Neuwagen aus dem Iran? Doch, das gibt es wirklich. Der Staatsbetrieb Iran Khodro baut seit 1962 Autos, die meisten davon auf Basis europäischer Altmodelle. Den "Samand" kann man sogar in Europa kaufen – mit Technik und Design von gestern.
Jan Kretzmann
Ein Auto, das die magische Grenze von neun Jahren überschritten hat, gilt in Deutschland schon als alt – und seit Einführung der Abwrackprämie sogar als potenzieller Kandidat für die Schrottpresse. Im Iran dagegen würde die deutsche Wegwerfmentalität wahrscheinlich nur ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Ein neun Jahre altes Auto? Der ist doch gerade erst eingefahren! Im Iran fahren Kisten herum, die nur noch von ein bisschen Farbe und der Gnade Allahs zusammengehalten werden. Wer es im Iran zu etwas gebracht hat, kauft sich aber einen Neuwagen – aus iranischer Produktion. Der staatseigene Betrieb Iran Khodro (IKCO) mit Sitz in Teheran baut seit 1962 Autos für alle, die sich kein teures Importprodukt leisten können. Zum Beispiel den Samand, der seit 2002 vom Band läuft. Die Mittelklasselimousine steht auf dem Genfer Salon 2009 und wird seit 2006 auch nach Russland und Bulgarien importiert. Nächstes Europa-Ziel für das Billig-Auto ist Polen. Auch eine Autogas-Variante ist vefügbar.
Moderne Sicherheitstechnik gibt's nicht mal gegen Bakschisch
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Naht da etwa ein neuer Dacia-Konkurrent? Technisch basiert der Samand (persisch: "schnelles Pferd"), der im Iran als "Nationalauto" verkauft wird, auf dem Peugeot 405. Vom alten Mitteklasse-Franzosen, gebaut von 1988 bis 1996, stammt auch der einzig verfügbare Motor, ein schlichter Zweiventiler-Benziner mit 1,8 Litern Hubraum und 100 PS. Ausstattung und Technik ensprechen den späten Achtziger Jahren. Hinten gibt es nur Trommelbremsen, Airbags und ESP nicht mal gegen Bakschisch und gute Worte. Ebenso befremdlich auch die Tatsache, dass Hersteller ICKO auf seiner Website derart Banales wie Sicherheitsgurte und Bremsleuchten stolz als Teil der Sicherheitsausstattung anpreist. Okay, im Iran gehen die Uhren eben anders. Immerhin: Servolenkung, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und eine Klimaanlage sind serienmäßig an Bord, ABS kostet aber extra. Den Samand bieten die Iraner außerdem in einer verlängerten Version "Sarir" an, die im Innenraum mit Leder und Holzfurnier protzt – bei der Verarbeitungsqualität scheiden sich allerdings die Geister.
Von Uralt-Modellen bis zu modernen Trucks
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Neben dem Samand hat IKCO aber noch mehr auf Lager: Diverse ausrangierte Altmodelle werden in Lizenz nachgebaut, darunter der Peugeot und 405. Auch am Nutzfahrzeug-Markt ist der Hersteller aktiv und hat sich die Rechte für verschiedene Busse, Kleinlaster und Lkw von Mercedes, Hyundai und MAN gesichert. Das Angebot reicht von Uralt-Modellen, die bei uns seit 30 Jahren vom Markt sind, bis zu modernen Trucks wie dem Mercedes-Benz Actros. Auch der Dacia Logan läuft in Teheran vom Band. Optisch ist kein Unterschied zum rumänischen Original erkennbar – bis auf das Renault-Logo an Kühler und Heckklappe. Im Iran werden Kombi und Limousine allerdings unter dem Namen "Tondar" vermarktet. Kommt Iran Khodro jetzt auch nach Deutschland? Vorerst wohl nicht, denn bis auf den Logan-Klon erfüllt keins der Pkw-Modelle die nötige Euro-IV-Norm, von der Sicherheit mal ganz zu schweigen. Und den Rumänen kriegt man bei uns ja schon. Mehr exotisches Blech aus dem Morgenland sehen Sie oben in der Bildergalerie.
Iran Khodro Billigautos
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Im Iran ein Star, auf dem Rest der Weltkugel nahezu unbekannt: Der IKCO Samand, vom staatseigenen Betrieb Iran Khodro gebaut, soll jetzt auch in Europa verkauft werden.
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Sogar auf dem Genfer Salon 2009 waren die Iraner mit ihrem Vorzeige-Produkt vertreten. Ob der 80er-Jahre-Look zwischen all den schicken Design-Ikonen der Moderne wohl ankommt?
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Technisch basiert der Samand (persisch für "schnelles Pferd") auf dem Peugeot 405. Den Mittelklasse-Franzosen gibt es bei uns schon seit 1996 nicht mehr.
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Auch der einzig verfügbare Motor, ein schlapper 1,8-Liter mit Zweiventiltechnik und 100 PS, stammt vom 405. Die Karosserie ist eine IKCO-Eigenentwicklung.
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Laut ICKO gibt sich der Samand im Schnitt mit 6,6 Litern Super zufrieden – gar nicht mal so übel. Die Euro-II-Abgasnorm ist alledings nicht mehr so ganz zeitgemäß, genau wie ...
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... der Innenraum, der an längst vergangene Zeiten erinnert. Einen Airbag sucht man vergebens, immerhin gibt's gegen Aufpreis ein Kassetten-Radio.
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Das Cockpit der "Luxusversion" Samand LX erinnert noch stärker an die Vorlage Peugeot 405. Hier sind auf Wunsch sogar MP3-Player und Klimaanlage verfügbar.
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Noch mehr orientalischer Luxus gefällig? Kein Problem. Mit dem Samand Sarir tragen die Iraner ganz dick auf.
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Hätten Sie's gewusst? Der Sarir trägt ebenfalls die Gene vom alten Peugeot 405. Für mehr Platz im Innenraum hat IKCO daraus eine "Stretchlimo" gemacht und etwas Extra-Blech zwischen die Türen geschweißt.
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Am Heck thront der Pferdekopf, das IKCO-Markenlogo. Ein Hauch Ferrari? Mitnichten, der Deluxe-Samand trägt den gleichen 100-PS-Benziner unterm Blech wie die kleineren Varianten.
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Cockpit im Edel-Look: Die Lederverkleidung und Holzfurniere an den Armaturen sehen ja gar nicht mal so schlecht aus, ...
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... die schmuddeligen Ledersitze allerdings weniger. Kleiner Tipp an die IKCO-Fotografen: Vorm Knipsen mal kurz durchwischen.
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Im Fond des Sarir ist richtig Platz. Bei der Verarbeitung müssen die Iraner allerdings noch üben: Die faltigen Lederbezüge an Sitzen und Türverkleidungen wirken wie gewollt und nicht gekonnt, ...
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... die DVD-Displays in den Kopfstützen wurden wohl eher nachträglich am Computer platziert. Wenn schon Photoshop-Gebastel, dann sollte es wenigstens ansatzweise echt aussehen.
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Beim Pickup-Modell "Bardo" geben sich die Iraner gar nicht erst die Mühe, modern zu wirken. Der robuste Lastesel mit Uralt-Technik soll nicht schön sein, sondern arbeiten. Was mit schlappen 66 PS unter der Haube allerdings einige Mühe bereiten dürfte.
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Auch der Original-Peugeot 405 wird von IKCO in Lizenz nachgebaut.
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Im Iran trägt der Franzose die Bezeichnung "Pars" (persisch).
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Wie geschaffen für den Wüstenritt: Der 405 hat es den Iranern offenbar angetan. Außen bleibt der Peugeot ganz der Alte, ...
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... im Cockpit wurde ein bisschen gebastelt. Mit mäßigem Erfolg, die Holzverkleidungen erinnern ein wenig an Baumarkt-Bausätze.
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Auch der kleinere Peugeot 206 läuft in Teheran als Lizenzmodell vom Band.
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Wie in vielen südlichen Ländern: Ohne Stufenheck geht nichts. Bei uns gab es den kompakten Franzosen übrigens nur als Fließheckversion.
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Graue Plastikwelt, aber noch halbwegs modern: das Cockpit des 206, der auch in Deutschland noch zu haben ist, wenn auch bereits als geliftete Version.
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Alter Bekannter: Das rumänische Billig-Modell Dacia Logan wird im Iran als "Tondar 90" produziert.
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Die Kombiversion MCV trägt im Iran ein Renault-Logo und eine leicht veränderte Frontpartie.
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Kein Scherz: Dieser bekannte Mercedes-Lastesel wird auf der IKCO-Website tatsächlich als "Benz Spirinter" angepriesen. Kann ja mal passieren.
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Exot aus Fernost: Den Kleinbus "Chorus" von Hyundai baut IKCO in Lizenz nach.
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Prägte Deutschlands Stadtbilder in den 60er und 70er Jahren: Das MAN/Mercedes-Busmodell 0457 ist im Iran immer noch topaktuell.
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Spitzname "Rundhauber": Mercedes-Benz 2624. Kam 1959 auf den Markt, in Deutschland bis 1977 im offiziellen Verkauf. Auch unter extremen Bedingungen fast unzerstörbar, wegen seiner Robustheit erfreute sich der Lkw auf der ganzen Welt großer Beliebtheit.