General Motors: Europa-Chef im Interview
"Cadillac bietet Luxus ohne Kompromisse"

Bild: Cadillac
Nach über sechs Jahren wagt sich General Motors zurück nach Europa und macht mit dem Cadillac Lyriq den ersten großen Aufschlag. AUTO BILD sprach mit Pere Brugal, President and Managing Director at GM Europe, über die Pläne des Herstellers.
Interview mit Pere Brugal zum Europa-Start von Cadillac
AUTO BILD: Herr Brugal, Sie sind gerade seit einigen Wochen in der Position des President and Managing Director at GM Europe angekommen – herzlichen Glückwunsch. Was sehen Sie als die größten Herausforderungen, die nun auf Sie zukommen?
Pere Brugal: Ich sehe mehr Chancen als Herausforderungen. Immerhin bringen wir mit Cadillac eine legendäre Marke, mit 120 Jahren Geschichte nach Europa. Cadillac ist so einzigartig und besonders – jeder hat schon mal davon gehört; es wird ständig in Songtexten oder Filmen hervorgebracht. Und nun bringen wir Cadillac zu potenziellen Kunden nach Europa. Ich freue mich darauf, dass nun alle den Lyriq oder künftig auch den Optiq selbst erleben können.
Mit Cadillac bedienen Sie dann das Luxussegment.
Genau. Da wollen wir hin. Cadillac ist ein Luxusprodukt. Und zwar ohne Kompromisse. Wir haben mit den neuen Modellen ein Paket geschnürt, das ganz neu auf dem Markt ist: tolles Design, moderne EV-Technologie gepaart mit allen Features und Assistenzsystemen, die man im Luxussegment erwartet. Und natürlich auch mit komfortablem Interieur. Das ist ein Kundenerlebnis, wie nur Cadillac es bieten kann.

Lena Trautermann (l.) traf Pere Brugal im Cadillac City Store Hamburg zum Interview.
Bild: Cadillac
Wir treffen uns heute bei der Eröffnung Ihres neuen Cadillac City Stores in der Hamburger Innenstadt. Erzählen Sie mir etwas zu Ihrer Vertriebsstrategie.
Genau, das ist ein wichtiger Teil unserer Strategie, die Autos und die Marke direkt zu den Leuten zu bringen. Sie können hier die Marke entdecken, das Auto erleben, Probefahrten machen. In Deutschland gibt es diese Stores aktuell in Frankfurt und Hamburg. Und das gleiche Konzept finden Sie woanders in Europa – Zürich, Paris – überall haben sie das gleiche Erlebnis.
Doch wir gehen bei der Einführung nicht alleine vor. Wir haben uns Partner an die Seite geholt, die Kunden z. B. auch in Sachen Finanzierung und Versicherung unterstützen. Dazu haben wir ein großes Aftersales-Netzwerk gebildet, sodass Kunden – ganz gleich wo sie sich auch gerade aufhalten – immer eine Anlaufstelle in Sachen Service haben. In Kombination mit unserem Partner-Programm im B2B-Bereich decken wir den Markt optimal ab und machen die Marke erlebbar.
Sie haben es gerade schon kurz angesprochen: Ihr erster großer Schritt auf den europäischen Markt ist die Einführung des Cadillac Lyriq. Was sind Ihre Erwartungen?
Wir sind natürlich sehr gespannt darauf, was der Lyriq bringen wird. Wir sehen ihn als eine ganz neue, frische Option, die nun auf den Markt kommt. Denn wenn man über das Luxussegment, aber auch die Elektromobilität nachdenkt, erfüllt der Lyriq einfach alle Bedürfnisse. Er ist der Ausdruck unserer Marken-DNA. Und dazu sticht er mit seinem Design absolut aus der Masse heraus: Er hat das einzigartige, dynamische Design, das typisch ist für Cadillac. Darauf sind wir sehr stolz. In Kombination mit der modernen Technologie, dem Komfort und dem Luxus-Aspekt sind das beste Voraussetzungen, um beim Kunden gut anzukommen.
Verraten Sie mir ihre drei persönlichen Highlights am Lyriq?
Eines meiner persönlichen Highlights ist definitiv das Heck-Design mit der vertikalen Lichtsignatur – das ist sehr stylisch. Dazu hat der Lyriq einen wirklich großen Kofferraum: 588 Liter, 1700 Liter bei umgeklappter Rückbank. Das erwartet man von so einem stylischen SUV gar nicht. Nummer zwei ist die nahezu künstlerische Integration des 33-Zoll-Displays ins Cockpit, ohne dabei auf die notwendigen Knöpfe zu verzichten. Denn für uns bedeutet Luxus eben auch den Kunden selbst die Wahl zu lassen, wie sie Einstellungen vornehmen möchten: Touchscreen, Joystick, Lenkrad oder die Sprachsteuerung. Ein weiteres Highlight: die Soundanlage. Ich liebe Musik und im Lyriq kann man sie so richtig genießen. Insgesamt sind 19 Lautsprecher verbaut, gleichzeitig gibt es ein Noise-Cancelling-System, wie Sie es vielleicht von Ihren Kopfhörern kennen. Musikhören wird da zum echten Erlebnis. Wussten Sie, dass sich viele Künstler, wenn Sie ein neues Album herausbringen, in einen Cadillac setzen, um zu hören, wie es klingt? Schließlich wissen Sie, dass auch viele ihrer Hörer die Musik im Cadillac hören.

Der Cadillac Lyriq wird das erste Auto von GM in Europa seit vielen Jahren.
Bild: Cadillac
Ich würde gerne noch einmal einen Blick auf die Marktlage werfen: Nun könnte man sagen, ist der Zeitpunkt für einen Marktstart nicht unbedingt günstig. Manche Hersteller stecken in einer Krise, insgesamt entwickelt sich der Neuwagen-Markt – insbesondere für Elektroautos – eher rückläufig. Wie gehen Sie diese Herausforderungen an?
Wir denken langfristig. Und wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft elektrisch und emissionsfrei ist. Wenn es um die Adaption neuer Technologien geht, verläuft die Kurve niemals linear – im Gegenteil: Es gibt immer ein auf und ab. Doch insgesamt geht der Trend nur in eine Richtung. Betrachten wir im speziellen den deutschen Markt in den vergangenen Monaten, sind die Zahlen rückläufig. Doch in der gleichen Zeit ist der Gesamtmarkt gewachsen, sodass wir hier nicht nachlassen dürfen.
Was denken Sie, ist nötig, um Elektroautos für die Kunden attraktiver zu machen?
Bei Elektromobilität geht es auch darum, Gewohnheiten zu ändern. Und oft ist es weniger das Verhalten als die Denkweise, die wir ändern müssen. Insbesondere wenn es um neue Technologien geht. Diese Denk-Blockaden müssen wir aufbrechen, indem wir den Zugang zur neuen Technologie ermöglichen. Dazu gehört es gleichzeitig andere Hürden abzubauen, wie zum Beispiel die Ladeinfrastruktur zu verbessern. Natürlich ist es auch eine Frage der politischen Regulation, ob und wie schnell so eine Technologie den Markt erobern kann.
Ich würde mit Ihnen gerne auch über die anderen Marken von General Motor sprechen: Gibt es da schon Pläne für Europa?
Wir haben ein fantastisches Markenportfolio, aber fürs erste konzentrieren wir uns in Europa auf Cadillac. Und was danach kommt? Mal sehen, dazu sprechen wir in der Zukunft (schmunzelt).
Also auch keine konkreten Pläne, um Autos in günstigeren Preisklassen anzubieten? Zum Beispiel von Chevrolet?
Mit dem Cadillac Lyriq und dem Optiq zeigen wir ja schon jetzt, dass wir auf den europäischen Markt setzen. Und was ich zumindest schon verraten kann, ist, dass es damit nicht endet. Es wird viele weitere spannende Produkte geben.
Ein kleiner Blick in die Glaskugel: Wo steht General Motors in Europa in fünf Jahren?
Wir haben dann hoffentlich die Herzen der europäischen Kundschaft erobert. Denn wir sind uns der Marke und der Produkte sehr sicher. Das ist ein spannendes Angebot für die Kunden. Aber wir selbst haben uns auch hohe Ziele gesteckt in Sachen Wachstum. Doch all das funktioniert eben nur mit dem Zuspruch der Kunden. Daher liegt hier für uns der Fokus, der Kunde steht für uns an erster Stelle.
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