt ist Daniel Abt sein Formel-E-Cockpit los, weil er jemand anderen für sich hat starten lassen. Zwei Mal wurde aus Spaß Ernst.
Abt äußert sich selbst im Video: hier klicken
In zahlreichen Gesprächen mit Daniel Abt habe ich ihn als Rennfahrer kennen gelernt, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält. Von Anfang an war für Abt klar: Diese ABB FIA Formula E Race at Home Challenge hätte man ganz anders aufsetzen müssen – viel mehr auf Entertainment getrimmt. Und ja, wahrscheinlich hatte er darauf nicht wirklich Lust.

Daniel Abt fährt nicht mehr länger für Audi in der Formel E

Dass er sein Vergehen jetzt damit rechtfertigt, dass alles nur als Witz gedacht war, ist einerseits glaubhaft, andererseits nicht. Ja, es geht hier weder um Preisgelder noch um Reputation. Wenn Abt Erster wird, hat er davon nichts. Wenn er Letzter wird, muss er ebenfalls nichts befürchten. Es ist also absolut glaubhaft, dass er nicht betrügen wollte, um besser abzuschneiden.
Fakt ist aber auch: Er hat einen Vertrag mit Audi – und den hat er an jenem Samstagabend nicht erfüllt. Witz hin oder her – Abt hätte Audi im Vorfeld informieren, wenn nicht gar um Erlaubnis bitten müssen.
Ja, Daniel Abt hat Recht, wenn er sagt, dass alles hat mit echtem Racing nichts zu tun. Aber das haben Interviews geben, PR-Termine wahrnehmen oder Autogramme schreiben auch nicht. Das gehört aber nun mal dazu. Und es gehört auch dazu, dass man bei einer solchen Pflichtveranstaltung, die noch dazu für UNICEF und damit für einen guten Zweck durchgeführt wird, teilnimmt.
Daher gibt ja auch Abt inzwischen zu: „Ja, ich habe einen Fehler gemacht.“
Trotzdem halte ich die Reaktion von Audi für überzogen. Ja, die Autobranche an sich musste sich zuletzt schwerwiegenden Schummel-Vorwürfen stellen – da ist eine harte Politik der Ehrlichkeit und Fairness angebracht. Auch mit der Vergangenheit von Audi im Motorsport. Ich erinnere an dieser Stelle nur mal an die „Schieb-ihn-raus“-Affäre in der DTM.
Dass Daniel Abt daher mit Konsequenzen rechnen musste, war klar. Aber der sofortige Rauswurf? Das ist überzogen. Es war offensichtlich, dass der Kemptener über die Saison hinaus keinen neuen Vertrag bekommen würde. Audi braucht nach dem Ausstieg aus der DTM Platz andere Stars – etwa für René Rast. Es hätte jedoch vollkommen gereicht, Abts Vergehen offen zum Anlass zu nehmen, den Vertrag nicht zu verlängern.
Ihm aber sofort zu kündigen, ist überzogen. Das hat Daniel Abt nach sechs Jahren mit dem Team und dem ersten Sieg eines Deutschen in der Formel E nicht verdient.

Die spektakulärsten Formel-E-Unfälle

Fotos: Audi

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