Großer Gebrauchtwagen-Test
Die besten Gebrauchten aller Klassen

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Gebrauchtwagenkäufer haben meist einen engen finanziellen Spielraum. Und schränken sich deshalb oftmals unnötig ein. Dabei gibt es viele interessante Alternativen. AUTO BILD zeigt seine ganz persönlichen Favoriten.
Einstiegs- und Kleinstwagen
Der Beste für Einsteiger: VW Golf II (1983–1992)
Er läuft, und läuft, und läuft. 15 Jahre nach Einstellung der Baureihe gehört der Golf II noch immer zum gewohnten Straßenbild. Der Wolfsburger Kompaktwagen ist tatsächlich ein echtes Langzeitauto, ein Gebrauchtwagen mit Klasse. Weil VW von Beginn an einseitig verzinkte Bleche in den rostgefährdeten Bereichen einsetzte und ab Modelljahr 1986 sämtliche Hohlräume mit Heißwachs flutete. Mechanisch hat der Golf ebenfalls gute Anlagen für ein langes Leben, denn Motorblock und Lager sind großzügig dimensioniert. Bei regelmäßiger Pflege und Wartung (insbesondere Zahnriemen und Wasserpumpe) sind Laufleistungen von etwa 400.000 Kilometern möglich. Vor allem mit dem harmonischen 1,8-Liter-Motor mit 90 PS und G-Kat, der durch Nachrüstung sogar die Schadstoffklasse D3 erreicht (www.twintec.de). Top für Einsteiger ist auch die Ersatzteilversorgung: Fast alles gibt es beim Verwerter. Schwachstellen: Der Golf II hat zwar beste Anlagen für ein langes Leben, aber ohne Pflege und Wartung geht es nicht. Daran hapert es jedoch oft. Dann sind Rost, reißende Zahnriemen, leckende Wasserpumpen, ausgeleierte Stoßdämpfer oder auch undichte Radbremszylinder an den Trommelbremsen nicht ungewöhnlich. Genausowenig wie poröse Bremsschläuche und Ölverlust am Antrieb, was ebenfalls häufig beim TÜV-Besuch moniert wird. Preis: ab 700 Euro (bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer) Technische Daten: Hubraum: 1781 cm³, Leistung: 90 PS, Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h AUTO BILD-Urteil: *** (max. fünf Sterne)
Der beste Einkaufswagen: Daihatsu Cuore 1.0 (1999–2003)

Kompaktklasse und Vans
Der beste Kompakte: Ford Focus 1.6 (1998–2004)
Radikaler hätte Ford den Modellwechsel vom Escort zum Focus kaum gestalten können. Und zwar nicht nur hinsichtlich des damals als sehr futuristisch empfundenen New-Edge-Designs, sondern auch in Sachen Qualität und Zuverlässigkeit. Da trennen den Focus tatsächlich Welten von seinem rostigen und anfälligen Vorgänger. Guter Korrosionsschutz durch eine vollverzinkte Karosserie und die von Beginn an ausgereifte Konstruktion bescheren dem Focus echte Langzeitqualitäten – trotz kleiner Schwächen. Mit dem ausgewogenen Fahrwerk setzte Ford sogar neue Maßstäbe in der Kompaktklasse. Trotz der fahrdynamischen Auslegung mit vorbildlich direkter Lenkung kommen Komfort und Sicherheit nicht zu kurz. Ordentliche Platzverhältnisse, spritzige Benziner – der 1.6 ist zudem recht sparsam – und standfeste Bremsen komplettieren das Bild eines gelungenen Kompaktwagens. Dennoch kommen Schnäppchenjäger auf ihre Kosten, denn der Focus ist als Gebrauchtwagen deutlich günstiger als ein vergleichbarer VW Golf.
Schwachstellen: Der Ford Focus gehört zu den soliden Vertretern in der Kompaktklasse. Wenn es in der Vergangenheit gravierende Schäden gab, betraf es meist die Diesel, die Benziner sind zuverlässiger. Mögliche Schwachstellen des Kompakten: Rost an Türkanten und Auspuff, klappernde Stabilisatoren an der Vorderachse, defekte Radlager, Ölverlust am Antrieb sowie ab und an Störungen an der Elektrik. Preis: ab 5500 Euro (bei einer Laufleistung um 60.000 Euro) Technische Daten: Hubraum:1596 cm³, Leistung: 101 PS, Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)
Der beste Van: Opel Zafira 1.8 (1999–2005)

Mittelklasse und Kombis
Mittelklasse: Peugeot 406 1.8 (2001–04)
Ein Peugeot 406 als beste Mittelklasse-Limousine? Warum eigentlich nicht? Zwar hat der Franzose im direkten Vergleich gegen Passat & Co schon oft den Kürzeren gezogen, als Gebrauchtwagen ist der zeitlos elegante Peugeot 406 jedoch ein ganz heißer Tipp für scharf kalkulierende Rechner. Weil die französische Mittelklasse-Limousine weit unter Wert gehandelt wird. Zum Preis eines gebrauchten Kompaktwagens bietet der 406 Platz, Komfort und Ausstattung der Mittelklasse, ohne bei den Unterhaltskosten aus dem Rahmen zu fallen. Vor allem der seit 2001 angebotene 1,8-Liter-Basis-Benziner mit 116 PS knausert mit dem Sprit (er braucht im Schnitt etwa acht Liter Super), sorgt aber dennoch für ansehnliche Fahrleistungen. ABS, Klimaanlage und vier Airbags sind seit dem 1999er-Facelift grundsätzlich Serie, ebenso die verbesserte Verarbeitungsqualität. Und im Punkt Zuverlässigkeit schneidet ein gepflegter Peugeot 406 oftmals besser ab als der Platzhirsch der Mittelklasse, der VW Passat. Und der kostet als Gebrauchter wesentlich mehr.
Schwachstellen: Mit dem Facelift im Jahr 1999 hat der Peugeot 406 qualitativ deutlich gewonnen. Dennoch gibt es auch hier einige Macken. So spinnt beim Franzosen öfter mal die Elektrik (Motormanagement, Komfort-Extras). Weitere typische Schwachstellen: Ölundichtigkeiten am Antrieb, wellige Bremsscheiben, Rost am Auspuff, defekte Lichtmaschinen und zu schwache Bremswirkung. Preis: ab 6500 Euro (bei Laufleistungen um 50.000 Kilometer) Technische Daten: Hubraum:1749 cm³, Leistung: 116 PS, Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)
Der beste Kombi: Skoda Octavia 1.6 (seit 1998)

Schwachstellen: Wie der Plattform-Spender VW Golf IV leidet auch der Skoda Octavia an defekten Luftmassenmessern, anfälligen Zahnriemen (TDI-Modelle), Ölverlust an Motor und Getriebe sowie diversen Elektronik-Macken (Fensterheber, Außenspiegelverstellung, Generatoren, Scheibenwischer). Der TÜV bemängelt zudem die Funktion des Bremskraftreglers und die Hinterachse. Preis: ab 6500 Euro (bei Fahrleistungen um 50.000 Kilometer) Technische Daten: Hubraum: 1595 cm³, Leistung: 102 PS, Höchstgeschwindigkeit: 187 km/h AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)
Luxusklasse und Sportwagen
Höchster Fahr- und Sitzkomfort sowie eine hervorragende Langzeitqualität sind die herausragenden Merkmale der vorletzten Mercedes S-Klasse des Typs W140. Selbst Laufleistungen im sechsstelligen Bereich können der exzellenten Verarbeitung bis ins Detail kaum etwas anhaben. Ergonomie, Fahrverhalten und die hohe passive Sicherheit dieser S-Klasse sind heute noch auf sehr hohem Niveau. Weshalb ein S 500 auch acht Jahre nach Einstellung dieser Baureihe zu den empfehlenswertesten Luxus-Limousinen gehört. Voraussetzung ist allerdings ein lückenlos geführtes Service-Scheckheft. Weil die als fast unzerstörbar geltenden Benzinmotoren immer wieder unseriöse Verkäufer zu Tachomanipulationen verleiten. Die Kaufempfehlung gebührt dennoch dem souveränen S 500, dessen 320 PS starker V8-Motor einfach am besten zu diesem Dickschiff passt. Leistung im Überfluss besitzen viele Konkurrenten ebenfalls. In Sachen Langzeitqualität ist der W140 jedoch noch immer der Maßstab in der Luxusklasse.

Der beste Sportwagen: Honda S2000 (seit 1999)
Gebrauchtwageninteressenten müssen umdenken, wenn es um den besten Sportwagen im bezahlbaren Bereich geht: Audi TT (zu zahm), BMW Z3 (nachlässige Verarbeitung), Mercedes SLK (zu träge) oder Porsche Boxster (zu teuer) haben im Preisbereich um 15.000 Euro gegen den Honda S2000 keine Chance. Denn der ist trotz des Mäusekino-Cockpits so puristisch, wie es Sportfahrer lieben: keine überflüssigen Pfunde, kein ESP, kein Schnickschnack. Dafür ein Motor, der direkt aus dem Rennsport zu stammen scheint und metallisch brüllend bis über 9000 Touren dreht. Ohne es an Alltagstauglichkeit und Standfestigkeit missen zu lassen. Voraussetzung: behutsames Warmfahren und regelmäßige Pflegedienste. Die verwindungssteife Karosserie und das straffe Fahrwerk erlauben dem Könner – und nur dem! – Fahrspaß pur. Wer’s übertreibt, wird jedoch blitzschnell vom Heck überholt. Was häufig passiert, wie die horrenden Vollkaskoprämien beweisen. Dennoch: der S2000 ist unser Tipp für alle verantwortungsbewussten Sportfahrer.

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