Illegale Autorennen: Das sagt ein Verkehrspsychologe
So verhalten Sie sich richtig, wenn Sie ein illegales Autorennen sehen

Sie sind mit dem Auto unterwegs – und plötzlich bemerken Sie ein illegales Rennen. Ein Verkehrspsychologe sagt, wie Sie sich richtig verhalten.
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Es kann jedem passieren: Sie sind mit dem Auto unterwegs – und plötzlich geraten Sie in ein illegales Rennen. Zuletzt erlebten das zahlreiche Autofahrer auf der stark befahrenen A66. Drei Raser lieferten sich dort in ihren Supersportwagen eine wilde Jagd – mit schrecklichen Folgen. Eine Seniorin geriet in den Crash der Raser, verbrannte in ihrem Auto. Oder es passiert an einer Kreuzung mitten in der Stadt: Einer lässt den Motor aufheulen, der andere schaut provozierend herüber. Kaum springt die Ampel auf Gelb, rasen die Möchtegern-Rennfahrer los.
Nicht den Rasern hinterherfahren

Verkehrspsychologe Karl-Friedrich Voss sieht bei vielen Rasern "eine Fixierung aufs Auto".
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"Mehr Kontrollen: ja, höhere Strafen: nein"
Der Niedersachse ist der Ansicht, dass mehr Polizeikontrollen ein wirkungsvolles Mittel gegen Raser seien. "Das muss verstärkt werden." Zu schnelles Fahren werde allgemein zu sehr geduldet. "Wenn ich zum Beispiel nur eine Stunde in Hannover an der Hamburger Allee beobachte, was da alles zu schnell fährt – ich meine nicht 60 km/h innerorts, sondern richtig schnell." Sind härtere Strafen geeignet, um illegale Rennen zu verhindern? Der Psychologe glaubt das nicht. "Das sind keine Kriminellen, die zielstrebig ans Werk gehen", sagt Karl-Friedrich Voss. "Eher Menschen, die mit Misserfolgen im Leben nicht zurechtkommen.Raser seien zumeist Leute, "die in anderen Lebensbereichen nicht besonders etabliert sind, daher erfolgt eine Fixierung auf das Auto". Oftmals stehen schnelle Autos nur leihweise zur Verfügung, das erhöht den Druck. "Man muss also den Moment voll auskosten." Dazu komme ein Mangel an Empathie, dass es auch Opfer geben könne. "Ich habe selbst solche Fälle gehabt – das sind keine Rambos. Wenn Sie einem gegenüberstehen, würden sie ihm das nie zutrauen." Voss glaubt, dass nur ein fundamentaler Kulturwandel helfen kann: "In unserem Land spricht man nicht über unangenehme Erfahrungen, zum Beispiel Niederlagen." So kompensiere diese Klientel ihre Misserfolge im Leben dann auf der Straße: "Dort wollen sie dann den Kick erleben und verlieren die Bodenhaftung."
Voss empfiehlt mehr Beratung
Oft genüge schon eine abfällige Handbewegung oder ein Seitenblick des Fahrers im Auto gegenüber, und alle Hemmungen fielen. "Die sind natürlich auch in der Methode geübt, das Fehlverhalten immer nur bei den anderen zu sehen." Dennoch seien es Menschen, die im Leben stehen und sich generell unter Kontrolle haben – "nur eben nicht in diesen Situationen". Voss plädiert dafür, mehr Beratung für die gefährdete Klientel – vor allem junge Männer – anzubieten. "Ich spreche zum Beispiel regelmäßig in den Berufsbildenden Schulen über Verkehrssicherheit, das Thema stößt auf großes Interesse." Allerdings: Raser wie die Täter von der A66 würde er mit einem solchen Angebot kaum ansprechen. "Schon allein, weil es zu wenige sind." Anders als in der Wahrnehmung seien solche Fälle wie auf der A66 nämlich sehr selten.
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