"Das schwarze Schaf" der Familie nennt Harley die in dunklen Farben gehaltene Heritage Softail Classic. Sie gehört zur mittelschweren Softail-Baureihe, bringt aber mit 330 Kilo (vollgetankt) einiges an Gewicht auf die Waage. Zwei Motoren stehen zur Wahl: der 107er-Milwaukee-Eight mit 1745 Kubik und 87 PS sowie der 114er-Eight (1868 ccm, 94 PS). ABS und Tempomat sind serienmäßig an Bord. Die Seitentaschen lassen sich abschließen, die Scheibe kann mit nachrüstbaren Schnellverschlüssen in wenigen Minuten demontiert werden. Harley-Davidson will mit dem neuen Softail-Rahmen das Unmögliche möglich gemacht haben: Die schwere Heritage Softail Classic soll sich dank weniger Gewicht im Vergleich zur Vorgängerin und erhöhter Steifigkeit handlich wie ein Sportler fahren. Ist da was dran? AUTO BILD machte die erste Probefahrt!
 
Harley Davidson Heritage Softail Classic
Das Geheimnis ist der neue Rahmen: Er spart Gewicht und versteift das Motorrad stärker als bisher.
So fährt sie: Genau genommen stecken zwei Maschinen in der Heritage Softail. Zum einen ist da das Reisemotorrad: Auf gut ausgebauten Bundesstraßen am besten in einen hohen Gang schalten, den Zweizylinder bei wenig Touren vor sich hin brabbeln lassen und auf der urgemütlichen Sitzbank zurücklehnen. Der Rest läuft von selbst. Showa-Gabel vorne und Mono-Federbein hinten schlucken auch die harten Stöße. Leistung ist genug vorhanden, der Spritdurst geht mit 5,6 Litern Normverbrauch in Ordnung. Zum anderen ist da die Kurvenkönigin: In engen Kehren musste der Softail-Lenker bisher zurückstecken. Das ist Geschichte! Die aktuelle Generation fährt auch um scharfe Kurven zielgenau und richtungsstabil. Sogar eine Notbremsung bringt sie nicht aus der Ruhe. Dazu hat sie mit rund 40 Grad Schräglagenfreiheit deutlich mehr Platz unter den Trittbrettern.    
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Das kostet sie: Bei 22.595 Euro geht es los. Damit liegt die Heritage Softail auf Augenhöhe mit ihren potenziellen Konkurentinnen BMW K1600 GTL und Honda Goldwing.
Plus/Minus: Die Verbindung aus Harley-Tugenden und modernen Annehmlichkeiten ist bei der Heritage Softail Classic voll gelungen. Der steifere Rahmen verleiht der Amerikanerin erstaunlich dynamische Talente. Wehmut bleibt nur angesichts der Soundkulisse: Die war besser, als die V-Twins aus Milwaukee noch ohne Einspritzung auskamen.