Geheime Rückruf-Konferenz
Was verschweigen diese Männer?

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Auf einer Tagung über den Umgang mit Rückrufen hat AUTO BILD nur gestört. Hinter verschlossenen Türen wurde über den Umgang mit Rückrufen diskutiert - und das ganz bestimmt nicht immer zugunsten der Kunden.
Salon Goethe wird streng bewacht. Kein Unbefugter darf in den Sitzungssaal im Nordflügel von Schloss Bensberg bei Köln. Schilder weisen den rund 40 Teilnehmern den Weg zu der 4. Konferenz über "Rückrufaktionen in der Automobil-Industrie". Interessantes Thema. AUTO BILD wurde eher versehentlich eingeladen, meldete sich an – und erhielt eine Absage. Begründung: Bei dieser Tagung seien "generell keinerlei Medienvertreter zugelassen (...), um den Teilnehmern eine möglichst offene Diskussion zu ermöglichen." Das macht neugierig, also kommt AUTO BILD trotzdem. Denn worum geht es, wenn Vertreter von Autoherstellern (unter anderem VW), Zulieferern und Verbänden mit Juristen und Krisenmanagern zwei Tage hinter verschlossenen Türen über den Umgang mit Rückrufen sprechen?
Kulanz ja, aber bloß nicht zu viel

Bild: Jürgen Christ
Welcher Hersteller dabei wie oft betroffen war, darf das KBA auf Anordnung der Autobauer nicht aufschlüsseln. Der von AUTO BILD seit Jahren geforderten Transparenz bei Nachbesserung und Kundenservice setzt die Konferenz zugezogene Vorhänge und zugeknöpfte Teilnehmer entgegen. Die Leitung hat Jurist Michael Molitoris, der im Ruf steht, "bester Anwalt für die Abwehr von Produkthaftungsansprüchen in Deutschland" zu sein. Molitoris dozierte schon 2006 (Tagungsunterlagen liegen AUTO BILD vor) darüber, dass ein Rückruf "nicht automatisch/notwendig das Angebot des Herstellers zur kostenfreien Reparatur/Austausch des defekten Produktes" einschließt. Was bedeutet das konkret? Der Fachmann für Produkthaftungsfälle in der Autoindustrie sagt: "Ich tu mich schwer, dazu was zu sagen."
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