Elf Sieger in 15 Rennen, die ersten fünf Fahrer in der WM innerhalb von zehn Punkten, die ersten elf innerhalb von 20 Zählern; die Formel E ist unberechenbar. Ein bisschen zu unberechenbar, finden Fahrer, Teams und Fans. „Bis zum letzten Rennen waren noch 14 oder 15 Fahrer im Titelkampf dabei. Das ist natürlich spannend, aber einfach zu viel“, sagt zum Beispiel Maximilian Günther.
Die Gründe sind vielschichtig: Die Chassis sind für alle Teams gleich, die Motoren auf 340 PS Leistung begrenzt, das Feld daher sehr eng beisammen. Doch eine große Rolle spielte auch das Qualifying-Format. Die ersten sechs Fahrer der Weltmeisterschaft mussten jeweils als erstes auf die Strecke – wenn die Piste noch dreckig, das Griplevel niedrig und die Bedingungen damit am schlechtesten sind. Startplätze weit im Hinterfeld waren in der Regel die Folge. Logisch, dass die WM-Tabelle so künstlich rotiert.
Allein: Die Formel E nimmt die Kritik ernst. Nun wurde das Qualifyingformat für die kommende Saison 2022 geändert. Es ist zwar kompliziert, soll den sportlichen Wettbewerb aber fairer gestalten.

Neues kompliziertes Qualiformat

Los geht es mit einer Gruppenphase. Die Fahrer sind dabei in zwei Gruppen aufgeteilt. In der ersten fahren alle Piloten, die in der Startaufstellung auf ungeraden Positionen liegen – also zum Beispiel der WM-Führende, der WM-Dritte und so weiter. In der zweiten Gruppe kommen die Fahrer auf den geraden Plätzen zum Zug. Zehn Minuten Zeit ist pro Gruppe anberaumt, wobei die Fahrer verpflichtet sind, innerhalb der ersten fünf Minuten mindestens eine gezeitete Runde zu fahren. Eine Beschränkung der Rundenzahl gibt es nicht.
Die Formel E ändert ab der kommenden Saison 2022 das Qualifyingformat.
Die ersten vier jeder Gruppe kommen weiter. Die Fünftplatzierten beider Gruppen starten aus Reihe fünf, die Sechstplatzierten aus Reihe sechs und so weiter. Die Reihenfolge ergibt sich durch den Pole-Setter. Jene Gruppe, aus der später der schnellste Qualifyer kommt, startet von den ungeraden Plätzen (neun, elf etc.), die anderen von den geraden Rängen (zehn, zwölf etc.).
Die acht Fahrer, die sich in der Gruppenphase durchgesetzt haben, treten in einem K.O.-Format entsprechend ihrer Platzierung (Vierter gegen Vierter etc.) gegeneinander an. Die Verlierer bekommen die Startplätze fünf bis acht anhand ihrer Rundenzeit.

Mehr Leistung für das Rennen

Im Halbfinale tritt der Sieger des Erstplatzierten-Duells gegen den Gewinner des Viertplatziertenduells an, analog dazu die Sieger der anderen beiden Viertelfinals. Die Gewinner rasen gegeneinander um die Pole.
Die Fahrer müssen dabei gleichzeitig auf die Strecke. Einen Punkt bekommt der Sieger der Gruppenphase, drei der Pole-Setter.
In der Gruppenphase ist die Leistung auf 220 kW (ca. 300 PS) beschränkt, in der K.O.-Phase dürfen die vollen 250 kW (340 PS) abgeschöpft werden. Die Leistung im Rennen wird von 200 (272 PS) auf 220 kW (300 PS) angehoben.

Rennverlängerung wie im Fußball

Das erste Training wird wegen des länger dauernden Qualifyings von 45 auf 30 Minuten reduziert. 
Eine wichtige Neuerung ergibt sich für das Rennen. Pro Minute hinter dem Safety-Car oder einer Gelbphase wird die Rennzeit um 45 Sekunden verlängert – sofern dies innerhalb der ersten 40 Rennminuten passiert. Bisher wurde den Fahrern Energie abgezogen, was aber beim Rennen in Valencia zu Chaos führte, weil die Fahrer reihenweise ohne Energie liegen geblieben sind.
Zudem wurde der Kalender für 2022 angepasst. Das für den 26. Februar geplante Rennen im südafrikanischen Cape Town fällt aus. Durch die Coronamaßnahmen in Südafrika kann nicht gewährleistet werden, dass die Strecke rechtzeitig aufgebaut wird. Dafür soll am 5. März gefahren werden – an einem noch nicht definierten Ort. Klar ist nun auch die Austragungsstätte für den Lauf am 4. Juni: Jakarta (Indonesien) wird erstmals in das Elektro-Programm aufgenommen.
Der Termin für das Rennen in Berlin bleibt bestehen: 14. Mai.

Formel-E-Kalender 2022

28. Januar: Riad (Saudi-Arabien)
29. Januar: Riad (Saudi-Arabien)
12. Februar: Mexiko-Stadt (Mexiko)#
5. März: Noch offen
19. März: ??? (China)
9. April: Rom (Italien)
30. April: Monaco (Monaco)
14. Mai: Berlin (Deutschland)
4. Juni: Jakarta (Indonesien)
2. Juli: Vancouver (Kanada)
16. Juli: New York (USA)
17. Juli: New York (USA)
30. Juli: London (Großbritannien)
31. Juli: London (Großbritannien)
13. August: Seoul (Südkorea)
14. August: Seoul (Südkorea)

Von

Michael Zeitler