Herr Arthofer, die Formel-1-Saison neigt sich schon wieder dem Ende entgegen. Wie stolz sind Sie, dass Sie das Jahr trotz der Corona-Pandemie so gut zu Ende gebracht haben – und als erste weltweite Sportart den Betrieb im Sommer wieder aufgenommen hatten?
Frank Arthofer: Es war außergewöhnlich, wie Formel 1, Teams, Promoter und Partner die Situation gemeinsam gemanagt haben. Und es war auch für die Fans schön, dass wir auf alte Strecken zurückkehren konnten, die unter normalen Umständen nicht im Kalender gewesen wären. Insgesamt sehen wir die Saison deshalb positiv.
So trumpfte Vettel 2006 auf: Hier klicken
Die Marketingmaschinerie läuft wieder an. Die Formel 1 öffnet sich immer stärker für neue Ideen, bringt in Kooperation mit „Designer Parfums“ jetzt auch ihre eigenen Düfte heraus. Was war Ihr erster Gedanke, als Ihnen die Idee vorgestellt wurde?
(lacht) Die Marke Formel 1 ist tatsächlich vielfältiger, als man auf den ersten Blick glauben könnte. Einerseits hat sie etwas Spielerisches, Speed und Spaß, andererseits steht sie aber auch für Lifestyle. Und sie besteht aus Elementen, die man auch mit Düften kombinieren kann: Performance, Technologie, Perfektion.
„Mick Schumacher wäre Gewinn für Formel 1“
Jetzt gibt es den Duft der Königsklasse sogar als Parfum
Inwiefern kommen die Fans so auch näher an ihren eigentlich doch weit entfernten Lieblingssport heran?

Natürlich ist das auch ein Mittel, ein neues Publikum an uns und unsere Produkte heranzuführen. Formel 1 besteht aus einem guten Mix aus Historie, Stories, Design und Innovation. Hiermit wollten wir die Grenzen des Duftdesigns sprengen und auch neueste Technologie wie 3D-Druck für die Flaschen ins Design mit einbringen.
Hätten Sie sich je vorstellen können, dass man die Formel 1 in Düften einfangen kann?
Eigentlich ist das doch nur logisch. Wir haben viele Gerüche in der Königsklasse: das heiße Gummi der Reifen oder den Champagner auf dem Podium. Übrigens der schönste Geruch, den sich ein Formel-1-Fahrer vorstellen kann, und von dem er nie genug bekommt. Charles Leclerc sagte erst letztes Jahr nach seinem ersten Sieg: Der Moment auf dem Podium war der schönste seines Lebens. Den in Düften einzufangen, wie wir es mit Carbon Reign gemacht haben, ermöglicht es uns, ihn mit Fans auf der ganzen Welt zu teilen. Nicht nur visuell, sondern auch über den Geruchssinn. Wir haben seit unserem Kauf hart daran gearbeitet, aus dem Sport Formel 1 auch eine Unterhaltungs- und Lifestyle-Marke zu machen. Die Parfum-Kollektion ist dafür ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie.
Was ist Ihre eigene schönste Formel-1-Erinnerung?
Wie wir in der Corona-Pandemie zusammengehalten haben. Wie die Teams mit „Project Pitlane“ und der Produktion von Sauerstoffmasken Menschenleben retten konnten. Wie wir in der dunklen Stunde der Pandemie eSports auch in der Formel 1 auf ein neues Level heben konnten. Wir hatten 30 Millionen Zuschauer während des Lockdowns. Das war für uns ein großer Erfolg. Auch zu sehen, wie die Fahrer auf Plattformen wie Twitch direkt mit den Fans interagieren und die Fans eine ganz neue Seite ihrer Helden kennenlernen konnten. Ein Moment, der mich als Digitalchef stolz gemacht hat.
„Mick Schumacher wäre Gewinn für Formel 1“
Der Eifel-GP wurde live auf Youtube gestreamt
Die Formel 1 baut ihre Präsenz in der digitalen Welt und auch in den sozialen Medien aus. Der Eifel-GP wurde sogar live auf Youtube gestreamt. Wie wird sich die Königsklasse digital in Zukunft aufstellen?

Während Covid waren wir weltweit die Nummer-1-Sportart auf den vier größten Social Media-Plattformen wie Instagram, Facebook, Youtube und Twitter. So  konnten wir die Interaktionsrate mit unserem Publikum signifikant steigern. Darauf sind wir stolz. Und es ist sehr wichtig für uns, da weiterzumachen, den Kontakt zu den Fans in den sozialen Medien zu suchen. Wir haben 500 Millionen Fans weltweit. Und in der Vergangenheit wurden die von uns – nicht unseren TV-Partnern, aber der Formel 1 selbst – nicht gut genug bedient. Ob es eSports ist, F1 TV, digitaler Content für unsere Webseite oder unseren Youtube-Channel – wir wollen uns weiter den Fans mit mehr Inhalten und Service öffnen.
In Deutschland wird die Königsklasse 2020 das erste Mal seit 28 Jahren nicht im Free TV zu sehen sein. Wie groß ist die Angst loyale Fans und Zuschauer zu verlieren?
Das nehmen wir sicherlich nicht auf die leichte Schulter. Ich glaube allerdings, dass uns das Wachstum unseres digitalen Contents hilft – denn das ist ja auch eine Art frei zugänglicher Plattform. Die meisten Haushalte haben Internetzugang und können damit sowohl auf unseren eigenen Kanälen als auch den frei zugänglichen Webseiten unserer TV-Partner Formel-1-Bewegtbildinhalte konsumieren. Damit gleichen wir den Verlust im Free-TV mehr als aus und hoffen, dass Sky uns entsprechend unterstützt.
Wie sehr wird die Ankunft von Mick Schumacher in der Formel 1 helfen?
Wenn Mick den Aufstieg schafft, wäre das ein großer Gewinn für uns – nicht nur in Deutschland. Er ist ein talentierter junger Fahrer und kommt auch noch aus der erfolgreichsten Formel-1-Dynastie. Wir hoffen, dass er genauso erfolgreich wird, wie es auf dem Papier aussieht.
Wie wird der Zugang zu F1 TV im deutschsprachigen Raum unter den neuen Bedingungen aussehen?
Sky ist unser exklusiver Live-Partner. Aber wir haben immer noch unser F1-TV-Produkt, auf dem man Zugang zu unseren Archiven mit mehr als 600 Rennen hat. Und wir arbeiten auch daran, dass die Sky-Kunden in Zukunft ebenfalls darauf zurückgreifen können.
E-Racing boomt. Wie sieht die Zukunft der eSports-Formel 1 aus?
Erstens: Unser Formel-1-Spiel ist unglaublich. Codemasters macht da einen großartigen Job. Der Unterschied zu vielen anderen Sportarten: Wir haben ein Lenkrad, einen Sitz und Pedale – nicht nur einen Controller. Wir sind also viel näher dran an der Realität und je weiter sich unsere Simulation entwickelt, desto wahrscheinlicher wird es, dass e-Racer ins echte Auto aufsteigen oder unsere Formel-1-Fahrer das Spiel zum Trainieren nutzen. Das langfristige Potential ist riesig. Denn wie Sie wissen, ist eine Karriere im Rennsport nicht gerade billig.

Von

Bianca Garloff