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Formel E: Venturi-Chefin Susie Wolff

„Kann nicht ständig zu Toto rennen"

Susie Wolff ist bei Venturi erste Teamchefin in der Formel E. Die Schottin im Interview über Gespächsthemen im Hause Wolff und die Männerwelt Motorsport.
Susie Wolff (36) ist selbst ehemalige Rennfahrerin und Ehefrau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Jetzt leitet sie das Venturi-Team in der Formel E mit Felipe Massa als Fahrer. Hier spricht sie vorm Saisonstart (Samstag, 15.12., ab 13 Uhr auf Eurosport oder im Livestream auf zdf.de) über ihren neuen Job.
Frau Wolff, Sie sind die erste Formel-E-TeamchefIN. Stolz?
Susie Wolff: Wenn ich etwas erreiche, dann ist es für mich nicht so, dass ich es als Frau erreiche. Ich hatte eine tolle Karriere und es war irgendwann Zeit, den Helm an den Nagel zu hängen. Gleichzeitig habe ich aber erkannt, dass ich nach wie vor Leidenschaft für den Motorsport habe. Ich habe den Vorteil, dass mein Mann fünf WM-Titel in Folge gewonnen hat und ich viel von ihm lernen konnte. Dies ist für mich der nächste Schritt. Dass ich die erste Frau an der Spitze eines Formel-E-Teams bin, ist für mich nichts Besonderes. Aber wenn ich damit weitere Frauen inspirieren kann, ist das gut.
Nächstes Jahr wird auch Ihr Ehemann Toto Wolff mit Mercedes einsteigen. Machen Sie über Ihr künftiges Duell schon Scherze?

Susie Wolff ist die erste Teamchefin in der Formel E

Das wird erst lustig, wenn wir in der sechsten Saison dann Gegner sind. Aber ich bin echt glücklich, dass er hinter mir steht und mich unterstützt. Als sich die Möglichkeit ergab, hat er sofort gesagt: Mach das, du hast die Fähigkeiten dazu! Natürlich kann ich ein paar Ideen von ihm abkupfern, aber ich will auf meinen eigenen Beinen stehen. Das ist MEIN Projekt, MEIN Job, ich muss es selbst machen. Ich kann nicht wegen jeder Kleinigkeit zu Toto rennen. Davon mal abgesehen, er hätte dafür auch keine Zeit.
Sie sprechen aber schon über die Arbeit am Küchentisch, oder?
Absolut. Die Formel 1 ist ein 24-Stunden-Job. Er denkt rund um die Uhr daran, wie er Mercedes noch erfolgreicher machen kann. Da ist es nur logisch, dass der Motorsport ein Gesprächsthema zu Hause ist. Da kann es nur positiv sein, dass ich diese Leidenschaft teile. Und dass ich auch in vielen Punkten eine Meinung habe. Manchmal stimmt die mit seiner überein, manchmal nicht.
In der Formel 1 gab es schon zwei Teamchefinnen, haben Sie mit denen mal gesprochen?

Wolffs Team Venturi ist in Monaco beheimatet

Claire Williams war mit die erste, die mir zu meiner neuen Rolle in der Formel E gratuliert hat. Sie ist für mich eine Inspiration. Genauso wie Monisha Kaltenborn. Für uns ist es aber schwierig zu beurteilen, wie wir als Frauen wahrgenommen werden. Ich weiß nicht, ob ich als Frau, als Susie Wolff oder als Teamchefin gesehen werde, wenn ich mit jemanden spreche. Was ich in meinen Jahren im Motorsport gelernt habe ist: Wenn du talentiert genug  bist, kriegst du deine Chancen und alles andere sind nur Nebengeräusche.
Fördern Sie auch junge Fahrerinnen für die Zukunft Ihres Teams?
Mit meiner Initiative „Dare to be different“ wollen wir die kommende Generation von Frauen inspirieren. Wenn mehr Frauen im Sport sind, kann das nur positiv sein. Wenn keiner etwas macht, wird sich auch nie etwas ändern. Natürlich würde ich gern einer Frau eine Chance geben, wenn sie talentiert ist. Ich habe auch schon mit welchen gesprochen. Es ist also nicht unrealistisch.
Ist Motorsport immer noch eine Männerwelt?
Mit Sicherheit ja. Die nächste Generation an Teamchefs wird wissen, was Frauen leisten können und daraus werden sich mehr Möglichkeiten ergeben. Ich kenne Williams und Mercedes sehr gut und die sind schon dabei, junge Frauen zu rekrutieren.
Inwiefern war das zu Ihrer aktiven Zeit noch anders?

Massa und Wolff kennen sich noch aus Williams-Zeiten

Für mich als Frau war es immer schwierig, mutig genug zu sein, um meine Hand zu heben und für meine Ansichten einzutreten. Heute bin ich ein komplett anderer Mensch. Einer der Gründe ist auch, dass ich mit Toto einen Mann habe, der mir viel Vertrauen schenkt und hinter mir steht. Jetzt habe ich keine Probleme mehr, meine Stimme zu erheben. Es liegt aber auch daran, dass ich jetzt mehr Erfahrung habe und das große Bild des Motorsports sehe. Als ich Rennfahrerin war, habe ich mich nur auf mich und meinen Erfolg konzentriert.
Bei Venturi kämpfen Sie mit einem kleinen Privatteam gegen die großen Hersteller.
Stimmt. Aber als kleines Team können wir Entscheidungen rascher treffen. Wer hat denn letztes Jahr die Meisterschaft gewonnen? Das war kein Hersteller. Man sollte nicht die Power der kleinen Teams unterschätzen – sofern du die richtigen Leute an die richtigen Stellen setzt und gute Partner hast. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir die Chance haben, Erfolge zu erzielen.
Ihr Fahrer Felipe Massa dürfte dabei helfen.
Er ist einer der schnellsten Fahrer und der größte Name im Feld. Das hilft dem Image des Teams. In jeder Hinsicht ist er für uns ein Gewinn.

Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance / Wolff

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