Forster A 699 DVB: Dauertest
Fazit nach 27.000 Kilometern mit dem Forster A 699 DVB

Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Leere Wasserflaschengibt es in einem heißen Sommer reichlich an Bord. Gut so, denn bei Fotograf Jochen Gerhardt halfen sie nicht nur beim Durstlöschen: Auf der langen Reise nach Südfrankreich klagten Vincent (8), Anton (11) und Klara (12) über die massive Hitze. Nicht zu Unrecht.
Während die Klimaanlage Fahrer und Beifahrer effizient kühlte, kam hinten nichts an. Die spontane Idee: Mit Schere und Klebeband bauten Jochen und seine Freundin Hilde einen Luftkanal nach hinten. "Das hat sehr geholfen", sagt er. Kühle Luft entspannte umgehend die überhitzte Stimmung an Bord.

Ein Netz schützt die Schläfer im Alkoven vor einem nächtlichen Absturz.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Für Familien eignete sich unser Dauertest ideal. Ein Alkoven gilt als Wohnmobil-Klassiker schlechthin. Vor allem dieser hier, den die erst zehn Jahre alte Marke Forster in Frankreich produziert: Zusätzlich zum Doppelbett in der Dachnase bietet der A 699 DVB im Heck nicht nur ein Querbett für zwei, sondern noch eine Extra-Schlafoption zum Ausklappen in der Garage. Macht Platz für sechs an Bord – und das in einem Sieben-Meter-Auto.
Entsprechend beliebt war der Dauertest bei Gruppen. Der Autor dieser Zeilen reiste mit Sohn und drei Freunden in der Faschingswoche zum Skifahren in die Dolomiten.
Wenig Stauraum für Winter-Ausrüstung
Das Fazit: Auch im Winter taugt der Forster, allerdings muss die Heizung kämpfen. Immerhin leitet sie etwas warme Luft über einen Schlauch hoch in den Alkoven. Im Winter fiel besonders auf, wie wenig Stauraum für Kleidung und Utensilien an Bord zur Verfügung steht. Besonders unpraktisch ist, dass Forster keine Haken für Jacken oder Handtücher montiert, selbst im Bad nicht.

In den verschneiten Dolomiten bot der Forster eine sonnige Skiwoche lang eine pistennahe Unterkunft.
Bild: AUTO BILD
Doch das sind Details. Mit Blick aufs Ganze fällt die Bilanz durchweg positiv aus. Zwar lärmt und schlägt der Forster, wenn er leer bewegt wird, und auf schlechten Straßen kann das lästig werden. Doch die Möbel bleiben dabei leise, vielmehr scheint die holzfreie, sehr robuste und langlebige GFK/ XPS-Sandwich-Bauweise einen lauten Resonanzraum zu bilden.
Den Ausbau fertigt Forster zwar ohne große gestalterische Ambitionen, jedoch zeigt er sich recht strapazierfähig und funktional. Nur das Spardiktat ärgert dann doch: In allen Schränken fehlen Einlegeböden, zudem altert das helle Kunstleder der Polster im Zeitraffer.
Technische Daten: Forster A 699 DVB
TECHNISCHE DATEN | FORSTER A 699 DVB |
|---|---|
Motorisierung | 2.0 EcoBlue Heavy Duty |
Motor/Bauart/Zylinder/Einbaulage | Diesel/Reihe/vier/vorn quer |
Hubraum | 1995 cm3 |
Leistung/kW (PS) | 118 (155) bei 3500/min |
max. Drehmoment | 390 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 130 km/h |
Getriebe | Sechsstufenautomatik |
Antrieb | Vorderrad |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/65 R 16 C |
Reifentyp | Conti. VanContact Eco |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 70 l/Diesel + 24 l AdBlue |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 2000/750 kg |
Länge/Breite/Höhe | 6990/2350/3200 mm |
Radstand | 3750 mm |
Testwagenpreis (2023) | 67 800 Euro |
Dafür, das gilt es fairerweise zu beachten, liegt der Testwagenpreis mit 67.080 Euro (2023) auf einem Niveau, das in der aktuellen Reisemobilrealität als attraktiv gelten darf. Der A 699 DVB bietet viel für einen fairen Tarif.
So hält der Alkoven neben Platz für sechs eine große Garage bereit, die immerhin 300 Kilogramm Last schultert. Sie schluckt auch voluminöses Sportgerät, dann jedoch lässt sich das zusätzliche Klappbett nicht mehr nutzen. Hier wird ein weiterer Punkt wichtig: Wer nicht ausschließlich mit (leichten) Kindern reist und zum Wiegen vor der Abreise bereit ist, sollte die optionale Auflastung auf 4,1 Tonnen wählen. Die beim 3,5-Tonner legale Zuladung von 540 Kilogramm ist beim A 699 DVB im Handumdrehen ausgereizt.

Eines von vielen Zielen des Dauertests war die südfranzösische Ardèche.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Am Steuer konnte der große Alkoven rundum punkten. Das Ford-Transit-Chassis überzeugte mit 155 PS (1590 Euro), einer entspannten Sechsstufenautomatik (2390 Euro) und immerhin 390 Nm Drehmoment – eine Mischung, die nie das Gefühl gab, es würde an irgendetwas fehlen. "Der Ford als Basis ist richtig gut, bequemes Fahren und genug Power", lobte beispielsweise SEO-Managerin Susanne Thiel im Fahrtenbuch.
Auf unserem Testparcours hatte der Forster zudem bewiesen, dass er stabil gut bremst, problemlos durch Pylonen wedelt und sein ESP auf maximale Sicherheit ausgelegt ist. Gut so.
Die Badgröße kann sich sehen lasen
Die meisten Einträge formulierten die Kollegen zu kleinen Mängeln. Immer wieder war aufgefallen, dass beide Leitern nicht stabil in ihren Halterungen saßen. In der Küche mangelte es an Arbeitsfläche, und die erste Sitzbank nervte mit sperrigen Statikgurten – hier sitzen zudem die Passagiere mit dem Rücken nach vorn.

Wenn mehr als vier an Bord sind, wird es am Tisch eng.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Viel Lob erhielt dagegen das große Bad mit abgetrennter Dusche und richtiger Tür statt am Körper klebendem Vorhang. Auch der Kühlschrank erhielt oft Anerkennung, weil er mit 135 Litern Fassungsvermögen nicht nur groß ausfällt (plus 15 Liter Eisfach), sondern seine Flaschenschublade zudem sehr praktisch ist.
Störend dagegen war der enge Durchgang zum Lenkrad, weil der Automatikhebel so weit in den Raum ragt. Negativ fielen zudem die Schlösser an Klappen und Heckgarage auf, die sich nur mit Tricks und Geduld schließen ließen.
Am Ende des Tests hatte der Forster in rund zehn Monaten gut 27.000 Kilometer abgespult. Er war ins englische Brampton gereist, ins dänische Gråsten, an die Côte d'Azur und nach Florenz, war in Lübeck und den Dolomiten.

Die Rhône überquerte der Forster mehrmals – hier auf einer Fähre.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Die intensive Nutzung addierte am Ende noch einige Kritikpunkte: Die Matratzen, die einige Tester als zu dünn und unbequem monierten, zeigten Pilling, das Fenster in der Aufbautür war gerissen, zudem fantasierte das Display irrationale Füllstände der Wassertanks. Dann forderte der Transit zu einem Werkstattbesuch auf: Die Bremsbeläge seien bereits fällig.
Das sind alles keine großen Themen. Der Forster bleibt als guter Kumpel in bester Erinnerung, besonders bei Familien. Er hat Kinder glücklich gemacht – in Le Lavandou am wundervollen Plage de Cavalière oder in Sexten, wo er im Schnee vor den Drei Zinnen stand.
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