Interview mit einer Marder-Expertin Nicole Schuster von K&K
Darum kosten Marderschäden heute oft Tausende Euro

Marder verursachen jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe. Besonders teuer kann ein Marderbiss beim E-Auto werden.
Bild: DPA
Marder können unter der Motorhaube teure Schäden verursachen. Warum die Tierchen Autos attackieren, welche Abwehr wirklich funktioniert und weshalb Hausmittel wenig bringen, erklärt Nicole Schuster, Geschäftsführerin von K&K Marderabwehr, im Gespräch mit AUTO BILD.
AUTO BILD: Die Versicherer haben 2024 rund 252.000 Marderschäden registriert – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Warum werden Marder für Autofahrer gerade wieder zu einem größeren Problem?
Nicole Schuster: Die Ursachen dafür sind nicht eindeutig belegt. Dass es schlichtweg mehr Marder gibt, dafür fehlt eine belastbare Zählung. Was aber aus meiner Sicht eine Rolle spielt, ist unsere Mobilität. Marder markieren den Motorraum bei ihren nächtlichen Streifzügen als ihr Revier. Wird ein Fahrzeug nun häufig an wechselnden Orten abgestellt, überträgt es diese Duftmarken in fremde Reviere – und der dort ansässige Marder reagiert mit Verbiss, um sein Territorium zu verteidigen. Zur Mobilitätserklärung passt auch der Anstieg von Urlaubsfahrten mit dem Auto, denn mit auf die Reise gehen dann auch die Duftmarkierungen. Peinlich, aber wahr: Vor Jahren hat es uns selbst einmal auf einer Reise nach Sylt getroffen. Wir hatten die eigene Abwehr nicht gleich vorsorglich verbaut, und da war dann nicht nur der Schaden, sondern auch der Spott in der Werkstatt groß.
Nicole Schuster: Die Ursachen dafür sind nicht eindeutig belegt. Dass es schlichtweg mehr Marder gibt, dafür fehlt eine belastbare Zählung. Was aber aus meiner Sicht eine Rolle spielt, ist unsere Mobilität. Marder markieren den Motorraum bei ihren nächtlichen Streifzügen als ihr Revier. Wird ein Fahrzeug nun häufig an wechselnden Orten abgestellt, überträgt es diese Duftmarken in fremde Reviere – und der dort ansässige Marder reagiert mit Verbiss, um sein Territorium zu verteidigen. Zur Mobilitätserklärung passt auch der Anstieg von Urlaubsfahrten mit dem Auto, denn mit auf die Reise gehen dann auch die Duftmarkierungen. Peinlich, aber wahr: Vor Jahren hat es uns selbst einmal auf einer Reise nach Sylt getroffen. Wir hatten die eigene Abwehr nicht gleich vorsorglich verbaut, und da war dann nicht nur der Schaden, sondern auch der Spott in der Werkstatt groß.

Nicole Schuster, 60, ist Geschäftsführerin von K&K. Die Automobilbranche begleitet sie seit ihrer Kindheit, 2003 übernahm sie mit ihrem Mann das Unternehmen.
Bild: K&K
Eines möchte ich noch ergänzen. Die Zahlen der Versicherer geben nur wieder, was auch als Schaden an die Versicherungen gemeldet wird. Der ADAC erfasst nur die Fahrzeuge, die durch einen Marderschaden liegen bleiben. Und nicht jeder Marderschaden wird überhaupt als solcher erkannt und belegt. Ich bin überzeugt, dass die tatsächliche Zahl an Marderschäden noch höher liegt als von jeder Statistik erfasst.
Warum Reparaturen immer teurer werden
Noch stärker als die Zahl der Schäden sind die Reparaturkosten gestiegen: plus 22 Prozent. Werden Ersatzteile teurer, die Reparaturen aufwendiger – oder beides?
Dafür gibt es, wie Sie richtig vermuten, mehrere Gründe. Zum einen werden die Ersatzteile teurer. Wo früher vielleicht ein günstiges Zündkabel getauscht werden musste, sind es heute oft ganze Kabelbäume, die zu ersetzen sind. Und damit steigt zwangsläufig auch die Zahl der Arbeitsstunden. Zum anderen ist durch die zunehmende Technisierung oft schon die Erreichbarkeit der Komponenten schwieriger geworden. Da ist dann nicht das zerbissene Teil das Teure, sondern der Weg dorthin. Und um an eine kleine beschädigte Leitung heranzukommen, müssen mitunter erst Anbauteile wie Sensoren ausgebaut werden. Da ist es dann nicht das Teil, das kostet, sondern die reine Arbeitszeit.
Dafür gibt es, wie Sie richtig vermuten, mehrere Gründe. Zum einen werden die Ersatzteile teurer. Wo früher vielleicht ein günstiges Zündkabel getauscht werden musste, sind es heute oft ganze Kabelbäume, die zu ersetzen sind. Und damit steigt zwangsläufig auch die Zahl der Arbeitsstunden. Zum anderen ist durch die zunehmende Technisierung oft schon die Erreichbarkeit der Komponenten schwieriger geworden. Da ist dann nicht das zerbissene Teil das Teure, sondern der Weg dorthin. Und um an eine kleine beschädigte Leitung heranzukommen, müssen mitunter erst Anbauteile wie Sensoren ausgebaut werden. Da ist es dann nicht das Teil, das kostet, sondern die reine Arbeitszeit.
Sind E-Autos für Marder attraktiver als Verbrenner? Und warum werden die Schäden dort besonders teuer?
Der Marder braucht ja, wie schon gesagt, keinen großen Platz. Insofern macht der weiträumigere Motorraum eines E-Autos ihn nicht attraktiver. Aber die Fahrzeuge sind auch längst nicht so mardersicher, wie der geschlossene Unterboden vermuten lässt. Über die Radkästen zum Beispiel kommt der Marder trotzdem hinein. Und aus Rückmeldungen unserer Kunden wissen wir, dass es bei E-Fahrzeugen auch im Heckbereich Angriffsflächen gibt.
Der Marder braucht ja, wie schon gesagt, keinen großen Platz. Insofern macht der weiträumigere Motorraum eines E-Autos ihn nicht attraktiver. Aber die Fahrzeuge sind auch längst nicht so mardersicher, wie der geschlossene Unterboden vermuten lässt. Über die Radkästen zum Beispiel kommt der Marder trotzdem hinein. Und aus Rückmeldungen unserer Kunden wissen wir, dass es bei E-Fahrzeugen auch im Heckbereich Angriffsflächen gibt.
Attraktiver für Marder sind E-Autos aber nicht. Dazu gibt es auch keine Statistik. Der Marder sucht ein Versteck und markiert sein Revier, ob Verbrenner oder Elektromotor, dürfte ihm dabei gleich sein.
Was sich aber sehr wohl unterscheidet, sind die Folgen, wenn es passiert. Eine beschädigte Hochvoltleitung darf man aus Sicherheitsgründen nicht flicken. Und dann sind Sie schnell im vierstelligen Bereich für eine Reparatur. Genau deshalb rechnet sich Vorsorge beim E-Auto sogar noch klarer als beim Verbrenner.
Frühjahr als Hochsaison für Marderschäden
Im Mai liegen die Marderschäden 64 Prozent über dem Schnitt. Warum drehen die Tiere im Frühjahr so auf?
Der Mai ist erfahrungsgemäß tatsächlich der Monat mit den meisten Schäden. Bei der Begründung würde ich aber genauer hinschauen: Oft wird das mit der Paarungszeit erklärt, die liegt beim Steinmarder aber erst im Sommer. Im Frühjahr sind die Tiere schlicht am aktivsten und am weitesten unterwegs – das zeigt auch eine telemetrische Untersuchung, bei der die Kontakte mit Fahrzeugen dann ihren Höhepunkt hatten. Dazu kommt die Jungenaufzucht: Die Weibchen sind stark ans Revier gebunden und reagieren empfindlich auf fremde Duftmarken. Wichtig ist aber: Marder sind ganzjährig aktiv – Schutz ist eine Jahresmaßnahme, keine Saisonsache.
Der Mai ist erfahrungsgemäß tatsächlich der Monat mit den meisten Schäden. Bei der Begründung würde ich aber genauer hinschauen: Oft wird das mit der Paarungszeit erklärt, die liegt beim Steinmarder aber erst im Sommer. Im Frühjahr sind die Tiere schlicht am aktivsten und am weitesten unterwegs – das zeigt auch eine telemetrische Untersuchung, bei der die Kontakte mit Fahrzeugen dann ihren Höhepunkt hatten. Dazu kommt die Jungenaufzucht: Die Weibchen sind stark ans Revier gebunden und reagieren empfindlich auf fremde Duftmarken. Wichtig ist aber: Marder sind ganzjährig aktiv – Schutz ist eine Jahresmaßnahme, keine Saisonsache.

Hausmittel helfen wenig: Am zuverlässigsten wirkt laut Nicole Schuster eine Abwehr mit Hochspannungsimpulsen.
Bild: K&K
Rund um Marderabwehr kursieren viele Tipps von Hundehaaren bis WC-Steinen. Mit welchem Mythos würden Sie am liebsten aufräumen?
Mit allen! Nehmen Sie den bekannten Hasendraht unter dem Auto – dazu haben wir sogar ein Nachtsichtvideo, auf dem der Marder seelenruhig auf dem Draht entlangläuft und von dort in den Motorraum klettert.
Mit allen! Nehmen Sie den bekannten Hasendraht unter dem Auto – dazu haben wir sogar ein Nachtsichtvideo, auf dem der Marder seelenruhig auf dem Draht entlangläuft und von dort in den Motorraum klettert.
Was ich immer wieder erlebe, auch privat: Die Mythen halten sich hartnäckig, während die Abwehr mittels Hochspannung eher unbekannt ist. Dabei wirkt gerade diese Form am zuverlässigsten. Sie funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie ein Weidezaun, mit einem kurzen, ungefährlichen Stromimpuls. Gegen einen Marder, der sein Revier beharrlich verteidigt, bleibt das die nachhaltigste Lösung, allen Mythen zum Trotz.
Wenn sich jemand für eine Abwehranlage entschieden hat – worauf kommt es beim Einbau an?
Zunächst müssen die Reviermarkierungen, also die Duftmarken, entfernt werden. Da bei modernen Motoren oft von einer Motorwäsche abgeraten wird, gibt es hierfür spezielle Duftmarkenentferner, die diese neutralisieren.
Zunächst müssen die Reviermarkierungen, also die Duftmarken, entfernt werden. Da bei modernen Motoren oft von einer Motorwäsche abgeraten wird, gibt es hierfür spezielle Duftmarkenentferner, die diese neutralisieren.
Eine tief montierte Abwehr wirkt effektiver. Daher empfehlen wir den Einbau in einer Fachwerkstatt unter Hinzunahme einer Hebebühne. Nur so lassen sich die Komponenten, sofern ausreichend wasserdicht, direkt an den Eintrittsstellen anbringen, etwa nahe den Radkästen. Eine Werkstatt kennt zudem die typischen Zugänge und möglichen Laufwege des Marders und kann die Hochspannungskontakte so gezielt platzieren, dass sie optimal wirken.
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