Haibike Adventr 6: E-Bike-Test
Das SUV unter den E-Bikes im Test

Camping, Waldweg, Asphalt: Das Haibike Adventr 6 mit Bosch PX zeigt im Test, was ein SUV-E-Bike leisten kann.
Bild: Sven Krieger
- Daniel Eilers
Technischer Fortschritt am E-Bike und Fahrrad vollzieht sich heute nur noch in feinen Schritten, nicht mehr in disruptiven Sprüngen. Die gute Nachricht dahinter ist: Kontinuierliche Verbesserungen machen das Elektrofahrrad mit jeder Generation sicherer und leistungsfähiger.
Einen maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat der deutsche Technikriese Bosch. Bereits 2010 ebnete das Unternehmen mit seinem ersten Antrieb dem E-Bike in Deutschland und Europa erfolgreich seinen Weg. Heute ist "Bosch eBike System" im Konzern sogar ein eigener Geschäftsbereich.
Mit dem Fahrrad-ABS könnte der Markt nun erneut revolutioniert werden. Gleichzeitig wollen die Stuttgarter ihre Erfolgsgeschichte auch auf Motorebene weiter fortschreiben. Der neue Performance Line PX verspricht eine perfekte Balance aus Effizienz und kraftvollem Antrieb, gepaart mit geringer Geräuschentwicklung und smarten Features wie automatischem Gangwechsel. Er richtet sich in erster Linie an anspruchsvolle Trekkingbike- und Tourenfahrer, während für Sportler und Mountainbiker weiterhin der Performance Line CX die wohl bessere Wahl ist.

Sogenannte SUV-E-Bikes sind eine Mischung aus Mountainbike und Trekkingrad. Wesentliches Merkmal sind breite Reifen mit Profil, Vollausstattung, Feder- und Dämpfungselemente.
Bild: Sven Krieger
Um diesem Versprechen auf den Grund zu gehen, haben wir das abgebildete Haibike mit Performance Line PX getestet. Das Fahrrad gehört zur Klasse der SUV und eignet sich dank breiter Reifen und Vollfederung gleichermaßen gut für den Einsatz auf der asphaltierten Straße oder Schotterwegen – und ist damit der perfekte Begleiter, wenn es in den Campingurlaub geht. Doch schnell stellten wir fest: Dieses E-Bike steckt voller technischer Raffinessen, die eindrucksvoll unterstreichen, dass man in Summe mit vielen kleinen technischen Innovationsschritten auch Sprünge machen kann.
Automatikschaltung: Komfort auf Knopfdruck
Beispiel gefällig? Die Kettenschaltung von Shimano löst Gangwechsel nicht nur mehr elektronisch auf Knopfdruck aus – sondern auch vollautomatisch. Klingt simpel, ist aber technisch eine Herausforderung. Denn wann soll das System den richtigen Zeitpunkt zum Gangwechsel erkennen? Hier kommt der PX-Antrieb von Bosch ins Spiel, der die Pedalumdrehungen pro Minute, Geschwindigkeit und das Drehmoment überwacht und den besten Zeitpunkt zum Schaltimpuls errechnet, woraufhin Shimanos Kettenschaltung dann entweder in einen höheren oder niedrigeren Gang wechselt. Die Trittfrequenzschwelle können Sie dabei selbst festlegen.
Durchs maschinelle Schalten soll der Materialverschleiß reduziert werden – und entspannter ist es obendrein. Zwar braucht es etwas Zeit, bis man sich an die Automatik gewöhnt hat. Doch wer einmal damit gefahren ist, möchte nicht mehr zurück. Muss man auch nicht, das letzte Wort behalten stets Sie: Per Knopfdruck kann jederzeit die Automatik überstimmt werden.

Das E-Bike von Haibike rollt wie von selbst. Angetrieben wird es von Boschs neuestem Antrieb Performance Line PX.
Bild: Sven Krieger
Ein weiteres Technik-Highlight ist das verbaute ABS von Bosch, das das Blockieren des Vorderrads verhindert. Das funktioniert so beeindruckend gut, dass man sich fragt, warum sich das System bei E-Bikes noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit 35 km/h einen abschüssigen Schotterweg hinunter, ziehen mit aller Kraft die Vorderradbremse – ohne wegzurutschen. Wie gesagt: beeindruckend!
Warum ist ABS noch nicht Standard?
Vermutlich liegt die Zurückhaltung auch am Aufpreis, der je nach Hersteller zwischen 300 und 500 Euro liegt. Exakt beziffern lässt sich das nicht, da Einkaufskonditionen und Preiskalkulationen je nach Marke variieren. Doch gerade bei schweren E-Bikes, die sich sowieso nicht so leicht beherrschen lassen, ist ein ABS ein tolles Sicherheitsplus. Übrigens: Im Display wird angezeigt, wie oft das ABS aktiv eingreift.
Dass man mit dem Haibike Adventr 6 so viel Spaß auf Asphalt, Schotter und Waldwegen hat, liegt nicht nur an der Geometrie und der Vollfederung – sondern auch am neuen Performance-Line-PX-Motor von Bosch. Ab Werk liefert der Antrieb bis zu 85 Newtonmeter Drehmoment, womit Sie selbst steile Anstiege spielend meistern. Wer möchte, kann über die Bosch-App eBike Flow fünf zusätzliche Newtonmeter freischalten. In Kombination mit dem ausdauernden 800-Wattstunden-Akku sind selbst im Turbo-Modus mindestens 80 Kilometer Reichweite drin – ideal für längere Touren, die am Campingplatz starten und in ausgedehnten Erkundungen enden. Einen spürbaren Fortschritt hat der PX auch bei der Geräuschentwicklung gemacht: Der Motor hält sich angenehm im Hintergrund und meldet sich akustisch nur, wenn er wirklich gefordert ist.

Dieses vollgefederte E-Bike von Haibike kennt kaum Grenzen. Dadurch wird es zum idealen Begleiter auf Urlaubsreisen in unbekannte Gefilde.
Bild: Sven Krieger
Sie sehen exemplarisch bei Bosch, dass rund um den Antrieb ein Ökosystem aus Schaltung, Bremsen und weiteren (kostenpflichtigen) Funktionen wie GPS-Tracking, Diebstahlschutz und mehr entstanden ist. Was Sie davon zum Radfahren brauchen, ist Ihre Entscheidung. Aus Testersicht gilt: ABS und Automatikschaltung sind ihr Geld wert.
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