Wohnmobil-Dauertest Hymer B 588 DL

Hymer B 588 DL: Wohnmobil-Dauertest

Hymer B: viel Platz, aber Mängel im Detail

Knapp über 40.000 Kilometer im Leichtbau-Hymer? Klingt nach Vergnügen. Ist es auch, allerdings garniert mit sonderbaren Einlagen.
Manchmal hapert's gleich am Anfang. "Motor prüfen lassen", wirft der Bordcomputer unserem Kollegen Manfred Klangwald bei der ersten Fahrt zur Tankstelle entgegen, in knalligem Orange natürlich. Da werden selbst erfahrenste Testfahrer nervös. Zum Glück ist's nichts Ernstes, das Nachfüllen von einem Liter Motoröl bringt die Anzeige zum Erlöschen. Puh. Auf den ersten längeren Trips macht der Hymer B 588 DynamicLine dann seinem Namen alle Ehre: Das leichtfüßige Handling und der gut gedämmte Motor fallen positiv auf, ebenso das komfortabel abgestimmte Fahrwerk. Er wankt dadurch deutlich, aber unser Fahrdynamik-Experte Tim Dahlgaard bescheinigt ihm nach Elch- und Slalomtests einen starken, frühzeitigen ESP-Eingriff und insgesamt sicheres Fahrverhalten. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ist, dass er mit über 5000 Kilometern die längste Testfahrt im Hymer unternehmen wird: im August durch Großbritannien. Die Rückfahrkamera lobt er – wie alle anderen – für ihr scharfes, weitwinkliges Bild, ebenso die großen Außenspiegel. Zudem gefällt die gute Ausleuchtung der Straße durch die kräftigen Scheinwerfer.

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Das geringe Gewicht geht zulasten der Möbel-Qualität

Mission erfüllt: Die neue B-Klasse sollte leicht werden. Tatsächlich bleibt der leere 6,99-Meter-Einzelbetten-Grundriss bei drei Tonnen.

In Fahrt also alles bestens? Eigentlich ja, wäre da nicht die ständig aufspringende Badezimmertür, deren Magnetverschluss über die gesamte Testdauer für Ärger sorgt. Selbst zwei verschiedene Fachwerkstätten sind nicht in der Lage, ihn gängig zu machen. Auch anfällig: die Schrankklappen. Ihre straffen Haltefedern reißen ihnen mehrfach die Schrauben aus. AUTO BILD-Kollege Matthias Moetsch fragt sich nach über 1200 Kilometern durch Skandinavien, wie so etwas ausgerechnet bei dem Traditionshersteller Hymer passieren kann. Eine Erklärung liegt nahe: Die neue B-Klasse sollte konsequent leicht werden. Das ist auch ganz gut gelungen, immerhin bleibt unser leerer 6,99-Meter-Einzelbetten-Grundriss bei drei Tonnen. Möglicherweise wurde aber am Mobiliar etwas zu viel Masse gekappt.

Technische Daten
Motorisierung MultiJet II 150
Leistung 110 kW (150 PS) bei 3600/min
Hubraum 2287 cm3
Drehmoment 380 Nm bei 1500/min
Höchstgeschwindigkeit 142 km/h
Getriebe/Antrieb Sechsgang manuell/Vorderrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 l/Diesel
Länge/Breite/Höhe 6990/2220/2960 mm
Radstand/Bereifung 3900 mm/225/75 R 16 C
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) 3000/500 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst) 2000/750 kg
Material Wand/Dach/Boden Alu/GFK/GFK
Stärke Wand/Dach/Boden 34/34/35 mm
Isolierung Wand/Dach/Boden PU/PU/PU
Liegefläche Front L x B 1810 x 1460 mm
Liegefläche Heck L x B 2010 x 800, 1940 x 800–2035 mm
Kühlschrankvolumen/Gefrierfach 160/30 l
Herd 3 Flammen
Bordbatterie 95 Ah
Frisch-/Abwassertank 150/130 l
Gasvorrat/Heizung 2 x 11 kg/Truma Combi 6
Preis/Testwagenpreis ab 82.990 Euro/104.591 Euro
Testverbrauch 11,9 l D/100 km
Ölnachfüllmenge 3 l/40.812 km
Kilometerstand bei Testbeginn 15 km
Kilometerstand bei Testende 40.812 km
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L-Sitzgruppe und verschiebbarer Tisch ernten Lob

Hier fühlten sich alle wohl: helles, wohnliches Interieur mit durchgehendem (Doppel-)Boden.

Schade, denn das Raumgefühl im Interieur, die verwendeten Stoffe und Dekore sowie das Lichtkonzept werden einhellig gelobt. Der B-DL ist ein Wohlfühlmobil. Tester Thomas Wirth lobt die gemütliche L-Sitzgruppe mit dem verschiebbaren Tisch, die tellergefederten Betten verschaffen allen Testern erholsame Nachtruhe. Für Freude sorgt auch das Bad. Mit viel Stauraum und großem Duschbereich erfüllt es alle Komfortansprüche. Allerdings moniert Kollegin Helene Schmidt schlecht abfließendes Wasser. Bei Kilometer 11.640 ist sie es auch, die zum ersten Mal Pannenhilfe in Anspruch nehmen muss: Auf einer längeren Autobahnetappe springt der Hymer am Rasthof Aichstetten nicht mehr an. Das wird im Verlauf des Tests noch zweimal passieren – trotz des Austauschs der Starterbatterie und eines Elektronikchecks beim Fachmann. Wir vermuten, dass es am Multimediasystem liegt. Das gibt nämlich auch ausgeschaltet immer wieder Knacklaute von sich.
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Eine Efoy-Brennstoffzelle zieht ein

Etwa zur Mitte des Dauertestzeitraums löst sich das Schlafzimmerfenster auf der Fahrerseite aus der Halteschiene und muss ausgetauscht werden. Kurz darauf bekommt unser Hymer noch eine wichtige Testaufgabe: Es wird eine Efoy-Brennstoffzelle eingebaut. Sie erhöht die Autarkie erheblich, liefert verlässlich unbemerkt und stetig Strom. Nur bei der Rundumsicht hilft sie nicht: Während des Rangierens springt uns bei Kilometer 32.392 urplötzlich ein schmaler Begrenzungspfosten beifahrerseitig ins hintere Seitenteil. Der GAU für jeden Reisemobilisten: Eine teure Reparatur wird fällig. Mit 40.812 Kilometern auf der Uhr geben wir die B-Klasse schließlich bei Hymer in Bad Waldsee zurück.

Stärken Schwächen
- sehr gutes Platzangebot, großzügige Stehhöhe - mehrere Schrankklappen lose
- komfortable, sichere Fahreigenschaften, gute Geräuschdämmung - Knarzgeräusche aus dem Mobiliar
- gute Übersichtlichkeit - Badtür schließt nicht richtig
- viel Stauraum, große Garage - Starterbatterie entlädt sich bei längerer Standzeit

Wohnmobil-Dauertest Hymer B 588 DL

Hymer B 588 DLHymer B 588 DLHymer B 588 DL

Und das sagt Hymer zu unseren Erfahrungen:

Das eigentlich bewährte Magnetverschluss-System an der Badezimmertür hat nie richtig funktioniert. Woran kann das gelegen haben? "Auch wir haben im Rahmen unserer kontinuierlichen Produktbeobachtung festgestellt, dass das Magnetschloss in bestimmten Fällen den dynamischen Belastungen nicht immer standhält, weshalb wir die Verriegelung überdacht und optimiert haben. Diese Verbesserung des Magnetschlosses können Besitzer der B-DL-Baureihe bei einem offiziellen Vertrags- oder Servicepartner schnell und kostenfrei durchführen lassen."
Wie haben Sie dem Problem der zu schwach befestigten Schrankklappen entgegengewirkt?
"Durch das Anbringen einer zusätzlichen Fixierungsschraube. Darüber hinaus wurde die Befestigung bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Serienproduktion der B-DL-Baureihe entsprechend optimiert und im Rahmen regelmäßiger Wartungstermine überprüft und gegebenenfalls nachgebessert."
Gibt es eine Erklärung für die mehrfach entladene Starterbatterie? "Aus technischer Sicht gibt es dafür keine schlüssige Erklärung. Da uns auch von Kundenseite keine derartigen Vorfälle gemeldet wurden, gehen wir davon aus, dass es sich hierbei um einen Einzelfall handelt."
Ist die Möbelkonstruktion inzwischen insgesamt verstärkt worden?
"Auch unsere Möbel-Leichtbaugruppen befinden sich in einem kontinuierlichen Beobachtungs- und Weiterentwicklungsprozess. Zudem werden sie auf einer Rüttelstrecke mit 300 Runden, was in etwa 300.000 Kilometern entspricht, abschließend getestet, bevor sie zusammen mit den Fahrzeugen in Serie gehen."
Die DynamicLine-Baureihe ist mittlerweile aus dem Programm genommen worden. Warum?
"Die Entwicklung der DynamicLine hat die Basis gelegt für die erfolgreiche Einführung weiterer B-Klasse-Baureihen, etwa SupremeLine und ModernComfort. Diese beiden verfügen jedoch über viele technische und fahrdynamische Vorteile gegenüber dem B-DL, die sich letztendlich an einer entscheidenden Innovation festmachen lassen: unserem Super-Light-Chassis oder SLC. Hinzu kommt, dass wir mit der B-Klasse ModernComfort beziehungsweise dem neuen Mercedes-Benz Sprinter ein Basisfahrzeug haben, das absolut State of the Art ist. Aus diesen Gründen wurde beschlossen, die Baureihe DynamicLine nicht weiterzuverfolgen."

 

Alexander Failing

Fazit

Was bleibt vom B-DL? Die Freude über sein großes Raumangebot, das angenehme Interieur, den Fahrkomfort – und die Verwunderung über die Detailmängel, die so gar nicht zu dem gepasst haben, was wir sonst von Hymer gewohnt sind. Urteil: drei von fünf Punkten.

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