Herr Saber, wir treffen uns hier bei der DTM, die Autohero sponsert. Was ist für Sie so spannend am Motorsport?
Hamza Saber:
Es ist die Begeisterung für Automobile und diesen Sport. Die Serie bietet uns eine Bühne, mit der wir unsere Marke noch bekannter machen und dem Publikum näherbringen können. Die Chemie zwischen Motorsport und Autobegeisterung in unserem Unternehmen stimmt einfach.
Erklären Sie bitte mal die Geschäftsidee Ihres noch jungen Unternehmens!
Wir kommen aus dem Autohandel, also Ankauf von Autos und Verkauf an Händler. Das haben wir sieben Jahre lang gemacht und sind einer der größten Gebrauchtwagenhändler Europas geworden. Dann haben wir uns gefragt, was denn überhaupt das aktuelle Kauferlebnis auf der Endkundenseite ist. Wenn man in Deutschland ein bestimmtes Auto sucht und kein Glück hat, muss man in der ganzen Republik herumreisen. Das heißt also, der Kunde muss sich zu seinem Auto bewegen. Das ist ein großer Nachteil im Vergleich zu jedem anderen Business im Bereich E-Commerce, in denen das Produkt zum Kunden kommt. Das wollten wir ändern und dafür sorgen, dass man auch beim Gebrauchtwagenkauf das gleiche Kauferlebnis hat wie beispielsweise bei einem Onlinekauf bei Amazon.
Klingt jedenfalls einfacher, als in Deutschland auf Autosuche zu gehen.
Um die Herausforderungen beim Autokauf persönlich nachzuempfinden, habe ich vor dem Rollout von Autohero exemplarischen einen Autokauf auf alten Wegen gemacht, dafür viel Bargeld abgeholt und bin zu dem am besten ausgestatteten VW Polo in ganz Deutschland gefahren, den ich in Monschau in der Eifel gefunden hatte. Dafür habe ich Flugzeug, Flixbus und Taxi genutzt. Das hat mich sieben bis acht Stunden gekostet. Und dann hatte ich das Glück, dass das Auto genau dem entsprach, was ich mir vorgestellt hatte und was auf der Gebrauchtwagenbörse versprochen worden war.
Hamza Saber ist Geschäftsführer der Deutschlandsparte von Autohero.
Bild: Autohero
Das ist ja längst nicht immer der Fall.
Und genau da haben wir angesetzt. Das Auto soll zum Kunden kommen. Und die Transparenz, die man bei anderen Produkten schon online vorfindet, muss auch gegeben sein. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass man zum Beispiel die Gebrauchsspuren, die an einem Fahrzeug zu finden sind, schon online sehen kann. Wir wollen nicht, dass man dieses Aha-Erlebnis erst hat, wenn man das Auto erstmals live sieht. Wir wollen die physische Erfahrung, die man beim Kauf eines Autos hat, auch online widergespiegelt bekommen. Mit all den weiteren Vorteilen wie unserer 21-Tage-Geld-zurück-Garantie. Die ist sogar viel besser als eine einstündige Probefahrt. Bei uns hat man eben eine 21-tägige Probezeit.
Das erinnert tatsächlich an einen Onlineshop.
Genau. Zudem ist es uns wichtig, die Qualität der zum Verkauf stehenden Fahrzeuge sicherzustellen. Dafür haben wir eigene Prozessstrukturen entwickelt und verkaufen nur Autos aus unserem eigenen Bestand. Wir vermitteln also keine Fahrzeuge. Wir kaufen Autos und prüfen die in unseren eigenen zehn europäischen Produktionszentren, in denen wir jährlich bis zu rund 180 000 Fahrzeuge aufbereiten können.
Sie kaufen also Autos und bereiten diese dann selbst für den Verkauf auf.
Richtig. Denn nur so haben wir die Kontrolle über die von uns angebotenen Fahrzeuge. Letztlich übernehmen wir auch die Auslieferung des verkauften Fahrzeugs. Der Glastruck, mit dem wir das machen, symbolisiert sehr schön diesen Prozess. Oft erleben wir wirklich glückliche Kunden, die mit staunenden Augen feststellen, dass der Glastruck ja wirklich kommt. Die wollten gar nicht glauben, dass es den wirklich gibt. Diesen E-Commerce-Charakter, die Einfachheit bei der Auswahl, dem Bestellprozess und der Lieferung, haben wir verbunden. Darüber hinaus bieten wir Finanzierung aus eigener Hand. Der Kunde muss sich also nicht auf vielleicht komplizierten Wegen um die Finanzierung kümmern. Auch ganz wichtig ist unsere Inzahlungnahme. Bei Lieferung ist nur noch die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis fällig, und wir nehmen das alte Fahrzeug dann gleich mit.
Seit Corona boomt der Gebrauchtwagenmarkt. Bekommen auch Sie das positiv zu spüren?
Ja. Wir sind ja ein Onlineshop für Automobile. Wer während des Corona-Lockdowns feststellen musste, dass sein Autohaus geschlossen war, suchte nach Alternativen.
Hinzu kamen die langen Wartezeiten auf Neuwagen wegen der bekannten Lieferkettenprobleme.
Genau. Rückblickend war es also ein glückliches Timing, dass wir den Rollout von Autohero in dieser Zeit vorangetrieben haben. So konnte man ganz bequem von zu Hause aus ein Auto kaufen. Der Markt wandelt sich gerade immer mehr in Richtung online. Auch beim Automobil. Aktuell macht E-Commerce im Automobilhandel aufgerundet gerade mal ein Prozent aus. Da ist also noch enorm viel Wachstumspotenzial.
Wie viele Autos verkauft Autohero jährlich?
In ganz Europa haben wir über 60.000 Autos verkauft. Das macht uns zu einem der größten Autohändler Europas. Auch die Eine-Milliarde-Euro-Grenze beim Umsatz haben wir jetzt geknackt.
Wie hoch ist der Durchschnittspreis, den Sie für Ihre Verkäufe ermittelt haben?
Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Aber eine Spannbreite von 15.000 bis 20.000 Euro ist der größte Korridor, wenn man sich den Markt anschaut.
Und was sind die am häufigsten nachgefragten Gebrauchtwagen?
Wir bilden mit unserem Angebot den gesamten Markt ab. Modelle wie der Golf oder der 1er-BMW sind auch bei uns in den Verkaufszahlen ganz weit oben. Aber vor längerer Zeit haben wir in Österreich auch mal den „Knight Rider“ aus der TV-Serie erworben. Tatsächlich sogar mit dem Original-Cockpit und der Stimme des Fahrzeugs. Der steht derzeit aber nicht zum Verkauf. Wir haben ihn allerdings schon oft als Schauobjekt für Kunden und Geschäftspartner genutzt.
Wie sieht es mit elektrisch angetriebenen Modellen im Gebrauchtwagenmarkt aus?
Das wird immer relevanter. Wir reden aber immer noch von einstelligen Prozentzahlen, weil es eben noch eine Zeit dauert, bis die neu angeschafften E-Autos in den Gebrauchtwagenmarkt kommen. Aber mit den steigenden Zulassungszahlen der E-Neuwagen wird das in Zukunft sicher ein wachsendes Thema werden.
Wie wird sich der Gebrauchtwagenmarkt generell in Zukunft entwickeln?
Es werden weitere Hersteller und damit weitere Modelle auf den Markt kommen. Zudem sieht man, dass viele Hersteller ihre Neuwagen, die sie aktuell nicht verkaufen können, parken müssen. Der Gebrauchtwagenmarkt wird also auch künftig gut bestückt sein. Sicher ist für mich, dass der Verkauf deutlich mehr Richtung online gehen wird. Auch die Autohersteller sind dabei, ihre Vertriebsmodelle anzupassen. Es wird immer mehr Agenturmodelle und Direktvertrieb geben. Es wird also zu einer Konsolidierung des Marktes kommen. Zudem werden auch deutlich mehr private und freie Händler aktiv werden.