Der Chef sagt immer: "Es gibt so viele Leute da draußen, die noch gar nicht wissen, dass sie in Wirklichkeit auch Reisemobilisten sind." Ob's stimmt? Fakt ist jedenfalls, dass es für genau diese Menschen in den letzten Jahren einen richtigen Boom an neuen Vermietportalen für Reisemobile gegeben hat.
Einige davon richten sich an Privatleute, die den (teuren) Kauf ihres Fahrzeugs refinanzieren wollen. Andere wurden von etablierten Herstellern gegründet, um gleich mit der ersten positiven Reisemobilerfahrung eine Kundenbindung zu erzielen. Oft folgt auf das Mieten nämlich das Kaufen. Und wieder andere starten mit bestehenden Marken ins Vermietgeschäft – und haben dann Kunden vor sich, die ihr Mietmobil am liebsten gleich behalten wollen.
Helle Oberflächen lassen den Innenraum größer wirken.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

So war es bei Hannes Camper. Die erst fünf Jahre junge Vermietung wird an mittlerweile 13 Standorten mit 200 Mobilen in Deutschland und Österreich betrieben, und seit diesem Jahr entstehen eigene Kastenwagen in Zusammenarbeit mit Robeta aus Slowenien. In deren Konstruktion fließen Erfahrungen von Tausenden Mietkilometern ein, Rückmeldungen und Wünsche der Kundschaft sowie natürlich eigene Ideen der Vermieter.
Dazu gehört eine serienmäßige All-inclusive-Ausstattung mit enormem Sparpotenzial: "Dank der Standardisierung können wir eine kurze Lieferzeit einhalten und zudem noch einen Preisvorteil von über 15.000 Euro gegenüber vergleichbaren Anbietern ermöglichen", sagt Tim Aster, einer der Firmengründer. Schauen wir doch mal, was dran ist.

Das ist der Hannes Camper

Wir testen das kleinere von zwei verfügbaren Modellen. Es heißt Hannes Camper (in der Vermietung Premium Hannes), das größere heißt Großer Hannes Camper (6,40 Meter lang, Längsbett im Heck).
So viel Arbeitsfläche, dank der über dem Kühlschrank ausziehbaren Verlängerung.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Sein Grundriss ist ganz klassisch: Ganz vorn bilden die drehbaren Pilotensitze zusammen mit der Bank eine gemütliche Sitzgruppe. Die Polster sind straff, die Stoffe kuschelig. Eine ausdrehbare Platte vergrößert den Tisch. Über der Bank kann ein Fernseher seinen Platz finden (2.900 Euro inklusive Sat-Anlage). Gegenüber ragt der Küchenblock bis in den Einstieg, und da die Kühlschranktür einen Doppelanschlag hat, kommt man auch von draußen an Kaltes. Was hier aber viel wichtiger ist: Wir haben noch nie so viel Arbeitsfläche in einem Kastenwagen gesehen.
Dank zweier Ausziehbretter und der Ablage auf dem Kleiderschrank, der auf Höhe des Betts anschließt, können hier auch Gourmets tolle Menüs zaubern. Und selbst der Abwasch macht mit der großen, mattschwarzen Armatur aus Metall Spaß. So etwas findet sich auch im Bad, und zwar fürs Duschen und am Waschbecken, das nicht etwa aus Plastik, sondern aus dickem Glas gefertigt ist. Auch die Oberflächen sind robust gewählt und einwandfrei verfugt. Das ist auch nötig, denn es gibt keine Duschabtrennung, die Spritzwasser ableiten könnte.
Vorn und hinten kann das mittlere Matratzenteil zum Abhängen aufgestellt werden.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Der Heckbereich wird vom bequemen Querbett ausgefüllt. Es ruht auf zwei Einbauten, deren linke etwas breiter geraten ist als bei anderen Kastenwagen. Dadurch ist der Stauraum etwas schmaler, aber dank Schublade und Fächern gut gegliedert. Eine Durchlade für Langes gibt’s auch. Toll: der große Frischwasservorrat. Und wer zwei Schläfer mehr unterbringen möchte, kann ein Aufstelldach für 6.900 Euro ordern.

Das hat der Camper

Einen freundlichen Innenraum. Mattweiße Flächen wechseln sich mit hellem Holzfurnier ab, der Boden kommt in Betonoptik. Fast nirgends ist nacktes Blech sichtbar. Das sorgt für Behaglichkeit und gutes Raumklima. Geheizt wird serienmäßig mit der Truma-Dieseltherme.
Aufbau wie Installation sind gut durchdacht.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Überhaupt, die Serienausstattung: Mit zwei Airbags, Xzent-Navi, Rückfahrkamera, Alufelgen, Markise, elektrischer Trittstufe, Fliegenschutztür, Fahrerhausverdunkelung, isoliertem Abwassertank mit elektrischem Ablassventil, Außendusche, Membranwasserpumpe für ordentlich Druck und vielem mehr ist sie sehr üppig. Gespart wird dagegen beim Gewicht: Die Möbel sind hergestellt aus einem sehr stabilen und leichten Material aus recycelten PET-Flaschen, die unter Druck verpresst werden, und mit robustem HPL-Furnier belegt.

So fährt der Hannes

Extrem leise. Aus dem Mobiliar dringt nicht ein Mucks, und auch die dicke Dämmung (25 Millimeter) sowie die Stoff- und Kunstlederverkleidungen leisten dazu einen großen Beitrag. So lässt es sich ganz entspannt cruisen. Wobei die Opel-Basis auch anders kann: 165 PS leistet ihr Diesel. Er ist, wie der Rest, bekannt aus dem Peugeot Boxer. Wer ein Automatikgetriebe möchte, kann für 8.300 Euro inklusive 180-PS-Motor den Ducato als Basis wählen.
So macht das Fahren Spaß: Der Hannes läuft extrem leise.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Technische Daten und Preis: Hannes Camper
  • Motorisierung 2.2 Diesel 165
  • Leistung 121 kW (165 PS) bei 3750/min
  • Hubraum 2179 cm3
  • Drehmoment 370 Nm bei 1750/min
  • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
  • Getriebe/Antrieb Sechsgang manuell/Vorderrad
  • Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 l/Diesel + 19 l AdBlue
  • Länge/Breite/Höhe 5990/2050/2580 mm
  • Masse fahrbereit/Zuladung ca. 3000/500 kg
  • Anhängelast (gebremst/ungebremst) 2500/750 kg
  • Grundpreis/Testwagenpreis 79.900/82.800 Euro

Fazit

von

AUTO BILD
Qualität hat ihren Preis – das zeigt sich auch beim Hannes Camper. Er bietet enorm viel Ausstattung, einen hochwertigen Ausbau und sehr einfache Bedienung.