Vor 70 Jahren stieg Jaguar in den Rennsport ein. Jetzt feiern die Engländer das Jubiläum mit einem bemerkenswerten Offroad-Modell des F-Type.
Jürgen Wolff
Der Jaguar XK120 markierte vor 70 Jahren für den britischen Autobauer den offiziellen Einstieg in den Motorsport. Der heckgetriebene Roadster schaffte mit seinem 3,5-Liter-Reihensechser 200 km/h Spitze und kam Anfang der 1950er-Jahre bei legendären Motorsportveranstaltungen gleich auf die vorderen Plätze. Am Volant: Ian Appleyard und Patricia Lyons, die Tochter von Jaguar-Gründer Sir William Lyons. Nun feiert Jaguar rundes Jubiläum und macht sich dazu ein ganz besonderes Geschenk.
Gebaut nach FIA-Vorgaben: Der Offroad-Jaguar hat alles, was Rennsport sicher und schnell macht.
Die Designer um Simon Butterworth und ein Team von Ingenieuren um Tanmay Dube bauten zwei F-Type Cabrios zu Rallye-Fahrzeugen um, die dem Reglement des Weltmotorsportverbandes FIA entsprechen. Die beiden – wie der einstige XK120 – weiß lackierten F-Type bekamen einen stabilen Überrollkäfig, Rennsitze mit Sechspunkt-Gurten, Feuerlöscher, einen zentralen Ausschalter für die Elektrik, einen Hebel, mit dem sich alle Assistenzsysteme wie ABS & Co. abschalten lassen und eine hydraulische Handbremse mit einem extra langen Stock für flotte Kurvendrifts. Die Dämpfer sind je nach Fahrbahnoberfläche dreifach verstellbar. Dazu kommen ein Sperrdifferenzial sowie verstärkte Bremsen und Aufhängungen sowie weichere Federn, damit die Autos auch mit Vollgas harte Schotterprüfungen überstehen. Auf die Motorhaube wurde eine Batterie von vier Zusatzscheinwerfern montiert – eine mehrfach preisgekrönte Schönheit wie den F-Type kann einfach nichts verhunzen.
Wegen des Gewichts kam ein Sechszylinder nicht infrage
Den F-Type Rally durch den Schlamm zu prügeln ist ein Riesenspaß – eingesaute Garderobe inklusive.
Im Gegensatz zu seinem historischen Vorbild wird das Jubiläumsmodell nicht von einem Sechszylinder befeuert – aus Gewichtsgründen. Unter der Haube arbeitet der deutlich leichtere, 221 kW/300 PS starke Zweiliter-Vierzylinder aus dem F-Type. Entstanden ist eine Art Mischwesen zwischen Rallye- und Straßenauto. Mittig im Cockpit ist nach wie vor der übliche Touchscreen zu finden mit Schaltern für zum Beispiel Rückfahrkamera und Mediasystem. Funktionieren tut weder das eine noch das andere. Oder: Der Rally (ja, Jaguar schreibt ihn ohne e) hat weder Faltverdeck noch Seitenscheiben, obwohl oben am Rahmen der Frontscheibe ganz selbstverständlich die Verschlüsse fürs Verdeck zu finden sind. Was fehlt? Zum Paket müsste eigentlich je eine Waschmaschine gehören – denn mit einem Roadster über Schlamm- und Schotterpisten zu heizen, ist auch für die Fahrergarderobe nur bedingt eine gute Idee. Wenn auch eine, die Spaß macht.
Lustvoll lässt sich der Rallye-Jaguar über das hauseigene Testgelände Fen End jagen. Die Lenkung könnte zwar etwas weniger leichtgängig sein, aber auch so folgt der Roadster präzise allen Vorgaben, geht ab wie eine Raubkatze beim Sprung auf ihre Beute, schlingert durch den Matsch, poltert durch Schlaglöcher, schlittert um enge Kurven. Lohn der Tour de Matsch: Massenhaft Spaß, weder Schrammen noch Beulen – und komplett eingesaute Jeans und Jacke.
Fans finden im Jaguar-Autohaus eine zivilere Variante
Einzelstücke: Vom Rally gibt es nur zwei Exemplare, aber Jaguar bringt ein zivileres Modell auf den Markt.
In den Verkauf gehen die beiden Einzelstücke nicht. Sie sollen in den kommenden Monaten von Jaguar vor allem als Showcars unter anderem bei Rennsportveranstaltungen eingesetzt werden. Wer dennoch auch auf dem Fahrersitz an das Motorsport-Jubiläum erinnert werden will, für den bietet Jaguar mit dem Sondermodel F-Type Chequered Flag die deutlich zivilere Version des Rallyeautos. Basierend auf der R-Dynamic-Variante kommt es mit breiteren Seitenschwellern, als Coupé und Cabrio, reichlich Chequered Flag-Emblemen außen und innen, Sitzen in Windsor-Leder – und natürlich einer roten Markierung am Lenkrad für die 12-Uhr-Stellung. Angeboten wird das Sondermodell mit wahlweise drei Motoren zwischen 300 und 380 PS sowie Achtstufen-Automatikgetriebe. Der Basispreis liegt bei 74.300 Euro. Ohne Jubiläums-Paket startet der 300-PS-F-Type als Coupé bei knapp 60.000 Euro und das Cabrio bei rund 66.000 Euro.