Golf R 400hp, A 45 AMG, ACS2: Tuning-Vergleich
Drei schräge Kompakte

Oettinger, AC Schnitzer und GAD haben sich Golf R, M235i und A 45 AMG vorgeknöpft – wir haben die drei schrägen Typen auf dem Sachsenring getestet.
- Manuel Iglisch
Nehmen wir doch einmal an, Sie wären routinierter Sportfahrer, hätten Hunderte Nordschleifenrunden auf der Sohle, einen 911 GT3 der ersten Serie zu Hause und würden Ihr neuestes Fahrwerks-Set-up gerade beim freien Fahren in Hockenheim auf Scherz und Gieren prüfen. Die Bremspunkte sitzen, die Linie passt, zum Scheitel powern Sie immer entschlossener heraus, als sich im Rückspiegel plötzlich ein "Kollege" heranarbeitet. Kein Porsche-Kumpel, der auf neuerem Material unterwegs ist; kein Ferrari Schnösel, der mit Boxen-Crew und Co seine Bestzeiten setzt; und auch keine dieser Über-Vetten, die ohnehin alles plätten, was nicht gerade KTM X-Bow R heißt. Nein, es ist ein schnöder Golf, der seinen Grinse-Grill immer tiefer unter Ihren Heckspoiler schiebt. Der auf der Geraden in Ihren Windschatten schlüpft und Sie ausgerechnet auf der Bremse, der Paradedisziplin eines jeden Porsche, dann tatsächlich knackt, ehe er Ihnen im Anschluss rotzfrech davontrötet.
So kompakt die Hülle, so hoch das Potenzial
Reine Phantasie? Liebe GT3ler: Leider nein! Denn Kompakte wie Golf R, BMW M235i und Mercedes A 45 AMG bieten nicht nur hohen Unterhaltungswert im Serientrimm, sondern vor allem mehr Tuning-Potenzial als jede andere Fahrzeugklasse. Bis zu vier Rundstrecken-Sekunden lassen sich an ihnen herausschrauben – das behaupten zumindest AC Schnitzer, GAD Motors und Oettinger Sportsystems. Also Vorhang auf für einen Vergleich der ganz schnellen Krümel!

Auf der gezeiteten Runde vertrauen Oettinger und Schnitzer dem extrem griffigen Dunlop Direzza 03G.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD

Schicke 19-Zöller und Motorhauben-Abdeckung fürs Foto, 18-zöllige Direzzas und 380 PS fürs Zeiten.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD

Als Einziger im Vergleich tunt GAD direkt im Motorsteuergerät.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD
Fazit
Gemessen an der jeweiligen Basis hatte Oettinger den weitesten, Schnitzer den anspruchsvollsten und GAD schlicht den schwersten Weg. Der A 45 AMG bleibt ein zwiespältiger Tuning-Patient, aus dem GAD mit gezielten Maßnahmen zwar das Möglichste herausholt, aber ohne am Ende so ganz die Performance der beiden anderen zu erreichen. Gerade der Oettinger-Golf erstaunt einmal mehr. Nicht nur, weil er fast fünf Sekunden schneller ist als die Serie, sondern weil er dabei fast so fahrbar bleibt wie selbige. Am Ende führt dennoch kein Weg am ACS2 Sport von Schnitzer vorbei, der mit seinem herausragenden Handling nicht nur die Vergleichs-Gegner und alle bislang getunten M235i, sondern auch den serienmäßigen BMW M4 plättet – schräger geht‘s kaum!
Service-Links