Fahrbericht Jaguar F-Pace SVR

Jaguar F-Pace SVR: Test, SUV

F-Pace auf Sportwagen-Niveau

Jaguar rüstet sein SUV F-Pace zu einem üppig motorisierten Kraftpaket auf. Dank eines 550-PS-V8 sprintet der SVR wie ein Sportwagen.
Schaut man in das Datenblatt des Jaguar F-Pace SVR, dann wirkt das Power-SUV wie aus der Zeit gefallen: Satte fünf Liter Hubraum verteilt auf acht Zylinder, 550 PS, ein maximales Drehmoment von 680 Nm, Kompressoraufladung, 283 km/h Höchstgeschwindigkeit – jeder Verfechter von Sparmotoren mit dem Hubraum einer Milchtüte wendet sich mit Unverständnis ab. AUTO BILD ist das 100.100 Euro teure edle englische Kraftpaket gefahren.

Das F-Pace-Topmodel zeigt seine Leistung nur dezent

Jaguar F-Pace SVR (2019): Test

F-Pace bekommt V8-Motor

Von außen sieht der SVR erstaunlich zivil aus – britisches Understatement eben. Das Aerodynamik-Paket mit tiefergezogenen Seitenschwellern, Kotflügelverbreiterungen, Luftschlitzen auf der Motorhaube, größeren Lufteinlässen und Öffnungen in den Radkästen vorne, neu gezeichneten Front- und Heckschürzen und einem neuen Dachspoiler sowie die vierflutige Abgasanlage lassen trotzdem keine Zweifel am sportlichen Anspruch aufkommen. Passend dazu steht das SUV wahlweise auf 21- oder 22-Zoll-Schmiedefelgen. Auch innen ist der F-Pace SVR deutlich aufgewertet. Die Sitze für Fahrer und Beifahrer bieten besten Seitenhalt und sind umfangreich verstellbar. Die Lederbezüge sind rautenförmig gemustert und sowohl beheiz- wie kühlbar. Platz gibt es vorne üppig, hinten ausreichend. Hartplastik? Fehlanzeige. Der Kofferraum fasst 650 Liter – so viel wie ein E-Klasse-Kombi von Mercedes.

Die Beschleunigung liegt auf Sportwagen-Niveau

Wahnsinn: Der F-Pace SVR sprintet in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 – maximal sind 238 km/h drin.

Der V8-Kompressor-Motor leistet mit seinen 405 kW/550 PS satte 250 PS mehr als die bisher stärksten F-Pace-Modelle 30t und 30d. Mit seinem maximalen Drehmoment von 680 Nm ab 2500/min beschleunigt der Zweitonner auf dem Niveau eines echten Sportwagens: In gerade einmal 4,3 Sekunden rast die Tachonadel auf 100 km/h. Ein Asket ist der Motor dabei natürlich nicht: Jaguar gibt den Durchschnittsverbrauch mit 11,9 Litern auf 100 Kilometern reichlich optimistisch an. Real hat man keinerlei Probleme, selbst bei normalem Fahrverhalten 15 Liter durch die acht Zylinder zu jagen. Beim Tritt aufs Gaspedal braucht der Motor zwar einen kurzen Moment der Besinnung, legt dann aber flott und schier unaufhaltsam los. Per Taste lässt sich die Klappensteuerung der Abgasanlage aus Titan aktivieren. Das sorgt nicht nur für einen röhrenden Sound, sondern wegen des reduzierten Abgasgegendrucks für etwas mehr Leistung.
Die achtstufige Automatik von ZF schaltet selbst im Dynamik-Modus geschmeidig zwischen den Gängen um. Bedient wird die Automatik nicht mehr über ein Einstellrad auf dem Mitteltunnel, sondern über einen eleganten Gangwahlhebel. "Kundenwunsch" heißt es dazu bei Jaguar. Das Verzögern hat der F-Pace SVR genauso gut drauf wie das Beschleunigen. Die 395 Millimeter großen Bremsscheiben sind aus Gewichtsgründen zweiteilig konstruiert, die mächtigen Bremssättel leuchten rot hervor.

Mit dem adaptiven Fahrwerk geht es gut ums Eck

Großer Dynamiker: Kurven liegen dem F-Pace durchaus, bei Bedarf kann er aber auch Komfort.

Trotz seines sportlich ausgelegten Charakters lässt sich der F-Pace SVR zumindest im Normalmodus durchaus komfortabel fahren. Die Federn sind etwas steifer ausgelegt als beim normalen F-Pace. Ohne übermäßige Seitenneigung geht es präzise um schnelle Kurven. Dort bremst die Elektronik gezielt die kurveninneren Räder ab und hilft so beim Einlenken. Merkbar ruppiger geht es im Dynamik-Modus zu: Der Lenkwiderstand erhöht sich, die Gangwechsel verlaufen zügiger, die Dämpfer werden härter und die Gasannahme direkter. Auf trockener Fahrbahn wird der F-Pace SVR allein über die Hinterräder angetrieben, ansonsten schalten sich je nach Bedarf die beiden Vorderräder dazu. Trotz der üppigen Leistungsabgabe ist es auch auf feuchter Fahrbahn kaum möglich, die Räder selbst nur kurz durchdrehen zu lassen. All das macht den SRV nicht zum Offroader – aber zumindest einfaches Gelände und Feldwege kann man ihm durchaus zumuten.
Wer sich einen Jaguar F-Pace SVR gönnen will, der sollte mindestens 100.100 Euro in der Portokasse haben. Damit ist Jaguar im Segment der kompakten Performance-SUVs nicht nur in Sachen Leistung Spitze. Der Mercedes GLC 63 S AMG V8 mit seinen 510 PS etwa kostet rund 93.000 Euro, der gleich starke Alfa Romeo Stelvio 2.9 V6 rund 90.000 Euro.
Technische Daten Jaguar F-Pace SVR • Motor: V8 Kompressor • Hubraum: 5000 cm³ • Leistung: 550 PS (405 kW) bei 6000 bis 6500/min • max. Drehmoment: 680 Nm bei 2500 bis 5500/min-1 • Vmax: 283 km/h • 0-100 km/h: 4,3 s • Getriebe: 8-Gang-Automatik • Antrieb: Allrad  • Treibstoffsorte: Super Plus • Tank: 82 l • Verbrauch EU-Drittelmix: 11,9 l/100 km • Abgas CO2: 272 g/km • Abgasnorm: Euro 6d-TEMP • Gewicht: 2070 kg • max. Zuladung : 480 kg • Länge/Breite/Höhe: 4737/2071/1.670 mm• Kofferraumvolumen: 650 bis 1731 l • Preis 100.100 Euro.

Autor: Jürgen Wolff

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