Bei Itinéo im französischen Mayenne fällt die Modellwahl leicht: Hier laufen ausschließlich vollintegrierte Reisemobile vom Band. Und, man höre und staune: Gleich zwei Modelle bieten ein Kinderzimmer mit Etagenbetten. Das ist selten in dieser Klasse, nur die Eura-Mobil-Tochter Forster aus der französischen Trigano-Gruppe hat ähnliche Grundrisse im Programm.

Tolles Platzangebot, aber einfacher Möbelbau

Itinéo SB 740
Kleine Fluchten: Wenn die Kinder allein sein wollen, klappen sie den Tisch ab und spielen ungestört im Kinderzimmer.
Das ist er: Ein weißer Riese, ausgelegt für maximal 4,25 Tonnen und 7,43 Meter lang – unauffällig ist anders. Wenn er steht, besteigt man ihn über integrierte Stufen. Vorn gibt's eine imposante Wohnlandschaft mit L-Sitzbank links und Zweierbank gegenüber, dazu die integrierbaren Fahrerhaussitze. Nicht so schön: Der rechte Sitz der Zweierbank ist très fragile gebaut. Auf Deutsch: Er kollabiert, wenn sich ein Erwachsener draufsetzt. Richtig gute Lösungen gibt's auch: Das abgesenkte Hubbett versperrt nur den Zugang zu den Fahrerhaussitzen, alle anderen sind frei zugänglich. Mit 1,88 Metern ist die Liegefläche aber zu kurz geraten. Besser haben es die Kinder in ihrem Heckzimmer: Deren Etagenbetten sind fürstliche 2,14 Meter lang! Auch sonst fehlt's nicht an Großzügigkeit: Die Winkelküche hält neben dem obligatorischen Dreiflammenherd viel Stau- und Arbeitsfläche sowie einen 150-Liter-Kühlschrank mit Gefrierfach bereit. Auch Waschraum und Duschkabine passen zum Anspruch des großen Familienwagens. Und in der Fahrzeugmitte gibt's gleich zwei Kleiderschränke.

Die riesige Panorama-Frontscheibe ermöglicht gute Übersicht

Itinéo SB 740
Der Itinéo wankt kaum und rettet sich in braves Untersteuern, wenn's auf der Slalomstrecke eng wird.
So fährt er: Entspannt für jeden, der sich auf das XXL-Format und speziell die 2,35 Meter Breite einstellen mag. Der 150-PS-Diesel reicht zum lässigen Mitschwimmen aus, der Geradeauslauf ist prima, die riesige Panorama-Frontscheibe und die großen Außenspiegel ermöglichen gute Übersicht auf der Autobahn und beim Rangieren. Sobald der Asphalt wellig wird, macht sich allerdings der einfache Möbelbau bemerkbar: Hier fängt's mächtig an zu klappern und zu knarzen. Und die dünne untere Abdeckung des Hubbetts schaukelt munter vor sich hin, während sich die rechte Sonnenblende langsam und selbstständig in den Blickwinkel des Beifahrers bewegt. Auch sparsam ist der große Familienbegleiter nicht: Bei gelassener Gangart ließ er sich 14,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer schmecken.
Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile
Das hat er: Einen Produktmanager, der anscheinend knallhart kalkuliert. Der Basis-Itinéo startet bei freundlichen 60.400 Euro, der Testwagen kostet 63.820 Euro. So würden wir ihn auch nehmen: mit 150 PS statt 130 (1690 Euro), Fliegenschutztür (280 Euro) und Fenster in der Aufbautür (550 Euro). Zur Serienausstattung gehören die Ambientebeleuchtung, das dritte Bett im Kinderzimmer sowie das aufstellbare untere Etagenbett. Merci beaucoup, Itinéo: Ist auch mal schön, wenn es nicht so viel zu entscheiden gibt.


Fazit

von

Kai Schwarten
Groß, geräumig und alles andere als gewöhnlich, dieser Itinéo mit seinen Etagenbetten im Heck. Aber es passt: Familien, die keinen Alkoven mögen, liegen hier richtig. Was trotz des sympathischen Preises stört, sind die Klappergeräusche auf schlechten Straßen.

Von

Kai Schwarten