Genfer Salon 2009, Teil 6
PS-Wahn und Schickeria

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Das raue Wirtschaftsklima lässt alle etwas näher zusammenrücken. Positiver Nebeneffekt: Es entstehen Freiräume für jene, die nur zu gerne zeigen, wie man mit dem Thema Auto umgeht, wenn Geld so gar keine Rolle spielt.
Kostengünstige Raumkonzepte, schadschoffarme Antriebe – insgesamt deutlich effizientere Fahrzeuge mit hohem Alltagsnutzen. Alles toll, alles absolut nachvollziehbar – und wichtig für die Lebensqualität kommender Generationen. In Genf 2009 zeigen viele Hersteller, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben – oder zumindest dabei sind. Aber darf das Auto denn wirklich keinen Spaß mehr machen? Ein nicht verifizierbares Zitat bringt es auf den Punkt: "Das Auto zählt zu den Freunden des kleinen Mannes. Gilt als Symbol für Freiheit ". Leisten kann man sich freilich nicht alles. Aber gucken und träumen ist immer erlaubt. Auch wenn der Hubraum locker im zweistelligen Literbereich liegt. Und der realistische Verbrauch bei über 25 Liter auf 100 Kilometer. Die meisten der Über-Boliden fristen eh ein Dasein in klimatisierten Sammlergaragen. Für die Umwelt eine überschaubare Gefahr. Und außerdem beginnt auch bei den kleinen Manufakturen langsam ein Umdenken. So baut Porsche-Urgestein Ruf den Elektro-911er Greenster in Kleinserie. Nicht zu vergessen der für 2010 angekündigte Hybrid-Sportler Karma von Fisker. Im weitesten Sinne sind beides Sprösslinge der Tuning-Ecke.
Auf einen Blick: Die Stars des Genfer Autosalon 2010

Mansory knockt Brabus aus

510 PS im Abt S5-R
Ob Techart, Sportec, Carlsson oder Lumma: In Genf pfeifen sie auf die Wirtschaftslage. Krisenstimmung? Ohne uns. So verhilft Abt dem Audi S5 zu neuer Energie. Ein Kompressor fördert satte 510 PS zu Tage. Die Blechhülle wird aggressiv angepinselt und ein "R" ans Typenschild geklebt. So aufgepimpt darf Papa am Wochenende zum Bäcker jubeln. Bei gerade einmal 4,5 Sekunden auf 100 bleibt im Ergebnis mehr Zeit für die Familie. Politisch nicht korrekt, keine Frage. Aber cool. Tuner Sportec widmet sich dem noch jungen VW Scirocco: 350 PS und mehr Grip versprechen die Schweizer auf Nachfrage am Stand. Wem dass zu sehr nach Mainstream riecht, dürfte sich am Stand von Parotech gut aufgehoben fühlen. Ein Silber-Matt lackierter Mercedes ML 500 mit knapp 400 PS und High-End-Entertainment-System lockt für 188.000 Euro. Okay, kein Taschengeld – aber Exklusivität hat eben ihren Preis.
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