Die schönsten Gebrauchtwagen
Giulietta, Clubman & Co: Fünf Gebrauchte mit Stil

Bild: FCA
Gelungene Proportionen? Vielleicht. Ein knackiges Heck? Möglich. Ein schönes Auto? Ansichtssache. Über die Form von rollendem Blech lässt sich nun mal genauso vortrefflich streiten wie über das Tempolimit (bitte nicht), Pizza Hawaii (auf jeden Fall) oder den einzig wahren James Bond (Connery, natürlich). Unstrittig dagegen: Unsere fünf Gebraucht-Protagonisten fallen auf. Und zwar vor allem wegen ihres außergewöhnlichen Designs.
Wer sich einst einen Volvo C30, Alfa Romeo Giulietta, Peugeot RCZ, Mini Clubman oder Renault Avantime in die Garage stellte, hörte aufs Herzklopfen und hatte gewiss Schmetterlinge im Bauch – und kein Kofferraummaß im Sinn.
Ein bis zwei Jahrzehnte nach ihrem Debüt gilt: Diese Stil-Originale sind ziemlich gut gealtert. Ein gut erhaltenes Exemplar ist längst mehr als ein Geheimtipp für Auto-Nerds; die Preise mancher Modelle zeigen denn auch schon zarte Sammler-Tendenzen. Das soll aber kein Grund sein, sie nicht im Alltag einzusetzen. Bevor es so weit ist, legen wir hier die Hand aufs Blech und verraten ein paar pikante Details über die Technik. Manches davon ist, nun ja, weniger schön.
Alfa Romeo Giulietta
- Bauzeitraum: 2010 bis 2020
- Leistung: 105 bis 240 PS
- Preise: ab 4000 Euro

Aus jeder Perspektive ein Genuss. Nur wenn die zum Teil empfindliche Technik nervt, kann aus Amore Frustrazione werden.
Bild: FCA
50 Gölfe fahren einem um die Nase, bevor die erste Giulietta auftaucht. Nicht nur schön ist der Italo-Kompakte, sondern auch selten. Und mit seinen geschwungenen LED-Heckleuchten besonders bezaubernd bei Nacht von hinten. Überraschend die hohe Diesel-Quote, denn in fast der Hälfte der Gebrauchten nagelt ein JTDM unter der ausdefinierten Haube, meist der 1.6er mit 105 oder 120 PS. Mehr Furore auf der linken Spur liefern die Zweiliter-Diesel mit 140 bis 175 PS.
Bei den Benzinern herrscht vor allem der 1.4 TB (105 bis 170 PS) mit unkomplizierter Saugrohreinspritzung vor. Selten: Der 1750 TBi (ab 10.000 Euro, 235 oder 240 PS) schießt mit TCT-Getriebe (240 PS) in etwa sechs Sekunden mit 100 km/h über die Autostrada.

Die Lenkung ist sehr direkt übersetzt, nicht nur in den sportlichen Modellen.
Bild: FCA
Schwachstellen: Doch gerade die Doppelkupplung sollte man meiden, vor allem Besitzer der drehmomentstarken Diesel mit TCT suchen in Foren Rat und finden viele Leidensgenossen, die über früh verglühte Kupplungspakete jammern. Elektrik-Zicken, italienische Toleranzen bei der Verarbeitung, früh ausgeschlagene Fahrwerksgelenke und der bei älteren 1.4 TB teils hohe Ölverbrauch sind weitere Themen. Schuld können hier, ähnlich wie beim EA888 von Audi, verkokte Ölabstreifringe oder Undichtigkeiten am Turbo sein. Aufpassen bei den Zahnriemen! Die Wechselintervalle betragen zum Teil nur fünf Jahre.
Mini Clubman
- Bauzeitraum: 2007 bis 2014
- Leistung: 90 bis 211 PS
- Preise: ab 4500 Euro

Speziell mit dem JCW Clubman lässt sich gut kurvenräubern – der längere Radstand hilf.
Bild: Toni Bader
Die zweite Mini-Generation (R55 bis R59) ließ die Marotten des Vorgängers schnell vergessen: Auch weil überwiegend kultivierte PSA-Vierzylinder hinter den großen runden Kuller-Scheinwerfern arbeiten. Der Niedlichkeitsfaktor ging hier noch nicht verloren, nur die Qualität war jetzt nicht mehr mini. Das bestätigt auch ein Blick in den TÜV-Report, wo auch die älteren Modelle dieser Baureihe ordentlich abschneiden.
Und in der nun viel umfangreicheren Modellpalette findet sich zwischen Cabrio, Roadster und Countryman der für viele schönste aller Mini: der Clubman. Die unpraktischen Hecktüren rechtfertigen den Kauf eines "praktischen" Kombis eher nicht. Doch der Kofferraum des unter vier Meter langen Fünftürers fasst immerhin zwischen 260 und 930 Liter.

Gute Sitze und solide Qualität im durchgestylten Innenraum mit Retro-Schaltern und großem rundem Tacho.
Bild: Toni Bader
Schwachstellen: An den schicken Splitdoors kann der Rost ansetzen. Soll es einer der kräftigen Turbo-Benziner sein, den späteren N18-Motor nehmen, beim Cooper S erfolgte der Wechsel 2010, beim JCW erst ab 2012. Noch moderat: einen guten Cooper S Clubman (mit N18-Motor ) gibt es ab etwa 8000 Euro.
Peugeot RCZ
- Bauzeitraum: 2010 bis 2015
- Leistung: 155 bis 271 PS
- Preise: ab 6000 Euro

Der RCZ kommt mit 308-Technik, verfeinert mit größeren Bremsen, breiterer Spur, strafferen Dämpfern.
Bild: Christian Bittmann
Ein sportlicher Typ mit Doppel-Buckel ─ und doch alles andere als ein Quasimodo. Denn der RCZ hat schon echte Liebhaber, doch die Preise sind (noch) auf dem Boden geblieben. Augenscheinlich sehr gut erhaltene Modelle mit Laufleistungen weit unter 100.000 Kilometern bewegen sich um 15.000 Euro. Dabei spielt es fast keine Rolle, ob es sich um das Topmodell RCZ R oder um den Diesel mit 163 PS handelt.
Dass der RCZ mit seinem Double-Bubble-Dach nicht nur auffallend anders aussieht, bewies ein R im Vergleichstest gegen einen Porsche. Zwar handelte es sich um den Basis-Cayman, doch auch der ist 275 PS stark, und vorab hätte keiner geglaubt, dass der Franzose mit Starrachse dem Mittelmotorsportler mit Sechszylinder auf dem Sachsenring die Show stiehlt. Hat sich anno 2014 aber exakt so zugetragen.
So gesehen ist der RCZ heute noch ein echtes Schnäppchen. Denn ein vergleichbarer gebrauchter Cayman kostet locker 20.000 Euro mehr – also etwa wie damals zu Neuwagenzeiten. Praktischer als sein Konkurrent aus Zuffenhausen ist der RCZ ohnehin: Hinten gibt es zwei Notsitze, die allerdings nur für kleine Kinder taugen. Die Lehnen lassen sich umklappen, was 639 Liter Stauraum schafft. Genug Platz für ein langes Wochenende – ohne die kleinen Plagegeister.

Bild: Werk
Schwachstellen: Es finden sich auch Angebote um 4000 Euro – Reparaturstau inklusive. Mit anfälligen Steuerketten, Undichtigkeiten am Antrieb und Turbolader-Schäden lauern kostspielige Ärgernisse. Dazu beschweren sich einige Eigner über ein hakeliges Sechsgang-Schaltgetriebe.
Renault Avantime
- Bauzeitraum: 2001 bis 2003
- Leistung: 150 bis 207 PS
- Preise: ab 5000 Euro

Bild: Ingo Barenschee
Halb Coupé, halb Van und ganz kultig! Renault feiert seinen schrägen Entwurf noch heute, meint, der Avantime war seiner Zeit voraus. Wir meinen: Der einzigartige Franzose kam nicht zur falschen Zeit, sondern im falschen Universum. Und das ist als Kompliment zu verstehen. Nichts am engen Avantime ist praktisch, für einen Van besitzt er aberwitzig wenig Variabilität.
Beim Thema Verarbeitung reißt so mancher bei Erstbegegnung die Augenbrauen weit nach oben: Ob schiefe Karosseriespaltmaße, wackelige Verkleidungsteile oder die harte und polterige Federung – wer sich schon am schrägen Design stört, verzweifelt bald vollends am Avantime. Frühe V6 finden sich schon für unter 10.000 Euro, doch je später das Modell, desto besser die Qualität.

Bild: Ingo Barenschee
Schwachstellen: Komplizierter Zahnriemenwechsel beim V6, anfällige Radlager, oft defekte E-Technik und kompliziert einzustellende Scharniere der schweren Türen.
Volvo C30
- Bauzeitraum: 2006 bis 2012
- Leistung: 100 bis 230 PS
- Preise: ab 3500 Euro

Bild: Martin Meiners
In Zeiten millimeterdünner 65-Zoll-Bildschirme sorgt die "schwebende" Mittelkonsole des C30 heute nicht mehr für fassungsloses Staunen. Vor fast 20 Jahren fragte man sich schon, wie Volvo (damals noch unter Ford-Regie) so viel Technik in einen so schlanken Kunststoffflügel verpacken konnte. Die zentrale Bedieneinheit sieht immer noch groß- artig aus – der minimalistische Innenraum allein macht den C30 zum Liebhaberstück. Hinten gibt es zwei Einzelsitze, am Heck Designzitate des legendären "Schneewittchensargs", darüber hinaus lassen die klanggewaltigen Fünfzylinder mit der Zunge schnalzen.
Fahrwerk und Lenkung sind eher komfortabel abgestimmt, obwohl die Basis mit der des agileren Ford Focus MK2 identisch ist. Sportlich wird es mit den Fünfzylindern, ob Diesel oder Benziner. Im T5 mobilisiert der 2,5-Liter-Turbo bis zu 230 PS und 320 Nm (gebraucht ab etwa 7500 Euro). Wichtig zu wissen: Wie die vier Sitzplätze sind auch die zwei Türen gesetzt – praktischer wird's beim C30 nicht.

Bild: Martin Meiners
Schwachstellen: Bei älteren Exemplaren ist ein gründlicher Rost-Check Pflicht (Radhäuser, Türinnenkanten, Heckklappe). Die Laufleistungen sind Volvo-typisch meist hoch. Die kleinen 1.6er-Diesel leiden vermehrt unter Turboladerausfällen; beim Fünfzylinder-Diesel schwächeln Injektoren sowie die Drallklappen (Reparatursatz ca. 300 Euro). Das Ford-Powershift-Getriebe gilt als anfällig – besser meiden. Deutlich komfortabler und viel weiter verbreitet ist ohnehin der Wandlerautomat. Bei den Schaltern setzt hohes Drehmoment dem Zweimassenschwungrad zu.
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