Man muss nicht immer groß sein, um Erfolg zu haben. Das beweisen etwa Marco Verratti (1,65 m), Kim Kardashian (1,59 m) oder Lady Gaga (1,55 m). Und auch der automobile Sektor kennt solche Knirpse, die groß aufspielen. Zwei von ihnen stehen sich hier gegenüber: der gerade geliftete Honda Jazz und Altmeister Hyundai i20 kurz vor der Modellpflege.

Zwei Kleinwagen mit Mildhybrid im Test

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Ein bisschen mutet der Jazz immer wie ein Van an, daran ändert das Facelift natürlich nichts. Die weit nach vorn gezogene Frontscheibe schafft ein luftiges Raumgefühl, mit immerhin 58 Zentimetern über Grund sitzen wir fast schon SUV-artig erhöht, die 1,53 Meter hoch bauende Karosserie bietet dennoch viel Luft überm Scheitel. Der sieben Zentimeter flachere Hyundai erscheint erst mal weniger großzügig, die Piloten sitzen 2,5 Zentimeter dichter am Boden – und fühlen sich doch wohler.
Honda Jazz e:HEV 1.5 i-MMD Hybrid
Weit nach vorn gezogene Frontscheibe, hohe Sitzposition: Der Honda Jazz mutet wie ein Van an; das Raumgefühl passt dazu.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Und das kommt so: Die Sitze des i20 lassen sich fünf Zentimeter weiter nach hinten rücken – das erlaubt großen Fahrern eine entspanntere Sitzposition. Zudem spendiert der Koreaner rund vier Zentimeter mehr Innenbreite, was kräftig gebaute Gäste oder die Drillinge auf der Rückbank durchaus zu schätzen wissen. Als Ausgleich offeriert Honda in der zweiten Reihe einen Hauch mehr Spielraum für die Beine, sodass der Fond in beiden Fällen deutlich mehr als eine Strafbank darstellt – auch wenn die Lehne im Jazz etwas steil steht.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder + E-Motor 
Dreizylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1498 cm³ 
998 cm³ 
Systemleistung 
90 kW (122 PS) 
88 kW (120 PS)
max. Drehmoment (Systemleistung) 
253 Nm 
200 Nm 
Vmax
175 km/h 
185 km/h 
Getriebe 
stufenloses Automatikgetriebe 
Siebengang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
185/55 R 16 H 
215/45 R 17 Y 
Reifentyp 
Yokohama BluEarth-A 
Michelin Pilot Sport 4 
Radgröße 
6 x 16" 
7 x 17" 
Abgas CO2 
106 g/km 
125 g/km 
Verbrauch* 
4,5 l 
5,3 l 
Tankinhalt 
40 l 
40 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super 
Partikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
65 dB(A) 
67 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
500/500 kg 
1110/450 kg 
Stützlast 
50 kg 
75 kg 
Kofferraumvolumen 
304–1205 l 
262-1075 l 
Länge/Breite/Höhe 
4089/1694–1966**/1526 mm 
4040/1775–2045**/1450 mm 
Radstand 
2517 mm 
2580 mm 
Grundpreis
26.800 Euro
28.285 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
29.850 Euro
28.285 Euro

Clevere Transportlösung im Jazz

Dafür setzt der Japaner beim Kofferraum die Zeichen. Im Jazz mit nur 62 Zentimeter hoher Ladekante (i20: 72 cm) verschwinden nicht nur zwischen 42 (Handgepäck) und 130 Liter mehr Gepäck (also ein großer Koffer für zwei bis drei Wochen Urlaub), dank der wie im Kino hochklappbaren Sitzfläche geht auch mal ein Fahrrad (klein) oder ein Fernseher (groß) aufrecht stehend mit.
Honda Jazz e:HEV 1.5 i-MMD Hybrid
Im Jazz lässt sich die Sitzfläche in zwei Teilen hochklappen. Das schafft Raum für alles, was sich schlecht in den Kofferraum stopfen lässt.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Der Hyundai kommt ganz klassisch mit 60:40 geteilter Lehne – und doppeltem Boden. Größter Vorteil des höhenverstellbaren Kofferraumfundaments: In der oberen Position entsteht beim Umklappen der Fondlehne eine ebene Ladefläche, wo im Jazz beim Einpacken schwerer Gepäckstücke stets eine sanfte Steigung zu überwinden ist. Schade.

Sprachbedienung des i20 steuert Radio und Klima

Besser gefällt da der schnörkellose und intuitiv bedienbare Arbeitsplatz des Fahrers. Über den Touchmonitor mit festen Tasten und kapazitiven Flächen für die wichtigsten Funktionen wird das Multimedia gesteuert, drei große Drehknöpfe kümmern sich ums Klima. Die Grafik des Navis wirkt allerdings recht schlicht, und die Sprachassistentin versteht nicht mehr als Adresseingaben.
Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V-Hybrid
Hyundai mit digitalem Cockpit in 10,25 Zoll und gleich großem Touchscreen. Die Sprachbedieng kann mehr als die des Jazz.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Da ist der Hyundai, der für Lautstärke und Klimaanlage ebenfalls echte Tasten bereitstellt, deutlich weiter. Neben dem Navi-System reagieren auch Radio und Klima aufs gesprochene Wort. Induktives Laden des Handys beherrscht dann nur der Hyundai, Apple CarPlay und Android Auto bieten beide – im Honda seit dem Facelift per Funk, im i20 mit Kabel.

Echte Spritsparer wählen den Honda

Beim Fahren tritt der Jazz auf, wie seine Van-artige Form es erwarten lässt – wenig dynamisch, dafür bequem und vor allem sparsam. Der Testverbrauch von 4,9 l/100 km bedeutet 810 Kilometer Reichweite und Lust auf mehr, äh weniger. Unser Sparverbrauch lag bei 3,4 Litern, schafft jemand eine Zwei vorm Komma? Im Hyundai definitiv nicht. Der Turbo-Dreizylinder nimmt im Test 7,1 Liter und schafft damit 560 Kilometer nonstop, selbst auf Knausertour braucht er 5,8 Liter.
Honda Jazz e:HEV 1.5 i-MMD Hybrid  Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V-Hybrid
Extrem sparsam: Wer es drauf anlegt, braucht mit dem Jazz nur 3,4 l/100 km – im i20 haben wir nicht unter 5,8 l/100 km geschafft.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Und der 120 PS starke Hyundai kommt nicht mal besser in Schwung. Bis Tempo 100 verliert er auf den teilelektrisierten Japaner, der kurze Strecken auch rein elektrisch schafft und gerade untenrum spürbar mitboostert, immerhin 1,4 Sekunden. Und trotz höherer Endgeschwindigkeit von 185 zu 175 km/h fährt der i20 auch bis Tempo 160 hinterher – um ganze 2,1 Sekunden. Definitiv keine Gewichtsfrage, beide Kleinwagen wiegen nur knapp über 1,2 Tonnen.
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Nein, schuld daran ist unter anderem die recht träge Doppelkupplung des i20, die immer wieder für Verspätung sorgt. Die stufenlose Automatik des Jazz agiert einfach wacher, auch wenn sie unter Last das typische CVT-Verhalten zeigt: erst mal laut aufjaulen, dann schneller werden. Fast schon peinlich wird es für den Hyundai, weil der N Line in wirklich allen Lebenslagen einen sonor-sportlichen Auspuffton anschlägt – das passt in 90 Prozent der Nutzung so gar nicht. Statt des N Line mit 120 PS also unbedingt den 2850 Euro günstigeren Trend mit noch ausreichenden 100 PS wählen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,3 s 
4,0 s 
0–100 km/h 
9,2 s 
10,6 s 
0–130 km/h 
15,7 s 
17,5 s 
0–160 km/h 
26,9 s 
29,0 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,1 s 
5,5 s 
80–120 km/h 
6,7 s 
7,3 s 
Leergewicht/Zuladung 
1220/470 kg 
1207/453 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
63/37 % 
63/37 % 
Wendekreis links/rechts 
11,0/11,2 m 
11,0/11,1 m 
Sitzhöhe 
580 mm 
555 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
37,4 m 
35,4 m 
aus 100 km/h warm 
38,9 m 
35,4 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
60 dB(A) 
bei 100 km/h 
65 dB(A) 
68 dB(A) 
bei 130 km/h 
70 dB(A) 
71 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
3,4 l S/100 km 
5,8 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
4,9 l S/100 km
(+9 %)
7,1 l S/100 km
(+34 %)
Sportverbrauch 
7,6 l S/100 km 
9,7 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
116 g/km 
168 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
810 km 
560 km 

N Line sieht zwar schicker aus und bietet einiges an Sport-Bling-Bling, die 17-Zoll-Räder (Trend 16 Zoll) kosten aber auch Komfort. Der straffe i20 mit fester Druck- und eher loser Zugstufe neigt sich in Kurven zwar wenig, hebt uns auf kurzen Wellen aber unschön aus dem Sitz und ist auf schlechten Pisten ständig in Unruhe. Die weiche, eher kommode Abstimmung des Jazz wird einem Kleinwagen deutlich gerechter – auch wenn er bei zügiger Kurvenhatz schon mal magenfeindlich wankt und wogt.

Mit 28.285 Euro gewinnt der i20 an der Kasse

Nachdem sich der Jazz überraschend die Eigenschaftswertung holt, verliert er den Vergleich ausgerechnet an der Kasse. In der ziemlich kompletten Ausstattung Advance Sport kostet der Jazz nämlich immerhin 29.850 Euro. Und kommt damit mehr als 1500 Euro teurer als der ebenfalls gut ausstaffierte i20 in der N-Line-Variante für 28.285 Euro.
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Günstiger: In der getesteten Version kostet der i20 über 1500 Euro weniger als der Jazz – und liegt auch bei der Garantie vorne.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Großzügige fünf Jahre Garantie bringen den Koreaner endgültig nach vorn, denn Honda gewährt beim Jazz "nur" drei Jahre die Kostenübernahme bei Mängeln. Was bei beiden unangenehm aufstößt: Wartung jährlich, bei Honda nach 20.000, bei Hyundai nach 15.000 Kilometern. Am Erfolg der beiden Knirpse zweifeln wir dennoch nicht – daran ändern auch "große" Statistiken nichts.

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Honda Jazz gegen Hyundai i20

Sowohl i20 als auch Jazz überzeugen – jeder auf seine Art. Der Hyundai siegt über das Kostenkapitel – und verspielt mit unsinniger N-Line-Ausstattung sogar noch Punkte. Der Honda gefällt als kommoder Knauser-Knirps, der es aber nie hektisch mag – sonst stresst er seine Gäste auch noch akustisch.