Teilintegrierte sehen immer konservativ aus mit dem ewigen Beige und Weiß und ihren biederen Dekorteilen? Frankia belehrt uns eines Besseren – wir staunten, als wir auf dem Salon in Düsseldorf einen Blick in den Now werfen konnten. Reduzierte Linien und transparentes Raumgefühl, cooles Anthrazit und Grau, trotzdem behaglich und warm dank farbiger Akzente, feiner Textilflächen und ausgefeilten Lichtdesigns. Das hätte von dem fränkischen Traditionshersteller niemand erwartet. Jetzt steht der Now für den Fahrbericht bereit.

Frankia Now: Das ist er

Von außen denkt man spontan an Knaus, Frankia möge uns verzeihen. Da gab's vor Urzeiten mal die Kombination Gelb mit Grau. Aber bei Frankia überrascht das. Statt des "Sun" genannten Gelb könnten die Streifen auch "Ocean"-Blaugrün sein oder -"Peach"-Altrosé – was auch immer mit den Farbakzenten und Kissen im Wohnraum korrespondiert. Ansonsten das gewohnte Bild eines modernen Teilintegrierten, mit bündig eingebauten Rahmenfenstern und knapp mehr als sieben Meter lang. Die Ducato-Nase glänzt schwarz metallic.
Frankia Now auf Fiat Ducato
Mit 140 PS und Neunstufenautomatik fährt der Now angemessen, muss sich aber am Berg anstrengen.
Bild: Erwin Fleischmann

Der Grundriss ist eher konventionell und zweckmäßig. Der Now kommt mit erweiterbaren Längsbetten im Heck, die Zweierbank gegenüber dem Eingang formt mit den Drehsitzen im Fahrerhaus und dem menütauglich großen, auf die Hälfte zusammenklappbaren Dreh-Schiebe-Tisch eine Vierersitzgruppe. Man sitzt da behaglich, was auch an der pfiffigen Armauflage an der Wand liegt – und an der Stoffbespannung der Seitenwände. Beim Vorserientestwagen war die Sitzhöhe ein bisschen reichlich, das wird noch geändert. Notfalls finden noch zwei Gäste einen Sitzplatz: Die seitlich oder von oben beladbare Multifunktionsbox hinter dem Beifahrersitz lässt sich mit einem Handgriff in zwei Würfel zerlegen, die mit den losen Kissen leidlich bequeme Hocker ergeben.
Frankia Now auf Fiat Ducato
Da weiß man, was man hat: das Ducato-Cockpit.
Bild: Erwin Fleischmann
Beim Now hat Frankia den Doppelboden weggelassen; das sorgt für großzügige Stehhöhe – maximal 2,13 Meter, unter dem Hubbett immer noch 1,92 und im Schlafzimmer 1,94 Meter –, aber auch für ein ungewöhnlich luftiges Raumgefühl, trotz der vielen anthrazitfarbenen Teile des Mobiliars. Der Eindruck von viel Freiraum wird dadurch unterstützt, dass im Now keine Oberschränke im Wohnraum verbaut sind und ein ungewöhnlich breiter Mittelgang zwischen Küchenblock und Bad verläuft.

Frankia Now: Das hat er

Vor allem ein frisches und schnörkellos geradliniges, flächiges Design, das einerseits beinahe nordisch sachlich aussieht. Andererseits aber mit gerundeten Formen – überall im gleichen Radius – und liebevollen Details wie einem dicken Echtholzeinstiegsgriff oder den Wandaussparungen mit kontrastfarbenen Textileinlagen aus dickem Streifensamt wohnlich und einladend wirkt. Der durch die weggelassenen Dachkästen reduzierte Stauraum wird ersetzt durch halb offene Ablagen in den Wandverkleidungsnischen.
Einen hohen Aufwand betrieb Frankia mit dem Lichtdesign: An den Dachkanten, unter dem Hubbett, in den Ablage-Wandnischen, sogar in den Bodenleisten finden sich individuell schalt- und dimmbare Ambiente-Lichtleisten, die die Farbgestaltung unterstreichen. Maximilian Lauterbach, Marketingmann bei Frankia, sieht Anleihen beim Art-déco-Stil der Zwanzigerjahre: Art déco lebte auch von der Kombination aus eleganter Form, kostbaren Materialien und Farbakzenten.
Frankia Now auf Fiat Ducato
Die schmale Bordküche bietet genug Stauraum, aber recht wenig Arbeitsfläche.
Bild: Erwin Fleischmann

Vor lauter Design bleibt aber die Nutzbarkeit nicht auf der Strecke. Besonders gefällt das wandelbare Bad. Durch die waschbeckentragende Schwenkwand wird aus einem hinreichend geräumigen WC-Raum eine recht bequeme Dusche. Smart ist auch der Now-Tower genannte Hochschrank, der von drei Seiten aus zugänglich ist und den serienmäßigen Kompressorkühlschrank enthält. Optional gibt es ein praxisgerechtes Autarkie-Paket mit 200-Ah-Lithiumbatterie, 200-Wp-Solarpanels auf dem Dach und 2000-Watt-Wechselrichter.
Frankia Now auf Fiat Ducato
Ein Einlegebrett/-polster macht die Einzelbetten zur 223 Zentimeter breiten Liegewiese.
Bild: Erwin Fleischmann

Kleine Schwächen sehen wir in der mäßigen Zugänglichkeit der Stauschränke unter dem Heckbett, deren Kleiderstange nur eine Hängelänge von 58 Zentimetern bietet. Und auch die schmale Küche wird, trotz Erweiterung auf der "MuFu-Box" jenseits der Eingangstür und des pfiffigen Auszugs im Tower nicht jeden glücklich machen. Die beiden Betten hingegen sind zu loben, auch hier gefallen durchdachte Details wie das Erweiterungsteil, bei dem das Polster auf dem Brett fixiert ist und einen festen Platz im Staukasten hat.

Frankia Now: So fährt er

Frankia verwendet das 3,5-Tonnen-Chassis. Das Testmobil rollt auf seinen 16-Zoll-Alurädern etwas ruppig, aber rappelfrei ab. Das spricht für die Solidität von Aufbau und Einbauten. Der 140-PS-Diesel bringt den Now achtbar voran, die Neunstufenautomatik unterstützt ihn nach Kräften und ist meist bemüht, die Drehzahl und damit den Geräuschpegel des kernig laufenden Triebwerks niedrig zu halten. Allerdings empfiehlt sich meiner Meinung nach auch für einen 3,5-Tonner bereits die 180-PS-Version – weil sich der stärkere Motor mit seiner höheren Zugkraft am Berg weniger anstrengen muss und somit ein kultivierteres und leiseres Fahren verspricht.
Frankia Now auf Fiat Ducato
Optionales Hubbett über der Sitzgruppe mit üppigen 190 x 
123 Zentimeter
Schlaffläche.
Bild: Erwin Fleischmann

Technische Daten

  • Motorisierung Fiat 140 Multijet
  • Leistung 103 kW (140 PS) bei 3500/min
  • Hubraum 2184 cm3 
  • Drehmoment 350 Nm bei 1400/min
  • Höchstgeschwindigkeit ca. 140 km/h
  • Getriebe/Antrieb Neunstufenautomatik/Vorderrad
  • Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 l/Diesel + 19 l AdBlue
  • Länge/Breite/Höhe 7030/2300/3050 mm
  • Radstand/Bereifung 3800 mm/225/75 R 16 C
  • Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) 3225/275 kg
  • Anhängelast (gebremst/ungebremst) 2000/750 kg
  • Material Wand/Dach/Boden Alu-SW/GFK-SW/XPS-PU
  • Stärke Wand/Dach/Boden 31/31/49 mm
  • Isolierung Wand/Dach/Boden XPS-PU/GFK-SW/XPS-PU
  • Liegefläche Hubbett L x B 1900 x 1230 mm 
  • Liegefläche Heck L x B 1990*800/1930 x 820 mm
  • erweitert: 1930–1190 x 2230
  • Kühlschrank/Eisfach 84/6,1 l
  • Herd 2 Flammen
  • Bordbatterie 200 Ah LiFePo4
  • Frisch-/Abwassertank 130/95 l
  • Gasvorrat/Heizung 2x 11 kg/Truma Combi 6 E
  • Grundpreis ab 83.900 Euro
  • Testwagenpreis ca. 114.000 Euro

Fazit

von AUTO BILD
Modernes Design verbindet sich mit pfiffigen Detaillösungen, ohne dass Wohnkomfort und Behaglichkeit in diesem Teilintegrierten zu kurz kommen. Diese Mischung gab es so bisher im gehobenen Preissegment nicht – sie spricht nicht nur Neueinsteiger an.