In der Alpine A110 GT zur Formel 1 nach Spa
Alpine A110 GT: Mit 300 PS durch die Ardennen

Bild: B. Garloff / AUTO BILD
Die Straße hat Alpine bereits fest im Griff. Kein Auto passt besser für unsere Tour durch die Ardennen als die Alpine A110 GT. Seit März 2024 bietet die flotte Französin in der Gran-Tourismo-Variante den perfekten Kompromiss aus Alltagstauglichkeit und Leistung.
Und so eilt das Fliegengewicht (1,1 Tonnen) perfekt ausbalanciert durch die Kehren rund um Spa-Francorchamps, wo das letzte Formel-1-Rennen vor der Sommerpause stattfindet und wo die Reichen und Schönen einst die heißen Quellen als "Spa" für sich entdeckt haben.
Alpine A110 GT: Mit 300 PS durch die Ardennen
Für den entsprechenden Biss auf der Fahrt durch die kurvigen Achterbahn-Passagen des Gebirgszugs zwischen Deutschland und Belgien sorgt der 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbo. 300 PS versorgen die Mittelmotor-Alpine mit 340 Newtonmeter Drehmoment (0-100 km/h in 4,2 Sekunden, Topspeed 250 km/h), und wenn die Kolben schnauben und das Wastegate-Ventil zischt, kommt Rennsportfeeling auf.
Besonders auf den Asphaltbändern der alten Strecke von Spa-Francorchamps, auf der man zum Beispiel durchs kleine Dörfchen Burnenville in die schnelle Bergab-Rechts-Richtung Malmedy einbiegen kann, wie einst Juan Manuel Fangio oder Graf Berghe von Trips.

Die kompakte Alpine ist sowohl für die belgischen Ortschaften als auch für die Landstraßen in den Ardennen das perfekte Gefährt
Bild: B. Garloff / AUTO BILD
Kein Wunder, dass sogar ehemalige Rennfahrer wie Marc Surer beim Anblick unseres kleinen blauen Wunders auf dem Parkplatz vor der Mutkurve Eau Rouge ins Schwärmen geraten: "Bei so einem Leichtgewicht freust du dich auf jede Kurve."
Allein: Ganz so souverän bewegt sich Alpine auf der Rennstrecke noch nicht. Das Formel-1-Projekt der Sportwagen-Marke aus dem Renault-Konzern soll das Image pflegen und Verkäufe ankurbeln.

Die Alpine 110 GT auf der alten Strecke von Spa-Francorchamps, die durch Burneville führte
Bild: B. Garloff / AUTO BILD
Doch auf WM-Rang acht sorgten die beiden Alpine A524 in Spa vor allem mit ihrer roten Sonderlackierung für Aufsehen. Hintergrund ist die Premiere des Films "Deadpool & Wolverine". Hauptdarsteller Ryan Reynolds ist Teil einer Investorengruppe, die vor einem Jahr beim französischen Formel-1-Team eingestiegen ist.
Flavio Briatore als Alpines Heilsbringer
Die Klauen fährt das Werksteam aber erst in diesem Jahr so richtig aus. Renault-CEO Luca de Meo hat Formel-1-Urgestein Flavio Briatore (74) als Chefberater angeheuert, um den Rennstall zunächst zurück ins vordere Mittelfeld und ab 2026, wenn ein neues Reglement greift, auch zurück an die Spitze der Königsklasse zu führen.
Zur Erinnerung: Der Italiener formte das Alpine-Vorgängerteam Benetton Anfang der 90er-Jahre gemeinsam mit Michael Schumacher zum Doppelweltmeister. 2005 und 2006 wiederholte er das Kunststück unter Renault-Flagge gemeinsam mit Fernando Alonso, der die Schumacher-Ferrari-Dominanz beendete.

Alpine war in Spa mit einer Sonderlackierung unterwegs
Bild: Alpine
Jetzt baut Briatore das mittlerweile nach der Sportwagenmarke Alpine benannte Team mit Sitz in Enstone (GB) radikal um. Teamchef Bruno Famin muss Ende August seinen Platz räumen und darf sich fortan ganz auf das Engagement in der Sportwagen-WM konzentrieren, wo u. a. auch Mick Schumacher für Alpine an den Start geht. Neu an Bord kommt Oliver Oakes, derzeit noch aufstrebender Teamchef in der Formel 2.
Parallel stellt der Italiener die Motorenentwicklung in Viry-Châtillon ein und verhandelt mit Mercedes um Kundenantriebe. "Was ich zurückbringen werde, ist die Siegermentalität", sagt er. "Es sind immer die Menschen, die ein Team ausmachen."
In Spa brachte diese Einstellung einen Punkt: Esteban Ocon wurde Neunter. Fest steht aber auch: Da ist noch Luft nach oben. Und die wird sicher auch eingeatmet ...
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