Gebrauchtwagen-Test: VW T4 Multivan
Gebrauchter VW T4 Multivan – ein bezahlbarer Traum
VW T4 Multivan im Test
Obwohl ihn bereits drei Nachfolgegenerationen beerbt haben, bleibt der VW T4 Multivan gefragt. Wir erklären die Stärken und Schwächen des Youngtimer-Bullis im Detail.
Bild: Christoph Boerries
Besonders als Multivan hat sich der T4 vom günstigen Familien-Van zum begehrten Klassiker entwickelt. Gute Exemplare sind rar geworden und werden inzwischen zu Preisen angeboten, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wären.
Das kostet ein VW T4 Multivan heute:
- Stark gebrauchte Fahrzeuge mit sehr hohem Kilometerstand (teils deutlich über 300.000 km) und schlechtem Pflegezustand werden zu Preisen zwischen 2500 und 10.000 Euro angeboten. Das droht in dieser Preisregion: Wartungsstau am Motor, Rost am Frontscheibenrahmen, der Schiebetür, Heckklappe, hinter Kunststoffverkleidungen, an Wagenheberaufnahmen, Schwellern, Kotflügeln, Radläufen, den hinteren Seitenteilen und am Fahrwerk. Im Innenraum fallen häufig durchgesessene Sitze, verbogene Klapptische und ausgeblichene Farben auf. Ausnahmen kommen vor. Ist der Zustand deutlich besser, vor allem beim Thema Rost, könnte es sich um ein seltenes Schnäppchen handeln.
- Solide Alltagsfahrzeuge kosten zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Das bekommt man dafür: Hier sind die Kilometerstände nach wie vor meist sehr hoch, häufig tauchen die beliebten 2.5er TDI mit 102 (MKB ACV) oder auch 150 PS (MKB AXG) auf. Der Pflegezustand sollte deutlich besser sein, zudem ist der Rost meist weniger fortgeschritten als bei den günstigeren Angeboten. Doch Vorsicht, hier lauern fatale Blender, Fehlkäufe, die richtig teuer werden können. Der höhere Preis sichert keinesfalls einen besseren Zustand. Daher gilt hier: Der Kauf ohne Hebebühnen-Check durch einen T4-Kenner kann schnell mehrere Tausend Euro Zusatzkosten nach sich ziehen. Vereinzelt tauchen frühe Modelle auf, die bereits eine H-Zulassung besitzen.
- Wirklich gepflegte Multivan bewegen sich preislich zwischen 20.000 und 25.000 Euro. Das bekommt man dafür: Die Auswahl wird deutlich kleiner, dafür finden sich hier echte Liebhaberstücke, die lückenlos gewartet wurden, unter Dach überwintert haben und meist nur mit Saisonkennzeichen unterwegs waren. So einen T4 wünscht man sich, der Preis tut aber schon richtig weh. Die gute Nachricht: Die Preise haben sich in den letzten Jahren auf hohem Niveau stabilisiert. Selbst mit vielen weiteren Liebhaber-Kilometern dürfte man diesen Kauf auch 2030 kaum bereuen.
- Seltene Sondermodelle, Generation oder 151-PS-TDI in Topzustand und Laufleistungen unter 150.000 Kilometern werden teils deutlich über 25.000 Euro angeboten.
Als Multivan ist der VW T4 auf Vielseitigkeit ausgelegt
Das ist er: Der T4 ist ein traditionsreiches Raumwunder. Auf der Grundfläche eines aktuellen Mittelklasse-Kombis ist der nur 4,79 Meter (bis zum Facelift 4,70 Meter) lange T4 so vielseitig und geräumig wie kaum ein anderes Fahrzeug. Die seitliche Schiebetür erleichtert das Einsteigen in den Fondraum und das Beladen enorm. Neben der von uns gefahrenen Multivan-Variante für Freizeit und Familie gibt es zahlreiche weitere T4-Versionen, die jedoch nicht so stark auf Vielseitigkeit ausgelegt sind. Nackte Nutzfahrzeuge mit viel Blech und rudimentärem Komfort sind Kastenwagen, Transporter und Kombi.
Der Caravelle ist als reiner Personentransporter konzipiert, als California ist der T4 ein kompakter Camper. Als enorm praktisches Alltagsauto besonders gesucht sind heute die Facelift-Modelle ab 1996. Sie sind äußerlich leicht an der abgerundeteren Front mit dem sogenannten Happy Face sowie den voluminösen Stoßfängern zu erkennen. Vorsicht: Am Markt befinden sich auch etliche Selbstumbauten und -ausbauten. Nicht jede Multivan- oder Caravelle-Offerte hatte ihr Autoleben lang eine Pkw-Laufbahn.
Bis zu sieben Sitzplätze und eine erstaunlich komfortable Liegefläche
Das hat er: Unzählige Talente hat der T4 zu bieten. Seinen Ruf des automobilen Schweizer Taschenmessers trägt der Multivan zu Recht. Mit serienmäßigen Komfortdetails geizte VW damals jedoch. Sein Innenraum ist höchst funktional, wirkt jedoch meist etwas spröde. Je nach Konfiguration sind ein Tisch und fünf bis sieben vollwertige Sitzplätze an Bord. Zu Übernachtungszwecken lässt sich dank der Klappschlafbank und des Multiboards im Kofferraum mit wenigen Handgriffen eine erstaunlich komfortable Liegelandschaft zaubern.

Streng funktionales Cockpit. Auf 26 Jahre hochgerechnet ist die Laufleistung mit rund 430.000 Kilometern eher normal.
Bild: Christoph Boerries
Wenn Transporttalente gefragt sind, verschwinden im leergeräumten Fond dank maximal 5400 Liter Ladevolumen wahlweise ein Motorrad oder ein kleinerer Hausstand. Beim Thema Komfort kneift es aus heutiger Sicht etwas. Ausstattungsmerkmale wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage, (inzwischen veraltete) Navigationssysteme, Standheizung oder Sitzheizung kosteten einst empfindlich hohe Aufschläge und trieben die ohnehin heftigen Listenpreise in unerwartete Höhen.
Für Freunde gehobener Ausstattungen sind insbesondere die spät gebauten Sondermodelle spannend. Als die Kundschaft anspruchsvoller wurde und der Abverkauf der Teilelager angekurbelt werden durfte, zeigte man sich kreativ. Am Marktverfügbar sind die Editionen Allstar, Atlantis, Classic, Family, Generation, Last Edition, Special, Tim & Tom, Topstar sowie der Luxusliner Highline.
Weit verbreitet ist der fünfzylindrige 2.5 TDI
So fährt er: Der Fahreindruck kommt bis auf die erhöhte Sitzposition den damaligen Pkw-Geschwistern Golf und Passat sehr nahe. Er ist noch immer erstaunlich zeitgemäß und verblüffend handlich: Mit den 1,9-Liter- und 2,4-Liter-Dieselmodellen ist man nach heutigen Maßstäben arg untermotorisiert. Zeitgemäßer fahren die größeren Motoren: Weit verbreitet ist der fünfzylindrige 2.5 TDI ab 102 PS. Er ist enorm langlebig, charismatisch und selbst ungechippt recht kräftig.

Überragendes Raumangebot im Fond. Je nach Bestuhlung gibt es drei bis fünf vollwertige Sitzplätze.
Bild: Christoph Boerries
Nochmals besser geht die 150-PS-Variante mit rotem "I" im TDI-Schriftzug. Klangstark, aber extrem durstig sind die recht seltenen VR6- und V6-Versionen mit 140 oder 204 PS. Mit ihnen sollte man realistisch nicht mit Verbräuchen unter 15 Liter Super kalkulieren. Das Fünfgang-Schaltgetriebe ist deutlich gefragter als die optional angebotene Vierstufenautomatik, die dem T4 spürbar Dynamik raubt und im Alter nicht immer fehlerfrei funktioniert.
Vorsicht: Eine grüne Plakette für Umweltzonen gab es für die Dieselmodelle ab Werk nie, jedoch konnte diese mit einem nachgerüsteten Partikelfilter nachträglich erlangt werden. Für leichtes Gelände und zum Ziehen schwerer Anhänger tauglich sind die allradgetriebenen Syncro-Versionen mit – im Alter leider teils verschlissener – Visco-Kupplung. 1999 machte die Fahrsicherheit durch die Einführung des elektronischen Stabilisierungssystems ESP einen großen Sprung.
Technische Daten
2.5 TDI | 2.5 TDI | 2.8 V6 | |
|---|---|---|---|
Motor | Fünfzylinder/vorn quer | Fünfzylinder/vorn quer | VR6/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2461 cm³ | 2461 cm³ | 2792 cm³ |
Leistung | 75 kW (102 PS) bei 3500/min | 111 kW (150 PS) bei 4000/min | 150 kW (204 PS) bei 6200/min |
Drehmoment | 250 Nm bei 1900/min | 295 Nm bei 1900/min | 245 Nm bei 2500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 157 km/h | 181 km/h | 194 km/h |
0-100 km/h | 18,1 s | 12,5 s | 12,4 s |
Tank/Kraftstoff | 80 l/Diesel | 80 l/Diesel | 80 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Fünfgang manuell/Vorderrad | Fünfgang manuell/Vorderrad | Vierstufenautomatik/Vorderrad |
L/B/H | 4789/1840/1920 mm | 4789/1840/1920 mm | 4789/1840/1900 mm |
Kofferraumvolumen | 720-5400 l | 720-5400 l | 720-5400 l |
Leergewicht/Zuladung | 1971/729 kg | 2001/659 kg | 2132/528 kg |
Umfangreiche Rostschäden können die Sanierungskosten explodieren lassen
Das macht Ärger: Lackgarantie (drei Jahre) und Durchrostungsschutzgarantie (sechs Jahre) sind beim T4 längst abgelaufen. Daher ist bei der Besichtigung ein genauer Blick auf die Karosseriesubstanz das A und O. Umfangreiche Rostschäden im Bereich der Säulen und Schweller sowie an der Bodengruppe unter dem PVC-Unterbodenschutz können die Sanierungskosten beim Karosseriebauer explodieren lassen. Oder andernfalls beim HU-Termin das K.-o.-Kriterium sein.
Gefällt uns
- Sensationelles Raumangebot
- Hohe Variantenvielfalt
- Allroundeigenschaften herausragend
Gefällt uns nicht
- Müde Basismotoren
- Fahrzeugsubstanz stark pflegeabhängig
- Preisniveau hoch und eher steigend
Der Zustand des Innenraums ist extrem abhängig von der individuellen Fahrzeughistorie. Nicht selten tauchen Fahrzeuge mit unplausiblen Tachoständen am Markt auf, daher sollten alte Rechnungen und Serviceunterlagen genau geprüft werden. Häufiger marode sind Stoßdämpfer, Motorlager und -dichtungen, die Gummis der Achsaufhängung und Türkabelbäume. Der Zahnriemen verzeiht keine Überziehung, muss spätestens alle 90.000 Kilometer aufwendig gewechselt werden.
Einzelne Plastikblenden im Innenraum verspröden und brechen. Museal und häufig defekt sind die Navigationssysteme mit optischem Laufwerk. Die Getriebe leiden bei schwerem Anhängerbetrieb, besonders die Automaten sind anfällig. Beim Kraftfahrt-Bundesamt ist für den T4 nur ein Rückruf hinterlegt.
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