Dieses Duell hat Brisanz und Tradition zugleich. Von 1988 bis 1991 feierte McLaren-Honda mit Ayrton Senna und Alain Prost vier Formel-1-Titel in Folge. Dann trennten sich die Wege der Briten und Japaner. Vor zwei Jahren wurde die Motorsport-Liaison wiederbelebt. Auf der Straße sind beide Hersteller indes Konkurrenten. Denn Honda schickt eine Neuauflage des legendären NSX an den Start wieder und tritt unter anderem gegen die Sportwagen von McLaren an. Als direkten Gegner haben die Japaner das jüngste Kind der Briten, den 570 GT, ausgemacht. 570 PS im McLaren, 581 PS im Honda.

Im Hybridantrieb steckt ein dickes Gewichtshandicap

Honda NSX
Von wegen Leichtbau: Der Honda NSX bringt wegen E-Motoren und Akku fast 1,8 Tonnen auf die Waage.
Karosserietechnisch trumpfen beide mit aerodynamischen Designs und konsequentem Leichtbau auf. Dennoch wiegt der NSX 300 Kilo mehr als der 570 GT. Das Handikap stammt vom viermotorigen Hybrid-Paket. Die Japaner konstruieren den mit Abstand aufwendigsten Antriebstrang in dieser Klasse. Zum neu entwickelten V6-Turbo mit 3,5 Litern Hubraum, 507 PS und 550 Nm addiert sich nicht nur ein direkt angeflanschter Elektromotor mit 35 kW zur Kompensation des Turbolochs und Zügelung des Super-Plus-Konsums. Darüber hinaus sitzen noch zwei E-Maschinen im Bug, die mit je 27 kW individuell auf die Vorderräder wirken. In Summe ergibt das eine Systemleistung von 581 PS und 698 Nm. Trotz des so kumulierten Gewichts von 1763 Kilo gibt sich Nick Robinson, Leiter der Fahrdynamik, euphorisch: "Die Performance sollte auf dem Niveau von R8, 911 und Ferrari 488 liegen." Die bislang bekannten Angaben zur Beschleunigung klingen jedenfalls vielversprechend. Der NSX soll in circa 3,4 Sekunden per Launch Control auf Tempo 100 schießen; und 308 km/h Spitze klingen ebenfalls konkurrenzfähig.
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Die rassige Form des NSX folgt streng der Funktion

Honda NSX
Schönheit: Den Honda-Designern ist ein bildhübsches, aerodynamisch hocheffektives Auto gelungen.
Und wie ist die Verpackung? Die grelle "Curva Red"-Lackierung und der böse Blick könnten auf einen heißen Italiener schließen lassen, nicht wenige Passanten vermuten hier einen neuen Ferrari. Denn auch die Honda-Designer verzichten auf überflüssige Showelemente. Das aerodynamische Konzept ist ausgefeilt, jeder Luftein- und -auslass hat seinen Sinn. So erreichen die Japaner am Heck den dreifachen Abtrieb im Vergleich zur Front. Zehn Kühler müssen mit Fahrtwind versorgt werden. Bündig abschließende Türgriffe und kleine Luftschlitze oberhalb der Rückleuchten sind weitere Indizien für die Konsequenz der Japaner. Dennoch haben sie auf aktive Bauteile verzichtet; ausfahrbare Spoiler finden sich am NSX nicht. Klar, auch der McLaren 570 GT sieht klasse aus, im Vergleich zum NSX aber eine Spur braver. Mit der neuen 5er-Serie zielen die Briten etwas weniger konsequent auf die Rennstrecke. Und mit dem 570 GT finden sogar die Begriffe Komfort und Platzangebot eine gewisse Berücksichtigung. Vor allem das Glasdach und die seitlich öffnende Heckklappe machen die optischen Unterschiede zum S-Modell aus. Das über dem Motor neu geschaffene Gepäckabteil fasst 220 Liter.Weitere GT-Merkmale: spezielle 15-Speichen-Räder, ein leicht vergrößerter Heckspoiler und Türeinsätze in Wagenfarbe. Die Lenkübersetzung des 570 GT ist um zwei Prozent reduziert und soll so zusätzliche Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten generieren. Geänderte Federraten sollen ebenfalls zu mehr Gelassenheit beitragen. Auch das Design des GT ist unverkennbar McLaren. Technisch ist er bis auf die aktive Aerodynamik weitgehend identisch mit dem 650 S.

Auch als GT bleibt der McLaren 570 ein Supersportler

McLaren 570 GT
Pulsbeschleuniger: Der 570 GT geht in 3,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und erreicht satte 328 km/h.

Das betrifft auch den Motor, der für den 570 GT jedoch etwas gedrosselt wurde. Der 3,8-Liter-V8-Biturbo leistet 570 PS und katapultiert die weitgehend aus Carbon gebackene Flunder in nur 3,4 Sekunden (570 S: 3,2 s) ins Dreistellige. Bei der in dieser Klasse so prestigeträchtigen Vmax reicht das Angebot bis 328 km/h. Die Schaltzeiten des Siebengang-Doppelkupplers sind etwas weicher ausgelegt als beim S-Modell, dazu kommt eine leisere Auspuffanlage. Der Testwagen besaß jedoch den optionalen Sportauspuff. Wie die Japaner betrieben auch die Briten großen aerodynamischen Aufwand. So steht die C-Säule wie beim NSX frei im Wind, führt Kühlluft zum Motor und generiert dabei noch Abtrieb. Zwischen den Karosserieblechen aus Alu finden sich Sicken und Kanäle, durch die der Fahrtwind strömt. V-förmige Flügeltüren runden den Auftritt ab. Die Dimensionen von Rädern und Bremsen sind ähnlich denen des neuen NSX.
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Wie sich die beiden Sportler im ersten Schnuppervergleich fahren, sehen Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Honda will es wissen! Keine halben Sachen, sondern ein Hybridkonzept mit vier Motoren. Der NSX kommt mit einem ausgefuchsten Technik-Paket und zeigt sich dem McLaren 570 GT im ersten Vergleich gewachsen. Ob es zum Überholen reicht, das wird erst der harte Test zeigen.