Hyundai i10 N Line: sportlicher Kleinwagen im Test
Wie viel N Performance steckt im i10 N Line?

Frisch überarbeitet rollt Hyundais Kleinster zum Einzeltest. Mit immerhin 100 PS auf gerade mal 1030 Kilogramm müsste der i10 N Line doch wie gemacht sein für den flotten Stadtverkehr. Oder?
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Schuldig, euer Ehren! Wir geben es ja zu: Die Kollegen Uhlig und Sanders haben ein Herz für kleine, potent motorisierte Kraftfahrzeuge. Fragt man uns, ist "Minimaße plus mehr Leistung als unbedingt nötig" eine der effektivsten Fahrspaßformeln – universell einsetz- und im Turbozeitalter auch einfach umsetzbar.
Ebenfalls klar: Der i10 mit seinen 100 PS will gar kein N-Modell sein, sondern "nur" ein mit dem N-Line-Kürzel versehener Kleinstwagen. Aber weil sie bei Hyundai eine erwiesenermaßen fähige Performance-Abteilung haben, erwartet man trotzdem was. Obendrein weckt der so gerüstete i10 mit vielen roten Akzenten und dem golfballigen Schaltknauf Hoffnungen in puncto Optik und Haptik.

Das Armaturenbrett des i10 lässt kaum Fragen aufkommen, ein Navi mit Online-Sprachsteuerung und Echtzeitverkehrsdaten ist in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich. Allerdings ist nur der Fahrersitz höhenverstellbar.
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Dabei hat der Kleine erst einmal andere Pflichten zu erledigen. In enge Parklücken rollen, zumindest auf Kurzstrecken auch mal vier Leute transportieren, Einkäufe verstauen. All das klappt trotz nur 3,67 Meter Länge und dank vier großer Türen richtig gut. Wegen der immerhin 1,48 Meter hohen Karosserie passt die Kopffreiheit hinten locker für über 1,80 Meter große Mitfahrer, und auch der Kofferraum geht mit 252 bis 1050 Litern tatsächlich als solcher durch.

Hinten herrscht für diese Klasse angenehm viel Platz. Die hohe Dachlinie hilft, sodass man sich nicht beengt fühlt.
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Dazu kommt ein ordentliches Paket an Technik: Der i10 verfügt serienmäßig, also in der untersten Basis Select, schon über Klima und einen Acht-Zoll-Touchscreen, einen USB-Anschluss vorn und einen hinten. Bis auf die rückseitig etwas faltig bezogene Bank hinten geht die Verarbeitung in Ordnung.

Die Klimaautomatik ist im N Line und beim i10 Prime Standard, kann für Trend dazugeordert werden (500 Euro im Paket).
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Als N Line gibt's dann mit Rückfahrkamera und Parkpiepsern hinten, Teil-LED-Rückleuchten, Navi, Sitz- und Lenkradheizung quasi Vollausstattung. Vielleicht denken Sie jetzt: Schön und gut, aber was soll da denn nun neu sein? Verstehen wir, denn wir haben die neu designten 16-Zoll-Räder und die blaue Fußraumbeleuchtung auch erst spät bemerkt.

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Dominanter tritt das neue Kombiinstrument auf. Hyundai hat die alten runden Skalen im Zielflaggendesign rausgeworfen und durch zwei radioweckerartige Displays ersetzt. 3300 Touren zeigt der neue "Drehzahlmesser" als 3.3 an. Hmm. Mit wandernden Zeigern ließen sich Tempo- und Drehzahländerungen besser abschätzen. Und vorne links ist jetzt nur noch der Fahrerfensterheber beleuchtet.

Bild: Hyundai Deutschland
Was die Fahrleistungen angeht, ist das mit kleinen, leichten Autos immer so eine Sache. 100 PS und 10,5 Sekunden auf 100 km/h auf dem Papier hauen keinen vom Hocker, 185 Sachen Topspeed ebenso wenig. Müssen sie aber auch nicht. Die i10-N-Line-Mission lautet: Fahrspaß, vor allem innerorts. Aber daran scheitert leider der Antrieb.

Kurze Wege, lange Übersetzung: So kommt der i10 N Line zu langsam in seine fünf Gänge.
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Was bei der Getriebeübersetzung beginnt: Die fünf Gänge des i10 strecken sich lang, sehr lang. Das ergibt zusammen mit dem Einliter-Dreizylinder-Turbo eine unglückliche Kombination. Unter 20 km/h lässt sich der i10 quasi nicht im zweiten Gang bewegen – zu stark vibriert der Motor unter 1600 Umdrehungen, zu ausgeprägt ist das Turboloch. Ampel rot, heranrollen, Ampel grün, das erfordert im N Line also immer das Zurückschalten bis in den ersten Gang. Zugleich funktioniert der dritte Gang aus den gleichen Gründen erst ab 45, der vierte frühestens ab 60 km/h. So tuckert man meist mit einer gefühlt zu hohen Drehzahl durch die Stadt.

Das fesche Doppelrohr hat nur der N Line, die roten Akzente sind ebenfalls ihm vorbehalten.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Dazu kommt der Rev-Hang: Der Dreizylinder tourt nur sehr langsam herunter, sodass nach dem Hochschalten die Anschlussdrehzahl nicht passt. Beim erneuten Einkuppeln bremsen die Räder den Motor ab, und es gibt einen Ruck, der Ladedruck bricht zusammen. Vermeiden lässt sich das im Grunde nur durch extralange Schaltpausen.
Messwerte
Modell | Opel Corsa Electric Long Range |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–100 km/h | 8,0 s |
0–130 km/h | 13,0 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,1 s |
80–120 km/h | 5,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1492/428 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % |
Wendekreis links/rechts | 10,6/10,7 m |
Sitzhöhe | 550 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,3 m |
aus 100 km/h warm | 34,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 15,2 kWh/100 km |
TestverbrauchDurchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 19,0 kWh/100 km (+30 %) |
Sportverbrauch | 20,8 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 293 km |
Wer jetzt auf einen geringen Verbrauch hofft, wird enttäuscht: 6,1 Liter haben wir gemessen, in der Stadt zeigt der Bordcomputer auch mal Werte um die acht Liter an – für die Größe des i10 zu viel.
Fahrzeugdaten
Modell | Opel Corsa Electric Long Range |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 115 kW (156 PS) |
Dauerleistung | 62 kW (99 PS) |
max. Drehmoment | 260 Nm |
Vmax | 150 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 205/45 R 17 H |
Reifentyp | Michelin Primacy 4 |
Radgröße | 7 x 17" |
Reichweite* | 405 km |
Verbrauch* | 14,6 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität | 51 kWh |
Ladeleistung (AC/DC | 11/bis zu 100 kW |
Ladezeit (DC-Laden) | 30 Minuten (10-80 %) |
Ladeanschluss | hinten links |
Vorbeifahrgeräusch | 64 dB(A) |
Kofferraumvolumen | 267-1042 l |
Länge/Breite/Höhe | 4061/1765–1960**/1435 mm |
Radstand | 2538 mm |
Grundpreis | 38.045 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet | 39.745 Euro |
Das ist insofern schade, als dass der Rest des i10 N Line hält, was die sportliche Optik verspricht. Die Lenkung ist direkt übersetzt, spricht gleichmäßig an. Das Getriebe lässt sich flutschig schalten, sogar mit recht kurzen Wegen. Dazu bremst der kleine Hyundai mit um die 35 Meter ordentlich. Alles gute Zutaten für einen quirligen Kleinstwagen.
Der an der Kasse aber auch gut bezahlt sein möchte. Mindestens 22190 Euro verlangen die Koreaner. Viel Geld, zumal ab 22900 Euro schon der größere i20 im ähnlich gut ausstaffierten Trend-Trimm in der Preisliste steht – mit gleichem Motor, richtigem Digitalcockpit und Sechsganggetriebe. Und da, das geben wir zu, kommen dann auch wir zwei Sportfans ins Grübeln.
Wertung
Modell | Opel Corsa Electric Long Range |
|---|---|
Karosserie | Kein Raumwunder, Mitfahrer hinten müssen Federn lassen, sonst stoßen sie an. Kofferraum noch okay. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Mit 156 PS leicht übermotorisiert, bei Tempo 150 ist Schluss. Reichweite okay, Ladetempo gut. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Recht straff abgestimmt, verbindliche Lenkung, starke Bremsen, das ESP arbeitet schnell und fein. |
3,5/5 Punkten | |
Connected Car | Navi mit Echtzeitdaten, MyOpel-App, kabelloses CarPlay. Hier fährt der Corsa auf Höhe der Zeit. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Die Kühlerlamellen fahren auf und zu, eine serienmäßige Wärmepumpe ist nicht selbstverständlich. |
3,5/5 Punkten | |
Komfort | Windgeräusche leise, die 18-Zoll-Räder etwas stoßanfällig. Lenkradheizung? Ja, aber einstufig. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Es ist schon vieles drin, trotzdem zahlt keiner mal eben so fast 40.000 Euro für einen Kleinwagen. |
1,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3+ |
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