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GMA T.50, so heißt der inoffizielle Nachfolger des legendären McLaren F1. Gebaut von Gordon Murray Automotive könnte er als letzter analoger Hypersportwagen in die Geschichtsbücher eingehen. Die Kernzutaten: hochdrehender V12-Saugmotor, klassische Handschaltung, die charakteristische mittige Sitzposition und ein Preis von über drei Millionen Euro. Als der T.50 im August 2020 präsentiert wurde, sorgte er für viel Aufsehen. Ein halbes Jahr später legt Gordon Murray Automotive mit dem T.50s Niki Lauda nach!

Deshalb trägt der T.50s den Zusatz "Niki Lauda"

Schon damals wurde neben der 100 Exemplare umfassenden Straßenversion ein T.50 für die Rennstrecke angekündigt. Am 22. Februar 2021 wurde das sündhaft teure Tracktool namens T.50s Niki Lauda präsentiert. Das Datum ist kein Zufall, denn es ist der Geburtstag von Rennfahrer-Legende Niki Lauda († 2019), nach dem der T.50s benannt wurde. Dazu muss erwähnt werden, dass Murray und Lauda eine enge Freundschaft verband. Ende der 1970er-Jahre war Gordon Murray Konstrukteur beim Formel-1-Team Brabham. Als Lauda 1978 von Ferrari zu Brabham wechselte, konnte der Österreicher gleich in seiner ersten Saison den Sieg im schwedischen Anderstorp einfahren – auf dem von Murray konzipierten Brabham BT46B "Staubsauger", der mittels einer Turbine einen Unterdruck unter dem Auto erzeugen konnte (Groundeffect), der den Rennwagen an die Straße saugte. Eine Technik, die Murray über 40 Jahre später auch beim T.50 und T.50s einsetzt. Um den dreifachen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda zu ehren, entschied sich Murray nach Rücksprache mit Laudas Familie, den T.50s offiziell nach seinem langjährigen Freund zu benennen.
Gordon Murray T.50 S
Nach Rücksprache mit Laudas Familie entschied sich Murray dazu, den T.50s nach seinem Freund Niki zu benennen.
Ganz wichtig ist Murray, dass der T.50s nicht lediglich als leichtere und stärkere Version des T.50 gesehen wird. Anders als bei seinem Geniestreich McLaren F1, bei dem die Rennversion GTR auf der Straßenversion aufbaut, wurde der T.50 von Beginn an parallel in zwei Richtungen geplant: der vergleichsweise schnörkellose T.50 und die radikale Rennversion T.50s Niki Lauda ohne Straßenzulassung. So ist es auch kein Wunder, dass der auf 25 Exemplare limitierte T.50s ein anderes Monocoque, einen stark modifizierten Motor und ein neues sequenzielles Getriebe besitzt.

Großer Heckflügel für den T.50s

Abgesehen davon sind auch die Design-Unterschiede signifikant. Beim T.50 hat Murray bewusst auf ausladende Flügel und überdimensionierte Splitter verzichtet. Ganz anders die Rennversion: Auf dem Heck des T.50s thront ein riesiger Heckflügel, er hat eine Finne mit Niki Lauda-Schriftzug, einen deutlich größeren Diffusor und einen XXL-Frontsplitter. Natürlich darf auch das Kernfeature, das 400 Millimeter große Gebläse, beim T.50s nicht fehlen. In Summe soll der Rennwagen so bis zu 1500 Kilo Anpressdruck generieren.
Gordon Murray T.50 S
Das Heck ist spektakulär: Der Schriftzug "Fancar" bezieht sich auf die 400 Millimeter große Turbine.

V12-Saugmotor von Cosworth mit 711 PS

Anders als bei den meisten aktuellen Super- und Hypersportwagen geht es bei T.50 und T.50s allerdings nicht um reine Zahlen und den andauernden Wettbewerb um immer höhere Topspeed-Werte. Mit einer Höchstgeschwindigkeit zwischen 321 und 338 km/h ist der T.50s zwar alles andere als langsam, aber laut Murray soll die Rennversion dem Fahrer das bestmögliche Fahrgefühl bei ungefiltertem Sound bieten. Herzstück ist der von Cosworth konstruierte 3,9-Liter-V12-Saugmotor, der im T.50s 711 PS und 485 Nm bei 11.500 U/min leistet (T.50: 663 PS und 467 Nm). Die Maximaldrehzahl des V12 liegt bei unglaublichen 12.100 U/min. Im direkten Vergleich zur Straßenversion konnten die Ingenieure beim Motor rund 16 Kilo und beim Getriebe etwa fünf Kilo einsparen.
Gordon Murray T.50 S
Mittige Sitzposition wie beim McLaren F1: Der Beifahrersitz auf der linken Seite ist optional, kann auch abgewählt werden.

Noch mal teurer als der T.50

Mit einem Leergewicht von nur 852 Kilogramm ist der T.50s nicht nur 134 Kilo leichter als der mit Klimaanlage und Soundsystem ausgestattete T.50. Er hat auch die von Murray zu Beginn des Projekts genannte Zielsetzung von 890 Kilo deutlich unterboten: Der Stückpreis liegt bei umgerechnet 3,6 Millionen Euro (3,1 Millionen Pfund) ohne Steuern (4,3 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer). Damit ist der T.50s noch mal eine ganze Ecke teurer als der T.50, dessen Produktion noch Ende 2021 starten soll. Für alle Kurzentschlossenen: Noch sind wenige Exemplare des T.50s zu haben, und Murray hat sich für die Rennversion etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Jedes der 25 Exemplare wird nach einem Formel-1-Sieg mit einem von ihm konzipierten Auto benannt. So trägt die Chassisnummer 1 den Zusatz "Kyalami 1974" und wird mit einem entsprechenden Buch und der dazugehörigen Geschichte an seinen glücklichen Kunden ausgeliefert.