Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Ins Automobile übersetzt: Wenn VW für 2027 einen Elektro-Mini um 20.000 Euro verspricht, ist das nett. Wenn Hyundai heute einen elektrischen Zwerg namens Inster auf die Straße rollt, der in der absoluten Basis ab 23.900 Euro kostet, zündet uns das mehr an.

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Selbst wenn für den hier vorgefahrenen Inster Prime mit mehr PS, großem Akku usw. 30.100 Euro fällig sind. Denn im Test muss er beweisen, ob er das Geld auch wert ist.

Vorne wird es schnell kuschelig

Mit 3,83 Meter Länge empfiehlt sich der Inster für enge Innenstädte und knifflige Parkaufgaben. Warum der Zwerg gleichzeitig aber kaum breiter (1,61 Meter) als hoch (1,58 Meter) ausfällt, erschließt sich weniger.
Hyundai Inster (49 kWh)
Auf 3,83 Metern hat der Inster bemerkenswert viel Platz. Aber für zwei große Erwachsene ist er vorne etwas zu schmal geraten.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Gegenteil: Steigen vorn zwei kräftige Piloten ein, schubbern die Schultern schon mal aneinander. Was umso ärgerlicher ist, als das Platzangebot sonst ziemlich bemerkenswert ausfällt. Selbst vier Erwachsene mittlerer Größe finden ganz gut Platz, einen leichten Einstieg und können auf den einfachen, aber ordentlichen Sitzen recht entspannt reisen.

Inster zeigt sich sehr variabel

Ja, große Fahrer sitzen etwas unglücklich hinter der B-Säule, die fette Mittelkonsole drückt am Knie, die Rücksicht wird von nicht versenkbaren Kopfstützen gestört. Dafür gibt es aber auch sehr pfiffige Lösungen wie eine verschiebbare Rückbank oder die nach vorn flach zu legenden Vordersitzlehnen (ab Trend, auch Fahrerseite). So lassen sich die 1059 Liter Kofferraum gut nutzen.
Hyundai Inster (49 kWh)
Ins Inster-Heck passen zwischen 238 bis 1059. Die verschiebbare Rücksitzbank und die umlegbaren Vordersitze machen ihn variabel.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zur Not auch, um im Inster zu übernachten. Dank doppeltem Boden ergibt sich eine ebene Fläche, die Lücke zur beweglichen Fondbank wird von flexiblen Bodenplatten überdeckt. Umständlich sind aber die hohen Ladekanten (außen 78, innen 8 cm), das fummelig am Gestänge der Fondkopfstützen einzuklipsende Heckrollo (schließt Abstand zur verschiebbaren Bank) und die recht flach öffnende Heckklappe (Höhe darunter 1,85 Meter).

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchronelektromotor 
Einbaulage 
vorn 
Spitzenleistung 
85 kW (115 PS) 
Dauerleistung 
28 kW (38 PS) 
maximales Drehmoment 
147 Nm 
Vmax
150 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
205/45 R 17 V 
Reifentyp 
Kumho Ecsta H5 52 EV 
Radgröße 
6,5 x 17" 
Reichweite* 
360 km 
Verbrauch* 
15,1 kWh/100 km 
Batteriekapazität 
49 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/85 kW 
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) 
30 Minuten 
Ladeanschluss 
vorn 
Fach unter Frontklappe 
Vorbeifahrgeräusch 
66 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
-/- 
Stützlast 
Kofferraumvolumen 
238-1059 l 
Länge/Breite/Höhe 
3825/1610/1575 mm 
Radstand/Bodenfreiheit 
2580/144 mm 
Grundpreis
25.400 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
30.100 Euro
Bei der Bedienung bietet der Inster einen akzeptablen Mix aus Touch und Tasten. Unterm Berührschirm in der Mitte (wie die Instrumente 10,3 Zoll) wartet eine Leiste mit Direktwahltasten, darunter das Klimafeld. Abgesehen vom leicht verdeckten Tastenblock links des Lenkrads erscheint alles recht sinnvoll geordnet.
Hyundai Inster (49 kWh)
Akzeptabler Mix: Die Bedienung des Inster erfolgt über den zentralen Touchscreen und zahlreiche Direktwahltasten.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die in der Prime-Ausstattung umfangreich vorhandenen Assistenten und z. B. die Cockpitbeleuchtung werden über Monitor oder Lenkrad eingestellt. Das Multimedia-Angebot dürfte gern moderner aufgestellt sein. Apple CarPlay und Android Auto erfordern ein Kabel, ein bestimmter Radiosender lässt sich nicht per Sprache auswählen (nur Radio allgemein), eine Sprachaktivierung fehlt. Dafür arbeitet das Navisystem sehr ordentlich, ist die Temperatur direkt oder über "Mir ist warm/kalt" (führt zu 18/26 Grad) regelbar, hört auch die Sitzheizung aufs Wort.

Der Korea-Knirps ist wendig und flink

Auch beim Fahren überrascht der Knirps mit ordentlicher Reife. Die Federung reagiert verbindlich und filtert viele Fahrbahnfehler weg, aufgrund des kurzen Radstandes von 2,58 Metern stoßen nur böse Kanten und Absätze unangenehm auf.
Hyundai Inster (49 kWh)
Mit seinen 115 PS ist der kleine Hyundai völlig ausreichend motorisiert. Auf der Autobahn ist bei Tempo 150 allerdings Schluss.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die leicht indirekte Lenkung tut der Fahrsicherheit keinen Abbruch, die 115 PS reichen für Stadt und Land völlig aus, das gelegentlich scharrende kurveninnere Vorderrad stört kaum. So wirkt der Inster wendig und flink und macht tatsächlich Laune, auf der Autobahn fährt der Korea-Knirps angesichts 150 km/h Spitze aber eher selten links. Auch, weil Windgeräusche durchaus präsent sind.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,9 s 
0–100 km/h 
10,2 s 
0–130 km/h 
17,4 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,4 s 
80–120 km/h 
8,0 s 
Leergewicht/Zuladung 
1390/355 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
58/42 % 
Wendekreis links/rechts 
11,1/11,4 m 
Sitzhöhe 
600 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,9 m 
aus 100 km/h warm 
35,9 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
bei 100 km/h 
66 dB(A) 
bei 130 km/h 
71 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
14,2 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
19,8 kWh/100 km
(+31 %)
Sportverbrauch 
24,7 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite 
286 km 
Bei Autobahnrichtgeschwindigkeit (130 km/h) reicht der 49-kWh-Akku tatsächlich für 222 Kilometer, auf unserer Drittelmix-Testrunde waren sogar 286 Kilometer nonstop drin. Nachgeladen wird mit 11 kW am Wechselstrom oder bis zu 85 kW am Schnelllader.
Hyundai Inster (49 kWh)
Der 49-kWh-Akku reicht auf unserer Drittelmix-Testrunde für 286 Kilometer. Bei 130 km/h sind es immer noch 222 Kilometer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Nicht überragend schnell, aber für 10 bis 80 Prozent reicht eine halbe Stunde. Unser Prime konnte dabei auf Wärmepumpe samt Batterieheizung und -vorkonditionierung vertrauen (Serie, sonst Effizienz-Paket für 1000 Euro).

Wertung Hyundai Inster (49 kWh)

Wertung Hyundai Inster (49 kWh)
Karosserie
Gute Raumausnutzung und variabler Innenraum. Kofferraum klassenüblich, kein Frunk.
3,5 / 5
Antrieb
Ausreichend flott und effizient (fast 300 km Reichweite), aber nur 85 kW Ladeleistung.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Fahrsicher und durchaus agil. Bremsen unauffällig, Wendekreis mit über elf Meter größer als erwartet.
3,5 / 5
Connected Car
Navi für diese Klasse sehr gut, Livedienste (Ladesäulen, Verkehr etc.), Handyspiegelung nicht kabellos.
4 / 5
Umwelt
Klein und für ein E-Auto nicht zu schwer, gute Rekuperation bis Stillstand, Verbrauch noch okay.
4 / 5
Komfort
Verbindliche Federung, leichter Einstieg durch große Türen, umfangreiche Ausstattung.
4 / 5
Kosten
Mit guter Prime-Ausstattung nicht günstig, Vollkasko teuer (Typklasse 23), fünf Jahre Garantie.
2,5 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,1
Richtig Laune macht die in mehreren Stufen über die Paddel am Lenkrad verstellbare Rekuperation mit One-Pedal-Drive bis zum Stillstand. Nur das deutliche Jaulen des Antriebs stört dann.
Hyundai Inster (49 kWh)
Kein Schnäppchen: Als Prime kostet der Inster ab 30.100 Euro. Er hat dafür aber auch fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der wirklich sehr gut ausgestattete Inster Prime ist mit 30.100 Euro natürlich kein Schnäppchen. Neben reichlich Goodies an Bord muss der Kleine aber auch nur alle zwei Jahre in die Werkstatt, gewährt Hyundai fünf Jahre Garantie ohne Kilometerlimit. Und im Leasing gibt es den Prime für wenig mehr als 200 Euro monatlich (5000 km/Jahr; 48 Monate). Wozu also auf die VW-Taube warten ...?

Bildergalerie

Hyundai Inster (49 kWh)
Hyundai Inster (49 kWh)
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Hyundai Inster im ersten Test
Mit dem Inster zeigen die Koreaner, dass kleine Elektroautos mit "nur" 115 PS Leistung durchaus attraktiv sein können. Der Korea-Knirps fährt und federt ordentlich, hat alles Wichtige an Bord. Der findet seine Fans. AUTO BILD-Testnote: 2,1