Gebrauchtwagen der Woche: Ford Focus RS

Gebrauchtwagen der Woche: Ford Focus RS

Ford Focus RS: Kleinkraftwerk für Liebhaber

Frontantrieb und viel Leistung, auffällig verpackt: Der Ford Focus RS polarisiert. Doch was taugt er als Gebrauchter?
Diskretion? Bescheidenheit? Understatement? Der Ford Focus RS verdient viele Bezeichnungen, diese treffen jedoch nicht zu. Bereits durch seine böse Optik wird sofort klar, dass dieser Kompakt-Sportler definitiv kein Kandidat ist, den man mit der Lichthupe von der linken Spur schubsen will. Mit seiner aggressiv gestylten Frontschürze, gigantisch ausgestellten Radhäusern und dem unübersehbaren Heckspoiler ist der Focus RS der zweiten Generation nicht nur optisch eine echte Krawallschachtel. Mit seinen kraftstrotzenden inneren Werten ist er auch darauf ausgelegt, maximale Verwirrung zu hinterlassen. Doch nicht nur das: Hinter seinem speziellen Aussehen und seiner Leistungsschau verbirgt sich ein richtig cleveres Auto.
 

Am Steuer eines Focus RS genießt man die saubere Lenkung und den vielleicht besten Sound unter den Kompakt-Sportlern.

Kompaktwagen sollen im Alltagsbetrieb überzeugen. Also ausreichen Platz, einen erweiterbaren Kofferraum sowie ein intuitives und sinniges Cockpit bieten. Diese Ansprüche erfüllt der kompakte Ford. Und weil der Focus ein Bestseller bei Ford ist und auch ein beständiger Kandidat der meistverkauften Autos weltweit, wird er stets nachgewürzt und erscheint auch als auffällige RS-Version. Und hier wird auf den ersten Blick klar, dass das Kürzel "RS" für Rallye Sport und nicht rationale Schlichtheit steht. In Zeiten von automobilem Einheitsbrei und den meistgewählten Karosseriefarben Schwarz und Grau (die strenggenommen keine Farben, sondern unbunte Farbtöne sind) geht der Über-Focus einen anderen Weg und setzt noch zusätzlich gerne auf knalliges Grün. Und weil es schnell peinlich werden kann, wenn man dick aufträgt und dann nicht abliefert, arbeitet unter der Haube des RS ein 305 PS starkes Triebwerk, das mit satten 440 Newtonmetern auf die Vorderräder kracht. Bei seiner Fertigung im Jahr 2009 war der von Grund auf neu entwickelte Focus RS das kraftvollste und schnellste Modell, das bei Ford in Europa vom Band gelaufen ist.

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Optisch und innerlich ein Power-Paket

Mit seinem 2,5 Liter großen Fünfzylinder-Turbo erreicht der ausschließlich als Dreitürer erhältliche RS in nur 5,9 Sekunden Tempo 100. Drückt man weiter beherzt aufs Gas, lässt der Vorwärtsdrang nur unwesentlich nach. Erst bei 263 km/h bremst die Technik ein. Bis dahin haben der diskretere Seat Leon Cupra R (2. Generation, Bauzeitraum 2009-2012, 265 PS, Beschleunigung auf Tempo 100: 6,2 s) sowie der deutlich jüngere Hyundai i30 N (3 Generation, Bauzeitraum 2017-2018, 250 PS, Beschleunigung auf Tempo 100: 6,4 s) schon längst nichts mehr zu lachen.
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Der 2,5-Liter große Fünfzylinder stammt ursprünglich von Volvo und schlummert auch im Focus ST MK2 (225 PS).

Damit der Fahrer des Focus RS aber stets Spaß an seinem potenten Geschoss hat, griff Ford tief in Trickkiste. Denn im Vergleich zu allradangetriebenen Sportlern wie dem Subaru Impreza kommt der Focus RS ausschließlich mit Frontantrieb. Das kennt man – die damit zusammenhängenden Schwächen allerdings auch. Weil Frontantrieb mit leistungsstarken Motoren irgendwann an Grenzen stößt, haben die Ingenieure von Ford das klassische Fahrwerk weiterentwickelt und die aufwendige Vorderachskonstruktion mit dem klangvollen Namen “RevoKnuckle“ konstruiert. Diese entkoppelt weitgehend die Lenkung vom Rest des Achsschenkels und verhindert auf diese Weise ziemlich erfolgreich Antriebseinflüsse in der Lenkung. Das verringert das bei kraftstrotzenden Fronttrieblern sonst unvermeidliche Lenkradzerren deutlich. Und das System funktioniert. Der Focus RS lässt den Endorphinspiegel des Fahrers steigen. Der Wagen klebt förmlich auf der Straße, erlaubt hohe Kurvengeschwindigkeiten, reagiert mit feiner Lenkung und bringt den RS auf Wunsch blitzschnell zum Stehen. Jede Spielerei macht er mit, dabei stets schneller als andere, und gibt dem Fahrer auch dann noch ein sicheres Gefühl, wenn dieser ein wenig übertreibt. Während andere Fahrzeuge im Rückspiegel verschwinden, schnaubt der RS bloß motiviert aus seinem großen Lader. Wirklich beeindruckend, was Ford aus dem in Zusammenarbeit mit Volvo entwickelten Reihenfünfzylinder gemacht hast. Ein besonderes Lob verdient auch der Sound des Kompakt-Sportlers. Bei der Kurvenjagt produziert das provozierende Grummeln Gänsehaut und macht das Radio nahezu unnötig.

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Die Auspuffanlage ist laut und verursacht direkt eine Gänsehaut. In der Kompakt-Klasse ist der Sound kaum zu toppen.

Doch das konsequente Trimmen auf Sportlichkeit bringt auch Nachteile mit sich. Das Fahrwerk ist ultrahart. Die straffe Abstimmung merken nicht nur die Körper aller Insassen, auch die Traktion sowie der Fahrkomfort leiden darunter. Bei Langstrecken auf asphaltiertem Untergrund fällt dies zwar nicht auf, dafür aber die sinkende Nadel der Tankanzeige. 9,4 Liter Super sind dann kein Durchschnitts-, sondern maximal ein Wunschwert. Wen das nicht abschreckt: Beim Gebrauchtwagenkauf lohnt ein Blick auf die Abgasanlage. Löchrige Exemplare fallen den TÜV-Prüfern hier häufiger auf. Und auch die Achsaufhängung ist zu inspizieren. Deren Gelenke sind dem sportlichen Fahrwerk nicht gewachsen. Dann gibt es noch ein Problem mit dem Ford Focus RS, das eigentlich für das Fahrzeug spricht: Es ist begehrt. Bei der Suche in Internetbörsen sollte man den Radius ordentlich erweitern und auch schnell sein, denn ein RS wartet nicht lange auf einen neuen Besitzer. Ein Budget von mindestens 20.000 Euro sollte man einkalkulieren.

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