Zum 13. Mal hat ein Fahrer das Indy 500 gewonnen, der aus der Formel 1 in die IndyCar gewechselt ist: Marcus Ericsson ist außerdem der 74. Sieger in 106 Ausgaben des spektakulären, schnellen und vor allem ältesten Autorennen der Welt. Rund zwei Millionen Dollar Preisgeld bringt das auf das Konto des 31-Jährigen.
Und noch ein früherer Formel-1-Fahrer spielte im Rennen eine Rolle: Romain Grosjean. Der Franzose war einer von sechs Fahrern, die während der 500 Meilen (rund 800 Kilometer) gecrasht sind.
Kurios: Grosjean wollte genau wegen dieser akuten Unfallgefahr das Indy 500 nie fahren. Nach 179 Grands Prix endete seine Formel-1-Karriere 2020 mit einem fürchterlichen Feuerunfall in Bahrain, den er aber wie durch ein Wunder überlebte. „Für zwei Minuten und 25 Sekunden haben drei Kinder geglaubt, ihren Vater zu verlieren und meine Frau ihren Mann. Wäre ich noch 25 Jahre, single und kinderlos würde ich das Rennen fahren, aber so nicht“, hatte er noch 2021 gesagt. Da wechselte er in die IndyCar, bestritt nur die Rundstrecken- und Straßenrennen, nicht die Ovalkurse.

Grosjean-Crash bei Debüt

Grosjean war nicht der einzige Fahrer in der Wand.

Denn die sind gefährlich. 499 Fahrer haben das Rennen bisher wegen eines Unfalls vorzeitig aufgeben müssen. Das heißt: Pro Rennen passieren im Schnitt fünf Unfälle. Und das bei Tempi über 350 km/h. Die Pole-Position von Scott Dixon 2022 war sogar die schnellste Pole-Runde aller Zeiten – mit einem Durchschnittswert von 376,661 km/h. Und das ohne Auslaufzonen. Jeder kleine Fehler führt mit den beinahe 700 PS starken Rennwagen zu einem großen Crash.
Doch Grosjean änderte seine Meinung vor der Saison 2022, weil er einen Vertrag mit dem Topteam Andretti, das als elftes Team in die Formel 1 einsteigen will, unterschrieben hat. Den Unfall gestern hat er unversehrt überstanden. „Ich weiß nicht was passiert ist. Das Auto ist einfach ausgebrochen“, beschreibt er geknickt.
Grosjean war nicht der einzige Fahrer in der Wand. Auch NASCAR-Legende Jimmie Johnson erwischte es, ebenso Rinus VeeKay, Callum Ilott und Scott McLaughlin.

38 Führungswechsel zwischen neun Fahrern

Die Unfälle waren rennentscheidend. Immer wieder veränderten die dadurch ausgelöste Gelbphasen die Strategien der Teams. Johnsons Unfall sieben Runden vor Schluss brachte sogar die Rote Flagge – und den Mega-Showdown zwischen Ericsson und McLaren-Pilot Pato O’Ward am Ende.
Marcus Ericsson übernimmt mit dem Sieg auch die Führung in der Meisterschaft.

Den Ericsson für sich entschied. „Ich habe einfach alles gegeben, ihn hinter mir zu lassen. Ich kann es nicht glauben“, sagt Ericsson. Er ist 79 Formel-1-Rennen gefahren, zwischen 2014 und 2018 für Caterham und Sauber.
Das Indy 500 bot zwei Stunden und 51 Minuten beste Motorsport-Action. 38 Mal wechselte die Führung zwischen neun Fahrern. Der sechsmalige Meister und Pole-Setter Scott Dixon sah lange wie der große Favorit aus, war dann aber zu schnell in der Boxengasse.
Ericsson sorgt für den fünften Indy-500-Sieg für Teamchef Chip Ganassi, dem ersten seit Dario Franchitti 2012. Und er ist der zweite Schwede, der das prestigeträchtige Rennen gewinnen konnte – nach Kenny Bräck 1999.
Ericsson übernimmt mit dem Sieg auch die Führung in der Meisterschaft.

Ergebnis Indy 500 (Top-10)

1. Marcus Ericsson (Ganassi-Honda)
2. Pato O’Ward (McLaren SP-Chevrolet)
3. Tony Kanaan (Ganassi-Honda)
4. Felix Rosenqvist (McLaren SP-Chevrolet)
5. Alexander Rossi (Andretti-Honda)
6. Conor Daly (Carpenter-Chevrolet)
7. Hélio Castroneves (Meyer Shank Chevrolet)
8. Simon Pagenaud (Mayer Shank Chevrolet)
9. Alex Palou (Ganassi-Honda)
10. Santino Ferrucci (Dreyer-&-Reinbold-Chevrolet)

Von

Michael Zeitler