Allein über das Design hat sich ein Mercedes in den vergangenen 125 Jahren nie verkauft, die Marke stand immer für technische Innovationen und gestalterische Solidität. Bis zum Juni 2004, als der CLS kam: gestreckt, niedrig, mit traumhaften Rundungen. Als hätten Designer von Jaguar und Maserati den Schwaben gezeigt, welche Blech-Skulpturen sich erschaffen lassen. Unter dem edlen Kleid entspricht der CLS (Baureihe W 219) der 2001 eingeführten E-Klasse (W 211). Vierzylinder waren tabu, los ging es mit dem 350er als V6-Benziner ab rund 55.000 Euro. Eine identisch motorisierte E-Klasse war 8000 Euro günstiger, Schönheit hat eben ihren Preis. Gebraucht ist das viertürige Coupé heute ab 18.000 Euro zu haben, allerdings mit früherem Baujahr und höherer Laufleistung, als unser hier gezeigtes Fotomodell aufweist.Bei Tachoständen von 150.000 bis 200.000 Kilometern ist der besonders gründliche Technik-Check Pflicht, eine Untersuchung bei TÜV oder DEKRA ratsam. Und ein korrektes Scheckheft sollte der Anbieter auch vorweisen können. Weit verbreitet sind auch die 500er mit V8, oft kaum teurer als der 350er. Das obere Ende bilden die AMG-Versionen, mit maximal 514 PS im CLS 63. Wirtschaftlicher sind die Diesel, 320 oder 350 CDI (ab 2009) besitzen den gleichen Dreiliter-V6, auch wenn die Typenbezeichnung anderes suggeriert. Allerdings wurden die oft von Vielfahrern geordert, entsprechend hoch sind nach ein paar Jahren die Tachostände. Schnäppchen lassen sich eher bei den Benzinern finden, wie beispielsweise der CLS 350, auf den wir uns hier bei Kosten und technischen Daten beziehen (siehe Tabellen unten). Und deren geschliffener Motorklang passt ohnehin besser zu einem Gleiter wie dem CLS als der kernige Slang der Diesel. Übrigens, manche Kunden hatten doch etwas zu meckern. Als Ende 2010 die Nachfolge-Generation des Coupés vorgestellt wurde, maulten nicht wenige: Der Alte sah aber besser aus!
Ich gebe es zu: Es war Liebe auf den ersten Blick. Diese Linie, diese Rundungen. Doch im Alltag ist ein CLS wie ein Topmodel, das nicht kochen kann – unvollkommen. Der niedrige Einstieg nervt, die schlechte Übersichtlichkeit auch. Dann doch lieber eine preiswertere E-Klasse.