Nico Hülkenberg (34) ist in seinem neuen Rennfahrerleben angekommen! Im Barber Motorsports Park im US-Bundesstaat Alabama hat der Deutsche seinen ersten IndyCar-Test für Arrows McLaren SP absolviert.
„Ich bin jetzt seit einem Jahr und dem Einsatz auf dem Nürburgring keinen Rennwagen gefahren“, freut er sich über sein Comeback in einem Formel-Auto. „Ich glaube, ich habe im Rennsport noch einige schöne Jahre vor mir, und ich will herausfinden, ob meine Zukunft vielleicht in Amerika liegen könnte.“
In der Formel 1 hat der Aston Martin-Testfahrer für 2022 kein Cockpit mehr ergattert. Damit ist seine Karriere in der Königsklasse zwar beendet. Das heißt aber nicht, dass er keine superschnellen offenen Rennwagen mehr pilotieren wird.
Hulk muss sich mehr Muskeln antrainieren, sollte er seine Zukunft tatsächlich in der US-F1 suchen.
Hulk: „Mein Herz schlägt immer noch für den Einsitzersport. Wenn der Weg in die Formel 1 verwehrt ist, dann ist IndyCar die beste Alternative. Die Rennen sind interessant, die Autos sind cool, die Fahrer scheinen Spaß zu haben.“
Den hatte auch Hülkenberg bei seinem Test, der überraschend herausfordernd für den Ex-Formel-1-Star war. „Dieses Auto ist ein Ungeheuer, ein Lenkrad-Monster“, konstatiert er nach 108 Runden. „Ich muss definitiv mehr Armmuskeln zulegen.“
Und auch abgesehen von der schwergängigen Lenkung „dauerte es eine Weile, bis ich mich an das neue Umfeld gewöhnt habe“, gibt Hülkenberg zu. „Auch der Aeroscreen (Schutzscheibe, d. Red.) war etwas gewöhnungsbedürftig. Ab der Mittagszeit spürte ich, dass ich in einen guten Rhythmus komme, und das zeigte sich auch bei den Rundenzeiten.“
Trotz muss sich der Hulk mehr Muskeln antrainieren, sollte er seine Zukunft tatsächlich in der US-F1 suchen. „Ganz ehrlich; dass die Lenkung so schwergängig sein würde, das hätte ich nicht erwartet. Auch wenn ich natürlich vorher wusste, dass IndyCars keine Servolenkung haben.“
Dazu kommen die Fliehkräfte, die die rund 900 PS starken Renner (2,4-Liter-V6-Twinturbo von Chevrolet) generieren. Hulk: „Die sind nicht ganz so extrem wie in einem Formel-1-Renner, aber extrem genug, um anstrengend zu sein. Das ergibt in Kombination mit den Lenkkräften ein körperlich anspruchsvolles Auto.“
Nico Hülkenberg macht erste Fahrversuche in der Indycar.
Ob der Test tatsächlich auch zu einem Engagement in der Indycar-Serie führt, bleibt abzuwarten. „Ob es 2022 ein beschränktes Programm gibt, muss das Team entscheiden“, weiß der Deutsche. Hintergrund: Mit Patricio O’Ward und Felix Rosenqvist hat McLaren bereits zwei Vollzeit-Stammfahrer. Möglich ist aber, dass man ein drittes Auto auf ausgewählten Rundkursen einsetzen wird.
Ovals kommen für den frischgebackenen Vater Hülkenberg eher nicht infrage. Doch das Team scheint Blut geleckt zu haben. „Wenn wir über einen weiteren Test-Tag sprechen, dann müssten wir ihn wohl auf einem Oval fahren lassen, um seinen Appetit dafür anzuregen“, sagt Teamboss Taylor Kiel. „Wir wissen jetzt, welcher Typ Fahrer Nico ist und welches Talent er mitbringt. Ehrlich gesagt haben wir keinen ganzen Tag gebraucht, um zu realisieren: 'OK, dieser Kerl ist gut!'“

Von

Bianca Garloff